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Was die wenigsten wissen ....

„Erst ist er so, wie man ihn portraitiert hat, dann wieder ganz anders“ schrieb Richard Specht 1913 in seiner Mahler-Biographie. Wie um jeden Künstler rankt sich auch um Gustav Mahler die eine oder andere Anekdote.

Gustav Mahler, Schlussakkord der 7. Symphonie © Österreich Werbung
Fast ein Heiliger
„Gustav Mahler war ein Heiliger.“ Mit diesen Worten begann Arnold Schönberg seinen Nachruf auf Mahler. Als Mahler noch lebte, erzählte ihm Schönberg davon, dass er in seiner Wohnung in der Liechtensteinstraße beim Komponieren häufig von den Glocken der nahen Kirche abgelenkt werde. „Das kann Sie doch nicht stören! Komponieren Sie die Glocken mit hinein!“, erwiderte Gustav Mahler. Um selbst während seiner Arbeit ungestört zu sein, ließ er sich während seiner Sommeraufenthalte am Ufer des Attersees, später in der Nähe seiner Villa in Maiernigg am Wörthersee Komponierhäuschen errichten. Wenn er komponierte, mussten in der Umgebung sogar die Glocken der Kühe gedämpft werden und eine Vogelscheuche sollte die Vögel abhalten. Dennoch beklagte sich Mahler Schönberg gegenüber, er habe wegen des Vogelgesangs häufig nicht arbeiten können. „Ärgern Sie sich nicht“, antwortete Schönberg, der sich an Mahlers Ratschlag erinnerte. „Sie können doch den Gesang der Vögel in Ihrer nächsten Symphonie verarbeiten.“
www.schoenberg.at

Konsultation bei Sigmund Freud
Obwohl Sigmund Freud und Gustav Mahler beide in Wien lebten, kam es zwischen ihnen nur zu einem einzigen Zusammentreffen. Freud war nach eigener Aussage an Musik uninteressiert, da sich alles in ihm sträube, von etwas ergriffen zu werden, wovon er nicht die Ursache kenne. Mahler seinerseits hatte in einem Gespräch über Freud mit wegwerfender Geste gemeint, dieser versuche alles „von einem gewissen Punkt aus zu kurieren.“ Als er 1910 die Affäre seiner Frau Alma mit Walter Gropius, dem Begründer des Bauhauses, entdeckte, entschloss er sich dennoch, Freud zu konsultieren. Nachdem Mahler drei Mal den Termin verstreichen ließ, kam es in der holländischen Stadt Leiden zu einem Treffen, bei dem sich Mahler während eines vierstündigen Spazierganges einer Analyse unterzog. Zufrieden telegrafierte Mahler nach der Analyse an Alma: „Bin fröhlich. Unterredung interessant. Aus Strohhalm Balken geworden.“
www.freud-museum.at

Mahler und die Musikalische Moderne
„Ich verstehe seine Musik nicht, aber er ist jung; vielleicht hat er recht“, sagte Mahler einmal über die Musik Arnold Schönbergs. Trotz dieser Vorbehalte setzte er sich nachdrücklich für die neue Musik ein. Als es bei der Uraufführung des Streichsextetts Opus 4, „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg zu einem Tumult kam, war Mahler aufgesprungen und forderte die pfeifenden Konzertbesucher zum Verlassen des Saales auf. Es setzte ein allgemeiner Beifallssturm ein. Noch im Abgehen rief einer der Kritiker Mahler zu: „Wir pfeifen auch Ihre Symphonien aus!“
www.schoenberg.at

Tod in Venedig – Mahlers Adagietto als Filmmusik
„Welche Eigenschaften sich auch immer in seiner Musik entdecken lassen, die diametral entgegengesetzten sind auch darin enthalten“, sagte Bernstein einmal über Mahlers Musik. Schon zahlreiche Zeitgenossen, unter ihnen Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern, gehörten zu Mahlers Bewunderern. Mittlerweile berufen sich so unterschiedliche Komponisten wie Luciano Berio, György Ligeti, Hans Werner Henze, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Wolfgang Rihm auf seine Musik. Mahlers Klangwelten inspirieren aber auch zahlreiche Filmkomponisten wie Ennio Morricone und John Williams. Aber auch Mahler selbst erreichte als „Filmkomponist“ Weltruhm, nachdem Luchino Visconti für die Verfilmung von Thomas Manns "Der Tod in Venedig" das Adagietto aus der 5. Symphonie wählte.

