Nirgendwo sonst werden die Fasnachtsbräuche so ausgiebig und variantenreich gepflegt wie in Tirol, wo mit prächtigen Kostümen und phantasievollen, handgeschnitzen Masken der Winter ausgetrieben wird.
Imster Schemenlaufen, Foto: Melitta Abber
Prächtig ist das
Imster Schemenlaufen und es fordert die Hingabe und Lebensfreude einer ganzen Stadt über viele Monate. 900 Männer nehmen aktiv daran teil; sie hüpfen, springen, tanzen, lärmen und musizieren in einem Spektakel, das unter die Haut geht. Die Figuren sind traditionell überliefert und aufwändig kostümiert:
Faschingskleider, Perücken, Masken, Handschuhe und Hüte sind die Requisiten.
Mit dem Verklingen der sonntägigen Mittagsglocken formiert sich der einmalige Zug. Sogenannte
Spritzer, Sackner und Kübelemajen drängen mit Wasserspritzen, einem runden Sack und Pudertupfer aus dem Kübel der Maje das Publikum zurück. Die borstigen Hexen tragen schwingend weite Röcke und Zöpfe, sie heben die Besen über die Köpfe und begleiten ihren Tanz mit gellendem Geheul. Dann erscheinen
Roller und Scheller, die Hauptfiguren des närrischen Treibens. Mit hohem Kopfputz tanzen sie miteinander das „Gang'l“ - dabei schlagen rhythmisch die großen Schellen. Wenn dieses „G'schall“ erklingt und dazu die Glöckchen des Rollers, silbrig und flirrend, halten alle den Atem an und ein heiliger Moment im Karnevalstreiben entsteht.
Der Blick bleibt an den
Masken hängen,
ausdrucksstarken künstlerischen Meisterwerken. Und sie sind einfach schön: Die reife, markante Männlichkeit des "Schellers", mit dünklerer Haut, Bart und buschigen Augenbrauen und die helle, jugendliche Lieblichkeit des "Rollers" mit feminin gezeichneter Augenpartie, rosigen Wangen und lächelndem Mund setzen sich klar voneinander ab. Oft als Weichen des alten Winters gegenüber dem jungen Frühling ausgelegt, gehen diese Maskenspiele wohl vor allem auf barocke Spiellust und Maskeraden von Kirche und Adel zurück, die von Bürgern und Bauern aufgegriffen worden sind.
Nirgendwo werden sie so
leidenschaftlich gepflegt wie in Tirol, gleich ob das die
Matschgerer und
Muller zwischen Innsbruck und Hall sind, das
Telfer Schleicherlaufen, das
Fisser Blochziehen, das
Axamer Wampelerreiten oder das
Nassereither Schellenlaufen. Alle haben ihren eigenen Ablauf, ihre besondere Darstellung des Kräftemessens und der Ausgelassenheit und dazu ihre typische Figuren. Eindrucksvolle Masken und überbordende Kostüme tragen sie alle.
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