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Arthur Schnitzler

Geb.: 15. Mai 1862 in Wien
Gest.: 31. Oktober 1931 in Wien

Arthur Schnitzler ist einer der bedeutendsten österreichischen Erzähler und Dramatiker.

Arthur Schnitzler © d'Ora / Österreichisches Theatermuseum Wien
Arthur Schnitzler, Copyright: d'Ora / Österreichisches Theatermuseum Wien

Die Welt, in die Arthur Schnitzler Mitte des 19. Jahrhunderts geboren wurde, schien die Verdrängung unliebsamer oder beängstigender Sachverhalte zu ihrem Leitthema gewählt zu haben. Die rasante technische Entwicklung verbarg man unter ausladendem historistischem Dekor. Die sich allzu bald als mörderisch erweisende Militärmaschinerie versteckte sich hinter Begriffen der Ehre.

Auch privat hielt man es nicht anders. Arthur Schnitzlers Vater Johann ging mit dem Satz „Man tut es ab.“ über Alltagsprobleme hinweg. Arthur Schnitzler sollte ein Leben lang nach den hinter der Fassade verborgenen Wirklichkeiten suchen. Kein Wunder, wenn der fast gleichaltrige Sigmund Freud in Schnitzler seinen „Doppelgänger“ erkannte. „So habe ich den Eindruck gewonnen“, schrieb Freud zu Schnitzlers 60. Geburtstag, „dass Sie durch Intuition – eigentlich aber in Folge feiner Selbstwahrnehmung – alles das wissen, was ich in mühseliger Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe.“


Als junger Arzt in Wien
Die Schnitzlers gehören dem jüdischen Großbürgertum an. Vater Johann ist ein angesehener Arzt, während sich Mutter Louise – wie damals üblich – ausschließlich mit der Familie und den Interessen ihres Ehemannes identifiziert. Wie der Vater schlägt Schnitzler zunächst eine medizinische Laufbahn ein. Aber wenige Tage vor dem Abschluss seines Studiums nennt er diesen Entschluss „ethisch einen Blödsinn“. Bereits die Studienjahre werden von literarischer Arbeit, einer bisweilen existenzgefährdenden Spielleidenschaft, ausgiebigen Kaffeehausbesuchen und zahlreichen Affären begleitet.

„Reizende, dumme, verächtliche süße Geschöpfe“, nennt Schnitzler im Tagebuch die zahlreichen Geliebten jener Jahre. Es finden sich darunter auch häufig Frauen aus den unteren Schichten, die Schnitzler in seinem Stück „Anatol“ im Typus des „süßen Mädels“ unsterblich macht. Nach ihrer ungekünstelten Natürlichkeit sehnt sich der „Hypochonder der Liebe“ und melancholische Dandy Anatol im Stück.
Schnitzler selbst verbindet erst mit der verheirateten Wirtin des Thalhofes in Reichenau, Olga Waissnix, eine tiefe Liebesbeziehung. Aber auch sie ändert nichts an dem einmal eingeschlagenen Weg: Weiterhin begleiten zahlreiche Affären Schnitzlers Leben.


Der literarische Durchbruch
Zum ersten Mal erregt Schnitzler 1893 mit dem Stück „Das Märchen“ größeres Aufsehen. Wie in Zukunft noch öfter der Fall, verbindet sich mit dem Erfolg ein handfester Skandal. Schnitzler fordert in dem Stück, was er selbst seinen zahlreichen Partnerinnen vorenthält: Das Recht der Frau auf ein selbstbestimmtes Leben. 1895 erfolgt der weltweite Durchbruch mit dem Stück „Liebelei“. Mit der Schilderung einer Liebe, in der ein Partner sich ganz hingibt und der andere darin nur einen Zeitvertreib sieht, hat Schnitzler ein zeitloses Thema gefunden.


Erfolge und Skandale
Arthur Schnitzler ist nun der erfolgreichste und bekannteste Dichter Österreichs. Der Erfolg von „Liebelei“ erlaubt es ihm, endlich den ungeliebten Beruf als Arzt aufzugeben. In das Jahr seines Erfolges fällt aber auch der Beginn eines Ohrenleidens, wahrscheinlich Tinnitus, an dem Schnitzler ein Leben lang leiden wird.

Nach dem Tod des Vaters lebt Schnitzler bis zu seinem 41. Lebensjahr mit der Mutter zusammen, was ihn dazu zwingt, mit seinen zahlreichen Affären in Hotelzimmer auszuweichen. Erst als er Olga Gussmann heiratet, zieht er in eine eigene Wohnung. Der Verbindung entstammen Sohn Heinrich und Tochter Lili, doch die Ehe ist unglücklich und zerbricht schließlich, als Olga eine eigene Karriere als Sängerin anstrebt.

1900 sorgt die Novelle „Leutnant Gustl“ für einen weiteren Skandal. Nach diesem Generalangriff auf den verlogenen Ehrenkodex der Offizierskreise ist Schnitzler sogar gezwungen, seinen eigenen Offizierstitel zurückzulegen. Sein Stück „Professor Bernhardi“, das den herrschenden Antisemitismus offen zum Thema hat, wird von der Zensur verboten. Mit dem Stück „Das weite Land“ stellt sich 1911 ein mit der „Liebelei“ vergleichbarer Erfolg ein. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges setzt Schnitzler darin noch einmal dem Wiener Großbürgertum ein Denkmal.


Die späten Jahre

Schnitzlers Ruhm überdauert auch den Ersten Weltkrieg. Zwanzig Jahre nach seiner Entstehung wagt sich Schnitzler 1921 mit seinem Stück „Reigen“ in die Öffentlichkeit. Es wird der größte Theaterskandal des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. In zehn Dialogen finden sich zehn Paare, wobei nach jeder Szene einer der Partner ausgetauscht wird. Auf diese Weise wird die gesellschaftliche Stufenleiter durchschritten, bis sich der Kreis schließt. Das Stück wird als pornographisch denunziert. In die zahlreichen kritischen Stimmen mischen sich als düsteres Fanal einer nicht mehr fernen Zukunft auch antisemitische Hasstiraden.

In den letzten Lebensjahren wird es still um Schnitzler. Ihn trifft das gleiche Schicksal wie jenes Bürgertum einer verschwundenen Epoche, dem er ein literarisches Denkmal setzte: Der Dichter einer untergegangenen Welt gerät mit dieser in Vergessenheit. Als Arthur Schnitzlers Freunde sich von einer baldigen Renaissance seines Werkes überzeugt zeigen, antwortet er: „Ich auch: für 1962.“ Der Selbstmord seiner Tochter Lili 1928 ist die große Katastrophe in Schnitzlers späten Jahren. Am 31. Oktober 1931 stirbt Arthur Schnitzler in seinem Haus in der Sternwartestraße 71 in Wien knapp 70-jährig an einer Gehirnblutung. Sein Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Mit der Auslotung der Kräfte des Unbewussten, seiner Erforschung der Triebnatur des Menschen und der Unsicherheit kulturell-konventioneller Normen beweist Arthur Schnitzlers Werk zeitlose Aktualität.


Das Österreichische Theatermuseum - eine Dependance des Kunsthistorisches Museums - zeigt Kostüme, Bühnenbildmodelle, Requisiten, Plakate, Programmhefte, 700.000 Szenen- und Porträtaufnahmen, Gemälde, Handschriften sowie diverse Utensilien aus dem Nachlass von Schauspielern.

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