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Ein Tempel der Musik

Im Wiener Musikverein wird seit 146 Jahren klassische Musik auf Weltniveau geboten. Mit prominenten Mitwirkenden von Anna Netrebko bis Riccardo Muti. Und hinter den Kulissen schwitzt das Personal.
 

Hinter den Kulissen


Walter Deibler, Oberbilleteur des Wiener Musikvereins, steht wie ein Fels in der Brandung. Über der Wiener Innenstadt geht ein gewaltiger Platzregen nieder, innerhalb kürzester Zeit strömen zwei- bis dreitausend Menschen mit Schirmen und triefenden Mänteln in die Foyers des Musikvereins – für das Personal an sich schon eine Herausforderung –, aber heute Abend geht darüber hinaus noch einiges schief: Eine Besucherin im Rollstuhl hat eine Karte für einen nicht rollstuhltauglichen Platz erworben, zwei kostenbewusste Besucher weigern sich, die Garderobengebühr in Höhe von 1,70 Euro zu entrichten und beginnen im Foyer mit der Garderobiere zu streiten, ein Abonnenten-Ehepaar steht ohne Tickets vor dem Eingang zum Grossen Musikvereinssaal – die Herrschaften haben die Karten zu Hause vergessen.

Walter Deibler ficht das alles nicht an. Mit grandseigneurhafter Gelassenheit sorgt er dafür, dass innerhalb weniger Minuten alles wieder ins Lot kommt: Die Liszt-Liebhaberin im Rollstuhl wird umplatziert, das Abonnentenpaar erhält anstandslos Ersatztickets ausgedruckt und die nörglerischen Konzertbesucher im Garderobenbereich beschwichtigt Deibler mit einer Langmut, für die ihn Mahatma Gandhi beneidet hätte.
 

„Ich würde schon sagen, dass ich hier eine Art Traumberuf ausübe“, erklärt Walter Deibler: „Ich habe in diesem Haus Leute kennengelernt, die man als Normalsterblicher sonst nicht kennenlernt.“ Cecilia Bartoli, Nikolaus Harnoncourt, Seiji Ozawa, Riccardo Muti, Anna Netrebko – Deibler kannte und kennt sie alle, die Zelebritäten der Klassikwelt, die sich im Musikverein gewohnheitsmässig die Klinke in die Hand geben.

Ein Blick hinter die Kulissen

  • wiener musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout wiener musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Wiener Musikverein, Großer Saal © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Wiener Musikverein, Großer Saal © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Musikverein Vienna © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout Musikverein Vienna © Österreich Werbung, Sebastian Stiphout
  • Cellistin Harriet Krijgh, Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Fotograf Lukas Beck Cellistin Harriet Krijgh, Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Fotograf Lukas Beck

Das Konzert beginnt

19:29 Uhr. Dirigent Martin Haselböck ist in seinen Frack geschlüpft und überprüft am Bühnenrand des Goldenen Saals noch einmal den Sitz seiner Fliege. 2.000 Konzertbesucher harren seines Auftritts, die Musiker des „Orchesters Wiener Akademie“ – eines Klangkörpers von Weltrang – haben ihre Plätze eingenommen. Als Maestro Haselböck pünktlich um halb acht ans Dirigentenpult schreitet, brandet Applaus auf. Das Konzert beginnt. Zunächst wird der „Mephisto-Walzer Nr. 1“ in Liszts Orchesterfassung gegeben, eines der bekanntesten Werke des Meisters. Dann betritt der Organist Christian Schmitt die Bühne. Im perfekten Zusammenspiel mit Haselböck und seinem Orchester intoniert der Orgelvirtuose die „Fantasie und Fuge über den Choral der Wiedertäufer“, auf deren wuchtigem Höhepunkt die Kristallluster im Goldenen Musikvereinssaal sanft zu erbeben scheinen. Die Darbietung wird mit tosendem Applaus quittiert.
 

