Unter Gustav Mahler als Musiker in einem Orchester zu spielen, dürfte kein Vergnügen gewesen sein. Der reizbare, nervöse Stardirigent trieb seine Instrumentalisten an ihre Grenzen, malträtierte jene, die ihm nicht genügten, und verlangte von seinen Opernsängern bisher ungekannte Leistungen.
Das Ergebnis der Schinderei war ein enormer Erfolg beim Publikum. Schon ab Anfang dreißig galt er als einer der größten Dirigenten seiner Zeit, tourte mit kaum fassbarem Arbeitseinsatz durch ganz Europa und leitete die bedeutendsten Orchester. Die Neuerungen, die er als Operndirektor einführte, waren revolutionär. Statt der immer gleichen Gesten am Bühnenrand, verlangte er von den Sängern echtes Schauspiel. Er entrümpelte die Bühnenbilder, modernisierte die Kostüme, spannte neue dramaturgische Bögen und erhob die Oper zum Gesamtkunstwerk.
Die größte Bedeutung für die Nachwelt erlangte Gustav Mahler aber mit einer Beschäftigung, der er meist in seinen Ferien nachging. Zurückgezogen, nahe der Berge, oft in eigens gebauten Komponierhäuschen schrieb er Musik, die ihrer Zeit um viele Jahre voraus war. Er durchbrach die gängigen Regeln der Form und der Harmonie, experimentierte mit neuen Klängen und Instrumenten sowie mit Tönen und Geräuschen außerhalb der normalen Spielweise der Instrumente. Dieser innovative Schub, besonders seiner spätromantischen Sinfonien, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In Wien fand seine Musik lange Zeit nur eine kleine Schar begeisterter Anhänger und stieß sonst auf Ablehnung. Auch seine um 19 Jahre jüngere Frau Alma konnte seinen Kompositionen wenig abgewinnen.
Ende 1907 gab Mahler nach vielen Konflikten seine Stelle als Kapellmeister und Hofoperndirektor in Wien auf und ging nach New York an die Metropolitan Opera, wo er als Dirigent und endlich auch als Komponist große Erfolge feierte.
Durch seinen Arbeitseifer vernachlässigt, begann Alma 1910 eine Liebesbeziehung mit dem Architekten Walter Gropius. Dieser schrieb ihr einen Liebesbrief und adressierte ihn versehentlich an Gustav Mahler. Das brachte Mahler an den Rand des Wahnsinns. Der Komponist, der in seinen Wanderjahren als junger Kapellmeister selbst in jeder neuen Stadt leidenschaftlich verliebt gewesen war, bemühte sich dramatisch um Almas Gunst.
Mahler litt seit Jahren an einer bakteriellen Herzkrankheit. Im Februar 1911 verschlechterte sich sein Zustand nach einem anstrengenden Konzert an der „Met“. Er kehrte nach Wien zurück, wo man dem 50-Jährigen aber auch nicht helfen konnte.
Weitere Infos zu Gustav Mahler
Komponierhäuschen am Wörthersee
Komponierhäuschen in Steinbach

Geb.: 31. Januar 1797 am Himmelpfortgrund, heute ein Teil Wiens
Gest.: 19. November 1828 in Wien
"Ich bin für nichts als das Komponieren auf die Welt gekommen."
