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Gustav Mahler – Symphonien

Gustav Mahler schuf unter seinen unzähligen Werken auch 9 komplette Symphonien, die sich sehr voneinander unterscheiden. Entsprechend unterschiedlich wurden sie auch vom Publikum aufgenommen.

Notenbuch, Mahler-Symphonien © Österreich Werbung
1. Symphonie
Ein Hauch von Melancholie und schmerzlicher Schönheit durchzieht Gustav Mahlers 1. Symphonie. Der ganze unverwechselbare Mahler’sche Tonfall ist bereits hier voll ausgebildet. Mahler war sich bewusst, mit seiner Musik Neuland zu beschreiten. Einem Jugendfreund schrieb er über seine 1. Symphonie: „Wahrscheinlich bist Du der Einzige, dem darin an mir nichts neu sein wird; die anderen werden sich wohl über manches wundern!“ Die Uraufführung 1889, nach vierjähriger Arbeit an der Komposition, geriet dann auch zu einem Fiasko.

2. Symphonie
Sie entstand in sechs Jahren, zum Großteil während zweier Sommeraufenthalte 1893 und 1894 in Steinbach am Attersee. Gustav Mahler fügte Sopran- und Altsolo und gemischten Chor bei und vertonte Worte von Klopstock, Verse aus des Knaben Wunderhorn sowie eigene Dichtungen. Mahler selbst berichtete, dass sich der entscheidende Impuls, nach dem er so lange suchte, während der Trauerfeiern für den verstorbenen Dirigenten Bülow einstellte. Die Uraufführung 1895, die Mahler aus eigenen Mitteln bestreiten musste, fiel bei der Kritik durch, hatte aber beim Publikum einen durchschlagenden Erfolg und begründete Mahlers Ruhm als Komponist.

3. Symphonie
Schon bei der ersten Annäherung überwältigt das Ausmaß von Mahlers 3. Symphonie, die 1892 begonnen und großteils in den Sommern der Jahre 1895/96 in Steinbach am Attersee vollendet wurde. Die Aneinanderreihung disparater Stimmungen und verschiedener musikalischer Idiome gab zu den widersprüchlichsten Deutungen Anlass. Mahler selbst charakterisierte seine 3. Symphonie – und damit auch sein gesamtes symphonisches Schaffen – mit den Worten: „Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen. Der immer neue und wechselnde Inhalt bestimmt seine Form von selbst.“

4. Symphonie
Nach den beiden vorangegangenen Symphonien überraschte – und überforderte – Gustav Mahler sein Publikum 1901 bei der Uraufführung dieser Komposition erneut. Das an verschiedenen Orten in Bad Aussee, Maiernigg und Wien komponierte Werk scheint in der Abkehr vom spätromantischen Pathos und der Hinwendung zu einer klassizistischen Formsprache einen Bruch zu den bisherigen Symphonien darzustellen. Die 4. Symphonie bildet demnach nicht nur den Abschluss der eng mit der Poesie der Wunderhorn-Lieder verknüpften Vorgängerwerke, sondern schließt als „Epilog im Himmel“ unmittelbar an die 3. Symphonie an. „Es ist die Heiterkeit einer höheren, uns fremden Welt darin“, die aber, wie Mahler gleichwohl hinzufügt, „für uns etwas Schauerlich-Grauenvolles hat.“

5. Symphonie
Mit der 1901 und 1902 in Maiernigg am Wörthersee entstandenen 5. Symphonie schrieb Mahler erstmals reine Instrumentalmusik, ohne Bezugnahme auf einen vorgegebenen Gedichtzyklus. Ein tiefer Riss scheint durch dieses Werk zu gehen. Schroff und scheinbar unvermittelt treffen darin die Gegensätze aufeinander. Die Arbeit an diesem Werk stellte an den Komponisten enorme Herausforderungen. Bis zu seinem Tod fügte er immer wieder neue Änderungen in der Partitur ein. Aber auch seinem Publikum hatte Mahler wieder einmal zuviel abverlangt, so dass er anlässlich einer Aufführung resigniert bemerkte: „Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie.“

6. Symphonie
„Wie gepeitscht“ – „Wie wütend dreinfahren“ – „Wie ein Axthieb“ schrieb Gustav Mahler als Spielanleitungen in die Partitur seiner 6. Symphonie, die er 1903 und 1904 in Maiernigg komponierte. Es spricht vieles dafür, dass Mahler mit dieser Symphonie seine „klassische“ schreiben wollte, doch endet auch sie weit jenseits der Horizonte, die sich Mahler am Beginn setzte. Von dieser Symphonie, die Zemlinsky Mahlers „Eigentliche“ nannte, äußerte Mahler, sie werde „Rätsel aufgeben, an die sich nur eine Generation heranwagen darf, die meine ersten fünf in sich aufgenommen und verdaut hat.“

7. Symphonie
Der Gedanke, dass die Musik dem Traum und dem Unbewussten verbunden und somit befähigt sei, Wahrheiten auszusprechen, die jenseits der Vernunft lagen, bestimmte die Romantik. Aber zuweilen gemahnt die Musik von Mahlers 7. Symphonie, entstanden am Wörthersee in den Sommermonaten 1904/1905 an Goyas Radierung „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Aus tiefer Verzweiflung findet die Musik dennoch immer wieder zu Augenblicken verklärter Ruhe. Der Musiker, schrieb Mahler, gleiche einem Nachtwandler. „Er weiß nicht, welchen Weg er schreitet, aber er geht dem fernen Lichte zu – ob dies das ewig strahlende Gestirn oder ein lockendes Irrlicht ist!“

8. Symphonie
Die Uraufführung der 1906 in Maiernigg geschaffenen „Symphonie der Tausend“ brachte Mahler den ersten großen Erfolg nach der Aufführung der 2. Symphonie. Mahler selbst schrieb über die Komposition: „… es ist das Größte, was ich bis jetzt gemacht … Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“

9. und 10. Symphonie

Während Mahlers physische Kräfte allmählich nachließen, erreichte seine Kreativität einen letzten Höhepunkt. Die 9. Symphonie wurde als einziges symphonisches Werk dieser Größenordnung innerhalb eines Jahres – 1909 – vollendet. Das einleitende Andante ist das außergewöhnlichste Stück Musik, das Mahler je komponierte. Dem letzten erschöpften Zusammenbruch des Orchesters folgen in den Stimmen der Blechbläser und Pauken die Anfangsmotive des Satzes, unheilverkündende Zeichen des Todes. Im Partitur-Entwurf finden sich zahlreiche Notizen, die erkennen lassen, dass Mahler mit diesem Werk Erinnerungen und Abschiedsgedanken verband. Die Uraufführung hat Mahler nicht mehr erlebt.
Von seiner 10. Symphonie konnte er nur noch die Gesamtkonzeption skizzieren, ehe ihn der Tod ereilte.