Am Trinity College in Cambridge fühlt sich der berühmte Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell von jenem österreichischen Studenten, der ihn nach der Vorlesung oft mit Fragen löchert, zunächst belästigt. Er hält den jungen Hitzkopf gar für verrückt. Russel hat mit seinen „Principia Mathematica“ die moderne Logik mitbegründet und nun rüttelt ein 22-Jähriger an den Fundamenten seines Denkens. Doch schon nach wenigen Wochen ist Russel von Ludwig Wittgensteins Brillanz schwer beeindruckt. Eine faszinierende Denkerfreundschaft entsteht, in deren Verlauf sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis bald umkehrt. Russel führt ihn in die erlesensten Philosophenkreise ein, wo man von ihm hingerissen ist. Hier findet Wittgenstein auch seinen ersten Geliebten – von seiner Homosexualität wird die Öffentlichkeit aber erst Jahrzehnte nach seinem Tod erfahren.
Der erste Weltkrieg bricht aus. Wittgenstein meldet sich freiwillig und wird Artilleriebeobachter. In den Schrecken des Krieges und von diesen beeinflusst, setzt er die Arbeit an jenen Abhandlungen, die nach dem Krieg als „Tractatus logico-philosophicus“ weltbekannt werden sollten, unermüdlich fort. Darin will er philosophische Probleme lösen, indem er die Bedeutung von Sprache so scharfsinnig seziert, dass man später von der „sprachkritischen Wende“ in der Philosophie spricht – ein Paradigmenwechsel. Ein Satz daraus wird Allgemeingut: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“
Wittgenstein hält damit seinen Beitrag zur Philosophie für vollendet. Aus der Kriegsgefangenschaft in Italien entlassen, verschenkt der Sohn einer äußerst reichen Industriellenfamilie sein schwindelerregendes Erbe an seine Geschwister und wird Lehrer in der österreichischen Provinz. Den Beruf gibt er auf, nachdem er einen elfjährigen Schüler bewusstlos geschlagen hat. Danach arbeitet er als Gärtner, überlegt Mönch zu werden und hilft schließlich seiner Schwester beim Bau und der Einrichtung einer repräsentativen Wiener Villa im Bauhaus-Stil.
Hier trifft er in der Folge die Philosophen und Wissenschaftstheoretiker des „Wiener Kreises“, die von ihm stark beeinflusst werden, von denen er sich aber oft missverstanden fühlt.
1929 erhält er ein Forschungsstipendium in Cambridge, wo er fortan Seminare über Grundlagen der Mathematik, philosophische Untersuchungen und Ästhetik hält (sein „Tractatus“ wurde zuvor als Dissertation anerkannt). Nebenbei arbeitet er als Laborant und leistet – wie schon zuvor – Beiträge zur Lösung verschiedenster technischer Probleme. Noch bevor er einem Krebsleiden erliegt kann er sein zweites Buch abschließen, die „Philosophischen Untersuchungen“, welche posthum erscheinen und die Philosophie ein zweites Mal nachhaltig beeinflussen.
Haus Wittgenstein
Internationale Ludwig Wittgenstein Gesellschaft
Wittgenstein und Linz

In das harte Leben armer Bauern fühlen sich Besucher im Geburtshaus von Peter Rosegger zurückversetzt. Am „Vorderen Kluppeneggerhof“ in Alpl bei Krieglach in der Steiermark erblickte der Volksschriftsteller 1843 als ältestes von sieben Kindern das Licht der Welt.
Zu Gast in Peter Roseggers Geburtshaus