
Ein österreichisches Vollholz-Designer-Hotel
Ortswechsel: Nur wenige Schritte vom UFO-Spa entfernt liegt das gänzlich irdische Zirbenholz-Biotop. Für den Weg dorthin benötigt man statt eines Beamers einfach nur Halbschuhe mit einigermaßen gutem Profil. Es sind ja bloß wenige Meter durch den knirschenden Schnee, der jetzt, nach dem Schweben im blauen Ötztaler Spa-Licht blendend weiß am Wege liegt. Dann taucht schon das Hotel Waldklause auf. Auch hier geht es um Erholung plus Architektur, so wie bei der futuristischsten Therme Österreichs. Aber statt auf UFO-Optik wird hier zunächst auf die Kraft von Alpha-Pinens gesetzt. Dass dieser Name ebenfalls für eine Star-Trek-Episode taugen würde, tut dabei nichts zur Sache: Alpha-Pinens ist der Wirkstoff im Zirbenholz, und damit eine wichtige Zutat des vis-à-vis des Aqua Dome gelegenen, ersten österreichischen Vollholz-Designer-Hotels. Eine reduzierte Herzfrequenz soll uns diese Holzart während des Schlafs bescheren, durchschnittlich 3500 Herzschläge pro Tag weniger, oder anders gerechnet: eine volle Stunde "Herzarbeit".
Dennoch wäre es schade, den ganzen Tag im Zirbenholzbett zu liegen. Denn dann sieht man nur Teile dessen, was die "Waldklause"-Betreiberfamilie Auer mit Stolz erfüllt: die Ötztaler Bergwelt, von der man aus der Zirbenholzbett-Perspektive nur ein paar Zacken erhascht, während sie vom Balkon aus den gesamten Blick einnimmt. Wer im Bett liegen bleibt, wird die zahlreichen Holzdübel erkennen, die sich über Wände und Raumdecken ziehen und so von der komplett leimfrei ausgeführten Montage zeugen - und damit auch von der Philosophie, die beim Bau des Bio-Hotels im Zentrum stand. Ökologie plus Design, lautete diese. Große Glasfronten, die großzügig das Tageslicht hereinlassen, beweisen dies ebenso wie die klare architektonische Linie, die dem honiggelben, tannenblassen, lärchenroten, zirbenbraunen Farben der eingesetzten Nadelhölzer einen baulichen Raster verleiht.
Harmonische Verbindung von Landschaft und Architektur
Beispiele minimalistischer, moderner oder einfach ökologisch inspirierter Architektur, die im Umfeld von Wellness-Betrieben entstehen, finden sich heute im ganzen Land. Das Lifestyle-Resort in Stegersbach besticht etwa nicht nur durch die atemberaubende Lage, sondern auch durch die Verbindung von baulicher Intimität und Umgebung.
Das Thermenhotel Larimar setzt auf fließende Formen und weiche Linien im eiförmigen Bau - ein klares Signal für Geborgenheit. Dem ovalen Grundriss war bereits 2003 ein architektonischer Lichtblick vorausgegangen: nämlich das meditativ gestaltete "wine & spa"-Ensemble des Loisiums, ein Werk des New Yorker Stararchitekten Steven Holl. Es ist ein skulpturaler Baukörper, der das Weinthema in vielen Details und Materialien aufnimmt: etwa mit flaschengrünen Fenstergläsern, einem korkverkleideten Innenraum oder der matt inmitten von romantischen Weinbergen glänzenden Aluminiumhülle. Doch wichtiger als die Coverstars der Architekturgazetten sind in Summe vielleicht jene Wellness-Hotels, die für ein von Jahr zu Jahr dichter werdendes Netz hochwertiger Bauten sorgen. Die fließenden Formen des Lanserhofs in Lans bei Innsbruck etwa. Oder das von einem schlichten Kreisform-Grundriss definierte Hotel Gams, dessen nach außen aufgebrochene, mit Naturmaterialien gestaltete Fassade eine harmonische Verbindung mit der umgebenden Landschaft bildet.
