Exzessiv, kraftstrotzend und aufwühlend wirken die Skulpturen von Alfred Hrdlička. Stets zeigen sie Menschen, wirklichkeitsnah, aber expressiv verfremdet und meist in psychischen und physischen Extremzuständen. Gewalt, Schändung, Leid, Krankheit, Triebhaftigkeit, Sexualität, Macht und Ohnmacht spiegeln sich in den Werken. Manche seiner, oft nur halb behauenen Steinskulpturen überwältigen nicht zuletzt durch ihre schiere Größe.
Hrdličkas Leben verlief dramatisch. Sein Vater, ein kommunistischer Gewerkschaftsfunktionär, wurde in der Zwischenkriegszeit mehrfach verhaftet. Mit sechs Jahren wurde Hrdlička von der Polizei verprügelt. Unter den Nazis geriet er in eine paramilitärische Ausbildung bei der Waffen-SS, konnte sich aber 1944 dem Kriegsdienst entziehen, untertauchen und eine Lehre machen.
Nach dem Krieg studierte er an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Malerei und Bildhauerei. Während er durch seine Arbeit zunehmend bekannt wurde, ließ der bekennende Marxist kaum eine Gelegenheit aus, um durch extrem provokante Aussagen und Meinungen aufzufallen. Politiker nannte er „Blockwarte der Kunst“, er selbst wurde mitunter als „linker Nazi“ bezeichnet, was er als Kompliment auffasste.
Seine Werke polarisierten nicht weniger, sorgen oft schon vor der Aufstellung für Skandale. Sein Einfluss auf die Europäische Mahnmalkultur ab den 1960-er Jahren gilt längst als prägend. Er war Professor für Bildhauerei an mehreren Universitäten und ein schonungsloser Lehrer. Er gestaltete aufsehenerregende Bühnenbilder, malte, zeichnete und veröffentlichte Texte.
Er lebte ausschweifend und arbeitete meist wie besessen, ohne Rücksicht auf seinen Körper. Schmerzen von der jahrzehntelangen Schwerarbeit mit dem Stein dürften unter anderem ein Grund für sein Alkoholproblem gewesen sein.
Hrdličkas erste Frau, Barbara, starb im Jahr 1994. Fünf Jahre später tötet sich seine ihm hörige Muse und Geliebte Flora mit Gift und versucht ihn ebenfalls umzubringen, was nur knapp misslingt. Er heiratet die Künstlerin Angelina Siegmeth. Zuletzt muss er die Steinbildhauerei gesundheitsbedingt aufgeben, bleibt aber als Zeichner und Bühnenbildner noch lange aktiv.

Geb.: 29. August 1938 in Wien
„Meine Arbeit soll eine Schule des Lebens, der Wahrnehmung und der Empfindung sein.“