Die Villa Mahler in Breitenstein am Semmering
Mit der Eröffnung der Semmeringbahn 1854, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, war der Semmering zur beliebten Sommerfrischegegend der Wiener geworden. Als Gustav Mahler 1910 ein Grundstück in Breitenstein am Semmering erwarb, geschah das in der Hoffnung, „irgendwo zu Hause zu sein, irgendwo in der Nähe von Wien, wo die Sonne scheint und schöne Trauben wachsen“. Die Villa selbst wurde aber erst nach Mahlers Tod zu einer Zeit errichtet, als Alma ein Verhältnis mit dem Maler Oskar Kokoschka unterhielt, der über dem Kamin ein großes Fresko anbrachte. Während der Jahre von Almas Ehen mit Walter Gropius und Franz Werfel gingen zahlreiche Künstler in der Villa Mahler aus und ein, unter ihnen Hugo von Hofmannsthal, Gerhard Hauptmann, Alban Berg und Ernst Krenek.
geschichte.landesmuseum.net
www.breitenstein.at

„Der wohlgerüstete Starke“ – Kampf um künstlerische Anerkennung
Die 1902 Beethoven gewidmete Ausstellung der Secession sollte als Gesamtkunstwerk Skulptur, Malerei und Musik einbeziehen. Gustav Klimt schuf für die Ausstellung seinen berühmten Beethovenfries. Zur Mitarbeit konnte auch Gustav Mahler gewonnen werden, der wie viele Künstler der Secession im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen stand. Mahler bearbeitete Teile aus dem Schlusschor von Beethovens 9. Symphonie für Bläser und brachte sie in der Secession zur Aufführung. Acht Jahre später hat Gustav Klimt in einer Festschrift zu Mahlers 50. Geburtstag die im Beethovenfries dargestellte Figur des als „wohlgerüsteten Starken“ bezeichneten Ritter auch auf Mahler bezogen. So wurde die Rittergestalt zu einem Klimt und Mahler verbindenden Symbol in ihrem Ringen um künstlerische Anerkennung.
www.secession.at
www.leopoldmuseum.org

Theaterdonner
Als Hofoperndirektor leitete Gustav Mahler in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Alfred Roller bahnbrechende Reformen ein, welche die Grundlagen für die moderne Operninszenierung schufen. Berüchtigt waren dabei Gustav Mahlers Wutausbrüche während der Proben. Nach einem dieser Anlässe äußerte sich Mahler gegenüber Alfred Roller: „Glauben Sie nur nicht, dass ich mich wirklich geärgert habe, aber ich habe leider kein anderes Mittel als Strenge, um die nötige Ordnung aufrecht zu halten.“ In der Folge lernte Alfred Roller am Klang der Stimme zu unterscheiden, ob Mahler „Theater“ spielte, oder sich tatsächlich ärgerte. Dann nämlich wechselte die Stimme sofort in eine höhere Tonlage.

Gustav Mahlers Angst vor der Zahl Neun
1907 starb Gustav Mahlers ältere Tochter Maria Anna und im selben Jahr wurde Mahlers unheilbares Herzleiden diagnostiziert. In dieser Zeit der Krise und bedrückender Todesahnungen begann Mahler den Liederzyklus "Das Lied von der Erde" zunächst als seine 9. Symphonie. Da aber weder Beethoven, noch Schubert, Bruckner und Dvořák über eine 9. Symphonie hinauskamen, strich Mahler, der stets dem Mystizismus und Wunderglauben anhing, schließlich die Zahl wieder durch. Als er dann tatsächlich an seiner 9. Symphonie arbeitete, sagte er zu Alma: „Eigentlich ist es ja die Zehnte, weil das Lied von der Erde meine Neunte ist.“ Seine zehnte Symphonie schließlich konnte Mahler nicht mehr vollenden.

Bruno Walter zu Besuch in Steinbach am Attersee
Kaum ein Werk ist so sehr mit der österreichischen Landschaft verbunden, wie Gustav Mahlers Musik. Als der Dirigent Bruno Walter Mahler in Steinbach am Attersee besuchte und überwältigt vor dem Anblick des Höllengebirges stehen blieb, sagte Mahler: „Sie brauchen gar nicht mehr hinzusehen – das habe ich schon alles wegkomponiert.“ Es war auch Bruno Walter, dem Mahler von einem verstörenden Erlebnis erzählte. Eines Morgens sei er in seinem Komponierhäuschen bei der Arbeit gesessen, als plötzlich etwas „fürchterlich Dunkles“ zum Fenster hereinstürzte. Mahler war erschrocken aufgesprungen und erblickte draußen einen Adler. Nachdem er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte, flatterte unter dem Sofa eine Krähe hervor, die dort Schutz gesucht hatte.
www.steinbach-attersee.at
www.oberoesterreich.at