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Wiener Lieder und Schrammelmusik

Was urwienerisch klingt, muss nicht unbedingt in Wien entstanden sein - wie das Dudeln und die Schrammelmusik, die aus dem ländlichen Raum nach Wien gebracht wurden.

Roland Neuwirth Schrammeln © Wiener Volksliedwerk
Roland Neuwirth Schrammeln / Foto: Wiener Volksliedwerk
Jodeln und Wien - das mag für manche ein Widerspruch sein, gehört doch für die meisten der Jodler in die Alpen. Aber Wien ist auch in dieser Hinsicht anders. Und so heißt das Jodeln in Wien Dudeln. Kompliziert? Nein, denn der Jodler ist schon sehr lange im Wienerlied verankert. Schon im 17. Jahrhundert siedelten sich vor allem in Ottakring und Hernals viele Steirer an, deren ländliches Volksliedgut Einzug ins Wienerlied fand. Den endgültigen Durchbruch erlebte das Dudeln in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Sängerschaften aus Tirol den biedermeierlichen Wienern die Sehnsucht nach Alpenromantik und Natur vermittelten.

„Dudeln heißt, eine mit großen Intervallen wechselnde Melodie so zu singen, dass, mit Ausnahme der Mittelstimme, nur immer Brust- und Kopfstimme gehört werden. An die Stelle des Textes treten Silben, die an sich keinen Sinn ergeben“, definierte es Johann Gabriel Seidl im Jahre 1837. Der wesentliche Unterschied zum Jodler ist, dass dieser vokal vorgetragen, der Wiener Dudler aber von Instrumenten begleitet wird, wie etwa Klarinette, Gitarre oder Akkordeon. Oft ist er auch in ein lyrisches Wienerlied eingebettet und wird deshalb, im Gegensatz zum alpinen Jodler, der meist im Freien gesungen wird, vorzugsweise in geschlossenen Räumen, vornehmlich beim Heurigen, vorgetragen. Nachdem das Dudeln beinahe als ausgestorben galt und die größte Dudlerin Wiens, Trude Mally, 2009 starb, wird heute die hohe Kunst des Dudelns von Sängerinnen wie Agnes Palmisano, Tini Kainrath oder Doris Windhager wiederbelebt.

Auch eine andere typische Wiener Musikgattung, die Schrammelmusik, stammt  eigentlich von „Zuagrasten“: Josef und Johann Schrammel waren Musiker aus dem Waldviertel, die mit ihrem kleinen Ensemble am Ende des 19. Jahrhunderts in Wiener Gaststätten und Heurigen große Erfolge feierten. Etwa 200 Wienerlieder gehen auf die Gebrüder Schrammel zurück. Charakteristisch für Schrammelmusik ist ihre leicht „weinerliche“ Stimmung, die aber trotzdem chansonartig beschwingt instrumentiert ist. Das originale Schrammelquartett spielte auf Geige, Gitarre, Kontrabass und Klarinette, später verwendeten die Schrammelmusiker auch die Knopfharmonika. Seit einigen Jahren erleben die Schrammelmusik und das Wienerlied eine Renaissance. So verbinden die Neuwirth Extremschrammeln das alte Liedgut mit Blues, Jazz und Rock, und der Liedermacher Ernst Molden, der „Leonard Cohen Wiens“ (Zitat „Falter“), verbindet elektrischen Blues mit der elegischen Poesie Ottakrings. Die Szene lebt, wie sich jedes Jahr bei „wean hean“, dem Wienerlied-Festival der etwas anderen Art, oder bei „Wien im Rosenstolz“ zeigt.

LINKTIPPS:

Dudelsängerin Agnes Palmisano
Dudelsängerin Tini Kainrath
Roland Neuwirth & Extremschrammeln
Liedermacher Ernst Molden
Wienerliedfestival „wean hean“
Festival Wien im Rosenstolz
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