Peter Turrini
Geb.: 26. September 1944 in St. Margarethen (Wolfsberg), Kärnten
„Keine meiner Übertreibungen war so maßlos wie die Wirklichkeit.“
Nachdem Peter Turrini in seiner Kärntner Heimat die Handelsschule abgeschlossen hat, schlägt er sich gut sieben Jahre lang mit verschiedenen Berufen durch. Er ist Lagerarbeiter, Metallarbeiter, versuchte sich im Hotelgewerbe und arbeitet als Werbetexter. 1967 schreibt er auf einer griechischen Insel in einem „verzweifelten Selbstreinigungsprozess“ das provokant-sozialkritische Theaterstück „Rozznjogd“, das die Fremdbestimmung der Menschen behandelt – etwa durch Familie, Gesellschaft und Kultur: Ein Liebespaar will sich auf einer Müllhalde besser kennen lernen, was in einen zerstörerischen seelischen und körperlichen Striptease ausufert und tragisch endet.
Der Dichter H.C. Artmann empfiehlt das Stück einem Verlag, 1971 wird es am Wiener Volkstheater aufgeführt, löst einen Skandal aus und macht Turrini über Nacht als Enfant Terrible berühmt.
Diesem Ruf wird er auch weiterhin gerecht: Er schreibt gesellschaftskritische Stücke, Essays und viel beachtete Reden über Themen wie Fremdenhass, Opportunismus, den perversen Druck der Arbeitswelt, den „Alltag der Unterdrückung, die normale Katastrophe” und vieles mehr. Oft geht es um Sex und Gewalt, er ätzt gegen moralische Werte und Lebenslügen. Seine Helden sind besessen, mitunter zornig und vulgär. Wenn er in krassesten Farben übertreibt, dann nur, wie er sagt, um der Wirklichkeit annähernd gerecht zu werden.
Seine TV-Serie „Alpensaga“ (über das Leben österreichischer Bauern zwischen 1900 und 1945) löst heftige Kontroversen aus. Von seiner nächsten Fernseharbeit, der vierteiligen „Arbeitersaga“, werden schließlich nur drei Teile gesendet.
Mit bissigem Humor liebt Turrini Österreich für seine theatralische Verlogenheit, die ihm eine unendliche Quelle der Inspiration bietet. Er bezeichnet sich als zutiefst katholischen Gotteslästerer und behauptet ein „Heimatdichter“ zu sein, der Österreich als Unschuld heuchelndes „Hawaii Mitteleuropas“ mit nicht aufgearbeiteter Nazivergangenheit beschreibt.
Peter Turrini wird oft als der erfolgreichste lebende Dramatiker Österreichs genannt, seine Stücke wurden in 30 Sprachen übersetzt und weltweit aufgeführt.
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