Regionaltypische Volksmusik
Regional unterschiedlich sind dabei nicht nur die vorherrschenden Gattungen, sondern auch die Darbietungsformen. Kärnten ist beispielsweise eine Hochburg des Gesangs. Einzigartige Chöre beherrschen dort ein Liedgut, das mehrstimmig klang- und kunstvoll interpretiert wird. Das „Sternsingen“ in Heiligenblut ist nur eine von vielen Gelegenheiten, den „Kärnterliedern“ zu lauschen.
Im niederösterreichischen Weinviertel spielen komponierte Walzer, Polkas, Märsche und Galopps als Tanzmusik eine große Rolle, komponiert von Kapellmeistern, die die Wiener Gesellschaftsmusik - also Johann Strauß oder Carl Michael Ziehrer - beim Dienst in einer k. u. k. Militärkapelle kennen gelernt hatten.
In Oberösterreich hat in erster Linie der „Landler“ seine eigene Ausprägung erfahren. Allein die Bezeichnungen „Innviertler- und Traunviertler Landler“ bezeugen die regionale Ausformung dieses Tanzes, der Oberösterreichs volkskulturelle Visitenkarte ist.
Die Volksmusik des Salzburger Landes wurde durch die Nähe zu Bayern, Oberösterreich und Tirol beeinflusst. Heute ist dieses Bundesland bekannt für innovative Interpretationen durch eigenwillige Besetzung.
Erfinderisch war man auch in der Steiermark: Das Hackbrett, ein heute in ganz Europa beliebtes Instrument, wird auch als „Steirisches Hackbrett“ bezeichnet und die Knopfharmonika wurde, bald nachdem in Graz die ersten hergestellt worden waren, als „die Steirische“ bezeichnet.
In Tirol zählt die Harfe zum wichtigsten Musikinstrument. An jedem Palmsonntag widmen ihr die Harfenisten im Wallfahrtsort Maria Stein einen Festtag. Die Tiroler spielen übrigens jedes Stück - ob Landler, Boarischer, Walzer oder Polka - um einiges schneller als woanders, was wohl eine Frage des Temperaments ist.
Vorarlberg hebt sich schon wegen der alemannischen Mundart vom übrigen Österreich ab. Aus dem reichen, teils sehr alten Musikschatz sticht hier das Scherzlied hervor.
Eine ganz andere Musikgattung als in den ländlichen Gegenden entstand aber in Wien. Die „Schrammelmusik“, mit ihrer Untergattung, dem „Wienerlied“, entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts als völlig eigenständiger Stil und wird bis heute in immer neuen Abwandlungen gepflegt. Während die Schrammelmusik rein instrumental ist und einen eher „süßlichen“ Einschlag hat, drehen sich die oft makaberen Texte der „Wienerlieder“ um das Wesen dieser Stadt und ihrer Bewohner, den Rebensaft und den Tod. Bevorzugte Aufführungsorte sind, wie sollte es anders sein, die Wiener „Heurigen“.
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