Filmgeschichte und -festivals in Österreich
Bis weit in die 1960-er Jahre wurden in Österreich unzählige Heimat-, Operetten - und Musicalfilme gedreht und prägten ein Bild von Österreich, das bis heute nachwirkt. So gilt die Verfilmung des Musicals „Sound of Music“ (1965) als einer der meistgesehenen Filme weltweit. Auch die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider werden immer wieder gezeigt. Und so weit diese Produktionen auch zurückliegen, sie schufen ein Kitsch-Image von Österreich und seiner Bevölkerung, das bis heute nicht ganz vergessen ist.
Dann kam das Fernsehen, in einer zunächst noch quotenfreien Zeit. Die 1970-er und frühen 1980-er Jahre waren in Österreich ein künstlerischer Höhepunkt der Fernsehgeschichte. Damals entstanden Klassiker, die heute noch Kultstatus haben: Die Filme von Axel Corti „Der Fall Jägerstätter“ oder „Herrenjahre“, die Fernsehreihe „Alpensaga“ von Dieter Berner, der unvergessliche „Kottan“ des Teams Zenker/Patzak und „Ein echter Wiener geht nicht unter“ des damals noch unbekannten Reinhard Schwabenitzky entstanden in dieser Zeit. Die 1990er-Jahre brachten Österreich den Kabarettfilm. Harald Sicheritz und seine Freunde begannen, bewährte Programme österreichischer Kabarettisten filmisch umzusetzen. Der Höhepunkt dieser Genre-Filme war „Hinterholz 8“, in dem Roland Düringer am Vorhaben, ein Haus zu bauen, scheitert.
So erfolgreich die Kabarettfilme kommerziell waren, so wenig wurden sie international wahrgenommen. Festivalerfolge feierten andere Filme: „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke und „Hundstage“ von Ulrich Seidl wurden in Cannes und Venedig ausgezeichnet. Seit der Jahrtausendwende macht sich nun eine Veränderung bemerkbar. Filme wie „Komm, süsser Tod“ und „Der Knochenmann“ von Wolfgang Murnberger, „Nordrand“ von Barbara Albert, „Nacktschnecken“ von Michael Glawogger oder „In drei Tagen bist du tot“ von Andreas Prochaska zeigen, dass Kunst und Unterhaltung kein Widerspruch sind. Ein Überraschungserfolg war der Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer „We feed the world“ über die Nahrungsmittelindustrie, der den Nerv der Zeit traf. Sein darauf folgender Film „Let´s make money“ ist eine Anklage gegen Finanzwirtschaft und Kapitalismus.
Und dann ist da eben noch der Film des Regisseurs Stefan Ruzowitzky, der schon mit „Tempo“, „Die Siebtelbauern“ und „Anatomie 1&2“ Erfolge feierte. Der Oscar für seinen Film „Die Fälscher“ war der Höhepunkt des an Preisen und Nominierungen für österreichische Produktionen reichen Jahres. Für manche war das ein logischer Punkt in einer langen Entwicklung vom bedingungslosen Unterhaltungsfilm der Nachkriegszeit über das fast ebenso bedingungslose Kunstkino der achtziger Jahre hin zu einer Bewegung, die es versteht, hohe Qualität mit Unterhaltung zu verknüpfen, und dafür mit dem ersten Oscar für Österreich belohnt wurde. Oder war es jetzt doch der dreiunddreissigste?
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