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Gustav Klimt und die Frauen

Gustav Klimt hat sich, mit Ausnahme seines Frühwerks, bei seinen Porträts nur auf Frauenbildnisse konzentriert. Zusammen mit seinem zeichnerischen Werk weisen sie ihn als einen der grössten Erotiker der Kunstgeschichte aus.

Klimt, Portät Emilie Flöge © Wien Museum
„… denn ich habe Furcht und Respekt vor echter Liebe"
Über Gustav Klimt, der nie heiratet und bis zu deren Tod bei seiner Mutter lebt, kursieren im Wien der Jahrhundertwende ungezählte Gerüchte, die ihm Affären mit seinen Modellen, aber auch mit den grossbürgerlichen Auftraggeberinnen seiner Porträts nachsagen.

Klimt, der sich auf den Fotografien, angetan in seinem Malermantel, der einer Mönchskutte ähnelt, oft in strenger, distanzierter Pose gibt, soll 14 uneheliche Kinder gehabt haben. Ungeklärt bleibt auch sein lebenslanges Nahverhältnis zu Emilie Flöge, die sich dazu nie konkret äusserte. Aber was immer an den zahlreichen Gerüchten wahr gewesen sein mag, es gibt Zeiten, wo sich die Ereignisse derart zuspitzen, dass sich selbst Klimt, wie er einmal bekennt, über seine eigenen Verhältnisse nicht mehr im Klaren ist. Als er nach dem Eklat mit Alma Schindler, der späteren Alma Mahler-Werfel, der er Avancen machte, aus Venedig fluchtartig nach Wien zurückkehrt, vergisst er nicht, sofort Emilie Flöge zu telegraphieren, um ihr seine Ankunft mitzuteilen. Gleichzeitig mag er daran gedacht haben, dass zwei seiner Modelle kurz vor der Entbindung stehen, für deren Kinder er die Vaterschaft anerkennen wird.

Portäts der Sinnlichkeit
Unbestreitbar aber ist, dass Klimts Werk wie kaum eines dem Erotischen huldigt. In seiner expliziten Darstellung nehmen die Zeichnungen in verblüffender Weise das erotische Werk des jüngeren, von Klimt äusserst geschätzten Egon Schiele vorweg. Doch beschränkt sich Klimt nicht nur auf die Aktdarstellung junger Frauen, sondern gestaltet alle Formen der Weiblichkeit, Schwangerschaft ebenso wie das Alter und den Verlust körperlicher Schönheit. Entsprechend dem Denken der Zeit ist für Klimt die Weiblichkeit der Natur zugeordnet, deren zyklischer Ordnung von Werden und Vergehen er in seinen Frauenbildnissen Ausdruck verleiht.

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens bindet Klimt die Frauengestalten seiner Porträts in ein ornamentales System, das der Repräsentation dient und das durch Konzentration der malerischen Mittel auf Gesicht und Hände zugleich Abstand zwischen Betrachter und Modell schafft. Später wird die Farbe diese Funktion übernehmen, die in den Porträts eine Art Eigenleben gewinnt und wie zuvor das Ornament die Zweidimensionalität der Bilder betont.

Trotz der angestrebten Distanz gelingt es Klimt, eine Atmosphäre der Spannung zwischen dem Betrachter und den dargestellten Frauen zu schaffen, die zu der besonderen Faszination beiträgt, die Klimts Frauenbildnisse seit jeher auszeichnen.

Die „goldene Adele“
Angeregt durch das Vorbild der in den Mosaiken von San Vitale in Ravenna dargestellten Kaiserin Theodora aus dem 6. Jahrhundert hat Klimt mit dem Bildnis Adele Bloch-Bauer I der Verherrlichung weiblicher Schönheit ein Denkmal gesetzt. Der grossflächige Einsatz von Gold unter weitgehendem Ausschluss der Farbe und jenes Wissen um die künstlerische Tradition schaffen jene einzigartige Aura, die den Wiener Jugendstil von ähnlichen Kunstströmungen anderer europäischer Zentren unterscheidet. Gleichzeitig verhindert das detailliert und fein gezeichnete Antlitz der Adele Bloch-Bauer, dass die Dargestellte hinter dem Allgemeingültigen des Bildes in der Anonymität verschwindet.


Ausstellungstipp:
Klimt-Sonderausstellung im Wien Museum, Karlsplatz: 16. Mai bis 16. September 2012
Mit rund 400 Blättern besitzt das Wien Museum den weltweit grössten Bestand an Zeichnungen Gustav Klimts. Im Rahmen des Klimt-Jubiläumsjahres wird die Sammlung erstmals zur Gänze präsentiert.
www.wienmuseum.at