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Genuss Region: Pielachtaler Dirndl

Die Dirndl, botanisch „Cornus mas“, ist ein traditioneller Grenzstrauch des Pielachtals, dessen herbe Früchte einer Vielfalt an kulinarischen Qualitätsprodukten einen besonderen Charakter verleihen.

Genuss Region Pielachtaler Dirndl © Gerhard Gatterer

Mehrdeutige Dirndln
Barbara und Gerhard Gatterer im Porträt

Zweimal im Jahr bietet das niederösterreichische Pielachtal ein besonderes Farbenschauspiel: Dann, wenn sich der Strauch der Kornelkirsche mit goldgelben Blüten schmückt und auch, wenn er seine tiefroten Früchte trägt.

Dass man im Mostviertel nicht lange suchen muss, um auf Dirndln zu treffen, hängt nicht nur mit der traditionellen Tracht der Pielachtalerinnen zusammen. Auch die für die Region typische Kornelkirsche wird als Dirndl bezeichnet und zu einzigartigen Produkten verarbeitet. Zum Beispiel von Barbara Gatterer aus Ober-Grafendorf, die die herben, olivenförmigen Früchte gleich nach der Ernte entkernt, zu Marmelade (Konfitüre) und Gelee verarbeitet und sich noch Tage danach mit ihren dirndlgefärbten Händen als begeisterte Pielachtalerin zu erkennen gibt. Dass sich auch ihr Ehemann Gerhard bestens auf die Verarbeitung der seit Maria Theresia verbrieften Nutzpflanze versteht, beweisen sein fein-herber Sirup, der Nektar, der Fruchtsaft und die „alkoholische Dirndl“ in Form von Likör und Edelbrand.

Vom Grenzholz zur Genuss Region
Ursprünglich diente der langsam wachsende Grossstrauch aus der Familie der Hartriegelgewächse dazu, landwirtschaftlich genutzte Flächen voneinander abzugrenzen. Gerhard Gatterer: „Die Dirndl gehört bei uns im Tal zu jedem bäuerlichen Betrieb, nur, dass die Sträucher früher nicht gezielt gezüchtet wurden. Man freute sich über die Früchte, die da waren, und machte daraus Saft und Schnaps für den Eigengebrauch.“ Erst in den 1990er Jahren fand eine veredelte Form der traditionellen Kornelkirsche rasche Verbreitung im Pielachtal – ein Trend, auf den auch die Gatterers aufsprangen. Heute gedeihen 40.000 Dirndlstauden in der Region, und rund ein Viertel davon wird auch tatsächlich genussvoll genutzt, 40 davon bei den Gatterers. Doch wer sich die Kornelkirschen jetzt brav in Reih und Glied gepflanzt vorstellt, irrt. „Wir haben über 2,5 Hektar an Streuobstwiesen mit alten Apfel- und Birnenbäumen. Und so haben wir auch unsere Dirndlstauden gepflanzt – kreuz und quer, und ohne jede Möglichkeit, mit dem Traktor durchzukommen“, lacht Barbara Gatterer. Muss ja auch nicht sein, denn die Kornelkirsche ist bei aller Grösse eine höchst bescheidene Pflanze, die im Prinzip keine Pflege braucht.

Ins Netz gegangen
Auch bei der Ernte zeigen sich die bis zu 10 m hohen Stauden sehr entgegenkommend: „Die Frucht der Kornelkirsche ist erst dann reif, wenn sie vom Strauch fällt, und zwar ohne Schütteln. Das ist Ende August bis Mitte Oktober der Fall. Wir fangen die Dirndl, wie es bei uns im Tal Tradition ist, mit feinmaschigen Netzen am Boden auf, sortieren Blätter und weniger schöne Früchte aus, und dann geht es auch schon ab zur Weiterverarbeitung.“ 2009 konnten die Gatterers ganze 1.000 kg an Früchten verwerten. Das geschieht gleich hier an Ort und Stelle, wie der Landwirt und Dirndlbauer betont: „Seit ich denken kann, wird bei uns ab Hof verkauft, alles kommt aus 100%iger Eigenproduktion. Brot, Fleisch, Most, Säfte – und jetzt eben auch Dirndlprodukte. Das sind echte ‚Lebensmittel’ im Vergleich zu den Nahrungsmitteln, die man in jedem Supermarkt bekommt. Darauf sind wir stolz“.

Lorbeeren für die Dirndl
Und in Zukunft? „Mein Mann liebt es, neue Produkte zu entwickeln“, verrät uns Barbara Gatterer. „Einen Teil der letzten Dirndlernte haben wir gefrostet, und ich bin schon gespannt, was er damit wieder ausheckt.“ „Ich sehe ein riesiges Entwicklungspotential im Bereich der Säfte und Nektare“, verrät uns Herr Gatterer, wohin der Weg gehen soll. „Die Dirndl enthält neben Gerbstoffen, die Magen und Darm stärken, massenhaft Vitamin C und Mineralstoffe. Warum also zum Granatapfelsaft greifen, wenn man eine derart begabte Frucht praktisch vor der Haustür hat?“ Es bleibt den Gatterers nur zu wünschen, dass sie mit ihren neuen Kreationen mindestens ebenso erfolgreich sind wie mit der Marmelade, dem Sirup und dem Fruchtsaft, die bei der „Ab Hof 2010“ im niederösterreichischen Wieselburg zu goldenen bzw. silbernen Ehren gekommen sind. Und so ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die überregionale Spitzengastronomie die charakterstarke Dirndl für sich entdecken wird.