Johann Strauss, Vater

Geb.: 14. März 1804 in Leopoldstadt, heute Wien
Gest.: 25. September 1849 in Wien

Johann Baptist Strauss (Vater) war der Sohn eines Bierwirts in der Leopoldstadt, damals noch eine am späteren Donaukanal gelegener Vorstadt Wiens. Seine Mutter starb, als er sieben war, wenige Jahre später wurde sein überschuldeter Vater tot aus der Donau geborgen.

Als Kind war Johann im Bierwirtshaus stets von Tanzmusik umgeben, die teilweise mit den Donauschiffen und Flößen auch von  weit her (Bayern, Oberösterreich) gekommen war. Aus eigenem Antrieb lernte er Geige – der erste Schritt zu einem fast beispiellosen Aufstieg.

Die Lehre zum Buchbinder schloss er zwar ab, übte diesen Beruf jedoch niemals aus. Seine Leidenschaft war das Aufspielen zum Tanz und es gelang  ihm bald ein Aufstieg zu den großen Wiener Tanzetablissements und Ballsälen. So entwickelte sich das anfängliche  Quartett, in dem er bei Joseph Lanner Bratsche gespielt hatte, in wenigen Jahren zu einem überaus populären Orchester.

1825, mit einundzwanzig Jahren, heiratete er die Wirtstochter Anna Streim, als diese bereits mit Johann (Sohn) schwanger war. Spätestens im Mai 1827, also mit  23 Jahren und kurz vor der Geburt seines zweiten Sohnes Josef, trat er erstmals mit einer eigenen Kapelle auf. Bald stand er als erfolgreicher Komponist und Kapellmeister mit fixen Engagements unter einem enormen Arbeitsdruck, der ihm später auch körperliche Zusammenbrüche bescheren sollte.

Für sein erwartungsvolles Publikum musste er in rascher Folge immer neue Tanzmusik komponieren. Auf unzähligen Konzerten, Bällen und Tanzveranstaltungen dirigierte er das Orchester und spielte selbst brillant die erste Geige. Er leitete aber auch die Proben und kümmerte sich um sein Unternehmen, das als das erste „Musikbusiness“, die
erste „Unterhaltungsmusikfabrik“ der Welt gelten kann.

Schon ab 1831 spielte er bei Hof und unternahm  ab den frühen 1830-er Jahren mit seinem Orchester ausgedehnte, enorm erfolgreiche, aber äußerst strapaziöse Konzertreisen durch Europa. In den bereisten Städten verbreitete sich die Nachricht von seiner Ankunft wie ein Lauffeuer. Mit seinem sprühend lebhaften, überraschenden und effektvollen Spiel brachte er sein Publikum oft an die Grenzen der Raserei. Auch ihn nannte man schon den „Walzerkönig“!

Er konnte sich mit seiner Familie eine große Wohnung im so genannten „Hirschenhaus“ in der Leopoldstadt leisten, die aber auch als „Geschäftshaushalt“ fungierte. Ab der Trennung von seiner Familie benutzte er ein separates Apartment. Seine Ehe war nicht die beste, die Konzertreisen wirken zeitweise wie eine Flucht. Neben seinen sechs ehelichen zeugte er mit seiner Geliebten Emilie Trampusch noch mindestens sieben Kinder. Es gelang ihm nicht, zu verhindern, dass sein ältester Sohn Johann – unterstützt von der Mutter – ebenfalls Musiker wurde. Nachdem Sohn Johann seine selbständige Musikerlaufbahn begonnen hatte, wagte Mutter Anna sich von Johann Strauss (Vater) scheiden zu lassen. Kurz nach einer Tournee starb er mit 45 Jahren völlig überraschend und auf dem Gipfel seines Erfolges an Scharlach.

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