Navigation Inhalt Wählen Sie Ihr Thema:

Mühlviertler Gotikstraße

Das Mühlviertel hat seine mystischen Seiten. Hügel, die oft nebelverhangen sind, und tief eingeschnittene, dicht bewaldete Täler prägen das Geheimnisvolle dieser Landschaft. Gotische Kirchen mit Schätzen spätmittelalterlicher sakraler Kunst prägen das Bild der Mühlviertler Gotikstraße.

Kefermarkter Flügelaltar © Oberösterreich Tourismus

Das Mühlviertel, die nördlichste Region Oberösterreichs, die an Bayern und Südböhmen grenzt, hat viele alte Geschichten und ewige Wahrheiten zu erzählen – von Märtyrern, Heiligen, Verfolgten, Leidenden und Erlösten. Insgesamt 30 Stationen auf der Mühlviertler Gotikstraße legen darüber Zeugnis ab. Bei einigen sakralen Meisterwerken muss der kunstsinnige Besucher mitunter zwar den Mesner herausläuten, aber die Kirchenpforten öffnen sich für jeden – ob für Pilger oder Kunstinteressierte. Schließlich sind die Mühlviertler auf ihr gotisches Erbe stolz und geben, gewürzt mit kleinen Geschichten, gerne Auskunft darüber.

Anderswo in Österreich fielen zahlreiche gotische Kunstwerke den Türkenkriegen zum Opfer. Oder sie wurden im Zuge der Barockisierung im  17. und 18. Jahrhundert weggeworfen oder verbrannt. Zu jener Zeit sah man doch tatsächlich die strenge Formensprache der Gotik als eine Geschmacksverirrung der Kunstgeschichte an und überzog viele Kirchen mit der opulenten Ästhetik des Barock. Anders im Mühlviertel: Hier hat man sich offensichtlich schon immer auf das gute Alte besonnen und das kulturelle Erbe gehegt und gepflegt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der weltberühmte Flügelaltar von Kefermarkt. Dieses Juwel der Mühlviertler Gotikstraße ist eines der herausragendsten Beispiele spätgotischer Holzschnitzkunst. Dabei ist der Künstler der dreiteiligen Altarskulptur bis heute unbekannt! Der aus Lindenholz gefertigte Flügelaltar zeigt in der Mitte die drei Heiligen Petrus, Wolfgang (dem die Kirche geweiht ist) und Christophorus, dessen auf den Stock gestützte Haltung besonders ergreifend wirkt. Seit mehr als 500 Jahren befindet sich der Altar unter dem Netzrippengewölbe der Kefermarkter Pfarrkirche. Reformation, Kriege und Unruhen konnten ihm nichts anhaben – einzig der Holzwurm hat seine Existenz ernstlich bedroht. Es ist dem Dichter Adalbert Stifter in seiner Funktion als Landeskonservator von Oberösterreich zu verdanken, dass der bereits stark mitgenommene Altar in den Jahren 1852–55 restauriert und so der Nachwelt erhalten werden konnte.

Ähnliches gilt für viele andere Kunstschätze im Mühlviertel: Kirchen, Kapellen und Flügelaltäre im gesamten Mühlviertler Kernland zeugen vom ausgeprägten Kunstsinn und von der tiefen Frömmigkeit seiner Bewohner. Besonders beeindruckende Bauten sind das imposante Kreuzrippengewölbe der Pfarrkirche von Gutau, die Pfarrkirche von Pabneukirchen mit ihrem romanischen Baucharakter oder die ausschließlich aus Granitsteinen erbaute Dorfkapelle von Wienau. Aber nicht nur Kirchen liegen an der Gotikstraße. Die „Hauptstadt“ des Mühlviertels, Freistadt, ist ein einzigartiges Ensemble spätgotischer Baukunst. Die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage, die fürstliche Burg mit ihrem profilierten gotischen Turm sowie stattliche Bürgerhäuser und wehrhafte Türme lassen bei einem Rundgang die Zeit stillstehen – und erzählen den Besuchern manch mystische Geschichte aus dem Mittelalter.

Mühlviertler Kernland
Mühlviertel pur