Bewertet man Literaten an ihrer Fähigkeit zu polarisieren, steht Elfriede Jelinek auf der österreichischen Rangliste wohl an einsamer Spitze. Sie wird als obszön angefeindet, als Nestbeschmutzerin beschuldigt, gar als inhaltsleer bezeichnet. Andere sehen in ihr eine herausragende Sprachkünstlerin und bedeutende Figur der Frauenliteratur.
Die Liste ihrer Ehrungen und Preise ist enorm, 2004 erhielt sie den Literaturnobelpreis. Jelinek veröffentlicht in fast allen literarischen Gattungen, von Romanen und Lyrik bis zu Hörspielen und Libretti. Besondere Beachtung finden ihre Theaterstücke.
Mit ihrem typischen, wunderbar musikalischen Sprachfluss umkreist sie Themen wie die „kapitalistische“ Konsumgesellschaft oder den Sport- und Körperwahn. Sie kritisiert bissig das Patriarchat und bohrt schmerzhaft in Österreichs schlecht aufgearbeiteter Nazivergangenheit oder beschreibt die tödlich beklemmenden Lebenssituationen von Frauen, die dabei keineswegs wie positive Heldinnen wirken.
Mit ihren Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Missständen provoziert sie bewusst, wobei die Angegriffenen sich durch ihre Reaktionen oft noch einmal entlarven. So wurden etwa Werke, die sich mit den sexuellen Machtverhältnissen des Patriarchats (und den weiblichen Anteilen daran) beschäftigen, als „weiblicher Porno“ missverstanden und verschmäht.
Jelinek war als Kind in einer sehr repressiv empfundenen Klosterschule und ihre Mutter wollte sie zu einem musikalischen Wunderkind machen. Obwohl aus heutiger Sicht gesund, wurde sie immer wieder in die Kinderpsychiatrie gebracht. Ihr Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften musste sie wegen Angststörungen abbrechen, zeitweise lebte sie völlig isoliert. Noch vor Abschluss ihres Orgelstudiums veröffentlichte sie erste Gedichte.
Heute lebt sie mit ihrem Mann abwechselnd in München und Wien und behauptet, sich vorwiegend aus dem Fernsehen zu informieren. Über biografische Elemente in ihrer Literatur wird oft diskutiert. Zumindest erklärt ihr Werdegang ihre Musikalität und ihre feinen Antennen für menschliche Abgründe.
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„Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend“, so beschrieb Adalbert Stifter einst sein Verhältnis zu seiner Heimat, dem Böhmerwald. Und Stifters Seele lebt noch heute in der Region weiter.
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