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Textilkunst: Handblaudruck

Der Blaudruck revolutionierte im 17. Jahrhundert die Textilgeschichte Europas - tausende Manufakturen entstanden. Heute wird dieses Handwerk noch in einer Werkstatt im Burgenland ausgeübt, in der alles alt ist, ausgenommen die Ideen. Das erfreut Traditionsbewusste ebenso wie junge Kreative.

Blaudruckerei Koó © Koó
Blaudruck im Burgenland, Copyright: Blaudruckerei Koó
In Steinberg im Burgenland, eine halbe Autostunde südlich von Eisenstadt, steht ein langgezogenes weißes Haus mit tiefblauen Fensterläden und Türen. Wer eintritt, atmet den alten, erdigen Geruch der Küpe. Das ist das Farbbad, in dem Indigo, der sein Ursprungsland Indien im Namen trägt und aus einem tropischen Strauch gewonnen wird, mit Kalk und Wasser gelöst ist. In metertiefen in die Erde versenkten Steinbottichen glänzt diese Lösung an der Oberfläche geheimnisvoll blau-schwarz; darunter liegen eine helle gelbe und eine grüne Schicht. Erst in Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft entwickelt sich das typische Blau. Wenn der Stoff hier getaucht wird, ist das Muster schon aufgedruckt. Denn der Blaudruck entsteht im Negativ-Verfahren.

So undurchdringlich die Küpe an der Oberfläche spiegelt, so unergründlich sind die Rezepturen. Sie werden seit Generationen nur in der Familie weitergegeben. Die eine ist die Mischung des Farbbades, die andere der sogenannte Papp. Das ist das leuchtend türkisfarbene Gemisch, welches mit Modeln oder im handbetriebenen Walzen-Druck aufgebracht das Muster ausspart. Neben Gummi, Arabicum, Farb-Pigmenten, Tonerde und Wasser gibt es eine Reihe geheimer Zutaten, die über das Gelingen des Drucks entscheiden. Erst wenn der Stoff dicht versiegelt ist - der Papp wird nach dem Färben ausgewaschen -, hebt sich das Muster später in Naturweiß kontrastreich und in all seinen feinen Details klar vom Indigoblau ab.

Die Familie Koó, die mit ihren bis zu 200 Jahre alten Arbeitsgeräten ganz besonders behutsam umgeht, verbindet das alte Handwerk mit mutigen Neuanwendungen. Dabei trägt sie ihre Produkte - doppelseitig bedruckte Stoffe sind ihr Spezialgebiet - über Färbermärkte und Museen in die Welt hinaus. Sie regt die Zusammenarbeit mit jungen Kreativen und Mode-Schulen an und experimentiert mit Materialien wie Seide, Baumwolle und Leinen.

Die renommierte österreichische Designerin Lena Hoschek etwa setzt Blaudruck-Stoffe in ihren Dirndl-Designs ein und interpretiert somit diese Technik neu. Ein genialer Brückenschlag zwischen Historie und Zeitgeist.
  

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Blaudruckerei Koó
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