Ein verdienter Feierabend

23:05 Uhr: Oberbilleteur Walter Deibler lässt sich erschöpft in seinen Bürostuhl sinken. Sein Resümee für heute Abend: alles gut gegangen, wieder einmal. Die letzte Garderobiere hat den Musikverein soeben verlassen, jetzt wird es auch für Deibler Zeit, nach Hause zu gehen. Wie wird der gebürtige Wiener den restlichen Abend verbringen? „Mit einem Achterl Wein“, sagt er. „Vielleicht lege ich mir auch noch eine Liszt-CD auf.“ Denn vom Konzert im Grossen Saal hat Deibler so gut wie nichts mitbekommen.

Magic Moments im Musikverein

“Und dann entstehen diese ganz besonderen Momente, diese Magic Moments

Cellistin Harriet Krijgh, Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Fotograf Lukas Beck Cellistin Harriet Krijgh, Wiener Musikverein © Österreich Werbung, Fotograf Lukas Beck Harriet Krijgh, Cellistin

Interview mit Harriet Krijgh

Harriet Krijgh ist eine der aufregendsten und vielversprechendsten jungen Cellistinnen der Gegenwart. Die 25-Jährige erhielt ihre Ausbildung in Wien und lebt abwechselnd in Wien und in Utrecht in den Niederlanden. Bei einer Matinee feierte sie im Grossen Saal des Wiener Musikvereins einen ihrer musikalischen Höhepunkte: Für Harriet Krijgh war es die Erfüllung eines Traums.

austria.info: Sie sind in der Nähe von Utrecht aufgewachsen. Mit fünf Jahren haben Sie begonnen, Cello zu spielen. Wann sind Sie nach Wien übersiedelt, um Ihre Ausbildung zu perfektionieren?

Harriet Krijgh: Mit dreizehn. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Als Kind hat das Musizieren noch etwas Spielerisches gehabt, in Wien habe ich dann beinhart zu arbeiten begonnen. Ich habe auf vieles verzichtet, was für andere junge Leute selbstverständlich war. Ich habe alles in mein Cellospiel investiert.

austria.info: Wenn man eine Musikerin aus den Niederlanden ist: Welchen Klang hat da das Wort „Wien“?

Harriet Krijgh: Wien ist ein heiliger Ort der Musikwelt, Wien ist das Mekka. Ich habe eine starke emotionale Beziehung zu dieser Stadt. Ein Teil meines Herzens schlägt hier. Vor allem auch im Musikverein, wo ich jedes Mal unglaublich warmherzig empfangen werde, wenn ich auftrete. Es ist etwas ganz Besonderes, im Musikverein zu spielen. Das Wiener Publikum hat einen enormen Respekt vor Künstlern. Das habe ich in dieser Intensität in keiner anderen Stadt erlebt.

austria.info: Gibt es abseits von Wien so etwas wie einen Kraftort, an dem Sie Inspiration, Musse und Entspannung finden?

Harriet Krijgh: Oh ja, das Wechselgebirge im südlichen Niederösterreich. Ich kann mich nirgends so gut entspannen wie dort. Die Landschaft, die Menschen, die himmlische Ruhe, die man dort findet: Das alles ist herrlich. Ich bin ja ein absolutes Naturmädchen: Es gibt für mich nichts Schöneres, als die Bergschuhe anzuziehen und für einen Tag in Gottes freier Natur zu verschwinden. Da tanke ich so richtig auf.

austria.info: Was ist das Schöne speziell am Wechselgebirge?

Harriet Krijgh: Die Wälder und die Berge. Und natürlich die urigen Bauernwirtshäuser, die es dort noch gibt.

austria.info: Die Musikkritik feiert die technische Perfektion, mit der Sie spielen. Und die Innigkeit Ihrer Intonation. Was ist Ihre persönliche Beziehung zur Musik?

Harriet Krijgh: Mir geht es beim Musizieren immer darum, dass ich nach dem Allerallerhöchsten strebe. Das hat nicht unbedingt nur mit Technik zu tun. Wenn man während eines Konzerts ganz in sein Spiel versunken ist, dann vergisst man die Technik. Man gibt sich uneingeschränkt dem Musizieren hin. Und dann entstehen diese ganz besonderen Momente, diese „Magic Moments“, die man nur durch absolute Hingabe an die Musik erreichen kann.

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