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Franz Liszt, der Europäer

Franz Liszts Leben führt ihn innerhalb Europas in verschiedene Länder, deren kulturelle Einflüsse in seinem Werk ihren Niederschlag finden. Seine Weltoffenheit und sein kosmopolitisches Denken machen ihn zu einem "echten" Europäer.

Liszt Museum  © Österreich Werbung/Trumler
Franz Liszt - Stationen in Europa
Es verwundert deshalb nicht, dass er heute in mehreren Ländern auf unterschiedliche Weise präsent ist. In Budapest wurde schon 1925 die auf Liszts Drängen gegründete Musikakademie, deren erster Präsident er war, nach ihm benannt. In Würdigung des Liszt‘schen Schaffens veranstaltet die 1956 nach Liszt benannte "Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar" internationale Klavier- und Orgelwettbewerbe. In Raiding, Weimar, Budapest und Bayreuth dokumentieren Museen das Leben und Wirken Liszts.

2006 wurde in Raiding (Burgenland) neben dem historischen Geburtshaus ein moderner Konzertbau errichtet. Der akustisch hervorragend gelöste Konzertsaal ist mit dem Liszt-Festival seither Veranstaltungsort für Klassik-Konzerte von Weltrang. Das bis heute schindelgedeckte Geburtshaus ist seit 1951 ein Museum und wurde ebenfalls neu gestaltet. Neben Fotos, Notenmaterial und der Totenmaske sind dort unter anderem Raritäten wie der Erard-Flügel, auf dem Liszt selbst gespielt hat, zu bewundern.

Musikalischer Visionär
Franz Liszt gilt als Schöpfer einer völlig neuartigen Klaviermusik und eines zukunftsweisenden Kompositionsstils. Er brach auch als Pianist mit allen Regeln und griff oft ein oder mehrere Themen aus bekannten Opern auf, die er mit eigenen kompositorischen Ideen zu brillanten Klavierstücken ausschmückte. Liszt gilt überdies als Wegbereiter der sinfonischen Dichtung. Damit bezeichnet man ein Orchesterstück, das ursprünglich außermusikalische Inhalte, wie literarische Vorlagen oder Gemälde, musikalisch beschreibt. Beispiele von Liszts sinfonischen Dichtungen sind seine Faust Sinfonie oder die berühmte Dante Sinfonie, von der Johannes Brahms kritisch behauptete, sie sei "Unmusik", die "auf den Misthaufen gehöre".

Liszt komponierte aber auch in großem Umfang religiös inspirierte Musik. Zu den geistlichen Hauptwerken gehören unter anderem die Missa solemnis, die Ungarische Krönungsmesse, das Oratorium Christus und die Graner Messe, die zu den herausragenden Werken der Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts zählt.

Zitat:
"Wenn man dem echten Genius der Musik treu bleibt, so hat auch die neueste Tonkunst mit allen ihren raffinierten instrumentalen Vorzügen keinen anderen Sinn als die Flöte Tubalkins, des ersten Bläsers, als der Dudelsack des ersten Sinesen, als der Jodel des Älplers, als der Psalm des Mönchs, das Deckelschlagen und Bambusschwingen der Neger, als Cäcilias Orgelchen, Paganinis Geige, Mozarts Oper und Hugo Wolfs Lied: Nämlich die Aufgabe, in einer anderen Sprache als der wörtlichen oder der malenden oder der architektonischen, in der Sprache der Töne, von Seele zu Seele zu reden." (Franz Liszt)