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Tiroler Volksschauspiel

Die 600-jährige Tradition des Tiroler Volksschauspiels wird heute noch in Telfs, Erl und Thiersee hochgehalten.

Tiroler Volksschauspiel © Passionsspielverein Erl
Wenn in Tirol jedes Jahr an die 6.000 Laienschauspieler auf der Bühne stehen, geht das auf eine mehr als 600-jährige Tradition des Tiroler Volksschauspiels zurück. Die Ursprünge liegen dabei in einer Art dramatisch gestaltetem Gottesdienst, denn die Messen wurden in Latein abgehalten und das Volk, das größtenteils nicht lesen konnte, brauchte Bilder, um der christlichen Botschaft folgen zu können. Aus dem „Schauen und Glauben“ entwickelten sich die Passionsspiele. Dabei kam – obwohl es um die Leidensgeschichte Christi ging – auch das Komödiantische nie zu kurz. Ihren Höhepunkt erlebten die Passionsspiele in der Barockzeit, aber auch heute werden sie noch opulent inszeniert, beispielsweise bei den traditionellen Spielen in Thiersee im Unterinntal mit rund 250 Mitwirkenden, oder bei den Passionsspielen in Erl, wo gar 500 Laiendarsteller auf der Bühne stehen.

Die Erler Spiele gehen auf ein Osterspiel des Augsburger Meistersingers Sebastian Wild zurück und werden seit 1613 aufgeführt. Das Heilsgeschehen wird archaisch inszeniert, der Tradition gemäß steht am Ende des Schauspiels anstelle des Schlussapplauses das gemeinsam gesungene Gotteslob. Wie in Thiersee finden die Erler Passionsspiele nur alle sechs Jahre statt, das nächste Mal im Jahr 2013. Als Autor der Jubiläumsspiele – gefeiert werden 400 Jahre Erler Passionsspiele – konnte Theater- und Drehbuchautor Felix Mitterer gewonnen werden.

Auch das Gasthaus- und Stubenspiel hat in Tirol eine lange Tradition. Schon früh wurde erkannt, dass Aufführungen mit regionalen Darstellern die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen und das Gemeinschaftsgefühl im Dorf stärkt. Natürlich war das Tiroler Volksschauspiel über die Jahrhunderte verschiedenen Änderungen unterworfen – und auch heute wird es immer wieder neu erfunden. Bestes Beispiel dafür sind die Tiroler Volksschauspiele in Telfs, die sich seit gut 30 Jahren als sommerliches Theaterfestival verstehen, bei dem Profis und Laien an wechselnden Orten gemeinsam auf der Bühne stehen. Gegeben werden nicht nur Klassiker des Tiroler Volkstheaters, sondern auch moderne, kritische „Heimat“-Stücke. Das Motto der berühmten Volksschauspielerin und 2009 verstorbenen Intendantin, Ruth Drexel, gilt bis heute: „Klug, scharf und unterhaltsam soll es sein.“ 

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