Navigation Inhalt Wählen Sie Ihr Thema:
close
Please choose your country:
Or choose your language:

Musikgeschichte: ferne Länder im Ohr

Reisen bildet bekanntlich. Das trifft besonders auf Musiker zu. Die Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Franz Liszt oder Gustav Mahler wären in ihrer Form undenkbar, wären diese Komponisten nicht zeitlebens gereist. In den grossen Städten Europas verzauberten sie nicht nur das Publikum mit ihrer Musik, sondern holten sich Ideen, Anregungen und Inspirationen für viele ihrer Werke. Heute wirken die Einflüsse Österreichs grosser Musiker wieder zurück: Das Land wird zum Treffpunkt von Musikfreunden aus aller Welt, die Festivals, Museen und Wirkungsstätten der Komponisten besuchen, um das bisherige Verständnis ihrer Musik zu vertiefen.

Lisztzentrum Raiding © Burgenland Tourismus / Ulrich Schwarz
Lisztzentrum Raiding © Burgenland Tourismus / Ulrich Schwarz
Mozarts Geburtshaus in Salzburg © Österreich Werbung/Diejun
Mozarts Geburtshaus in Salzburg © Österreich Werbung/Diejun
Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker im Schloss Schönbrunn © Wiener Philharmoniker
Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker im Schloss Schönbrunn © Wiener Philharmoniker

Wenn beim Konzert für Europa jedes Jahr an die 150.000 Menschen unter freiem Himmel den Wiener Philharmonikern lauschen, dann ist auch das Publikum bunt gemischt. Dann treffen im Park von Schloss Schönbrunn Wienbesucher, Einheimische wie auch Opernfreunde aufeinander, um die Musik weltbekannter Komponisten zu hören. Unter ihnen auch österreichische Berühmtheiten wie Mozart, Haydn, Liszt und Mahler, die sich in dem Völkergemisch hier bestimmt wohl gefühlt hätten – schliesslich entwickelten sie gerade durch Reisen und den Austausch mit anderen Kulturen ihren markanten musikalischen Stil.

Schon im zarten Alter von sechs Jahren unternahm Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Familie für damalige Verhältnisse eine Reise der Superlative. Über unzählige Städte in Deutschland und Belgien ging es nach Paris und London, wo das Wunderkind auf dem Klavier die Besucher entzückte.

Auch wenn uns Mozarts Werke heute wie aus einem Guss erscheinen, so waren sie doch ein Konglomerat der Einflüsse und Impulse verschiedener Kulturräume. Die Übernahme von Formelementen italienischer Opern und Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte festigten später den italienischen Einfluss auf Mozarts Werke.

Selbst für einen so heimatverbundenen Komponisten wie Joseph Haydn waren Reisen und der europäische Kulturaustausch wichtig für die Weiterentwicklung seines Stils. Als der fast zeitlebens im Dienste der Fürsten Esterházy stehende Haydn 1791 einen Kompositionsauftrag in London erhielt, nahm er sofort an. Auf Mozarts Bedenken, dass er nicht einmal Englisch spreche, erwiderte Haydn: „Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt!“

Die vier Jahre in England bedeuteten für Haydn eine kreative Initialzündung: Die Werke, die er hier komponierte, wären eines ganzen Komponistenlebens würdig. Nicht weniger als 250 Einzelkompositionen, etwa seine Oper „Orfeo“ und die „12 Londoner Symphonien“, darunter die berühmte „Paukenschlag“-Symphonie, entstanden hier. Haydn besann sich gerade in der Fremde auf seine burgenländischen Wurzeln, was sich in teilweise für die Briten ungewöhnlichen Klängen niederschlug: So liess Haydn in den Londoner Symphonien ungarische und kroatische Volkslieder anklingen und verwendete dafür die sogenannte „Zigeunertonleiter“.

Ebenso stark mit dem heutigen Burgenland verbunden fühlte sich Franz Liszt, der sich selbst gerne Liszt Ferencz nannte. Bereits als Kind war er in Raiding fasziniert von den Musikern der ungarischen Roma, die ohne starre Notenvorgaben und Kompositionsregeln ein grosses Repertoire an Eigen- und Fremdkompositionen hatten. Obwohl er schon mit zwölf Jahren sein Heimatland verliess, blieb er diesen Wurzeln musikalisch immer treu. So schillernd und vielfältig wie sein Leben ist auch seine Musik, die aus den Einflüssen der Wiener Klassik, dem kulturellen und politischen Geist des Paris im 19. Jahrhundert, der Musikkultur Italiens, Russlands und Deutschlands und dem angesprochenen ungarischen Erbe in ein Œuvre mündete, das sich bis heute aller Kategorien entzieht.

Ein Kosmopolit war auch Gustav Mahler, der als Sohn einer jüdischen Familie in Mähren geboren wurde. Schon früh prägten ihn die vielfältigen musikalischen Einflüsse seiner Umgebung, die mährische Volksmusik, Militärmusikkapellen, bis hin zur derben Gassenhauermusik in den Wirtshäusern. Schon bald nach dem Studium in Wien kristallisierte sich seine grosse Gabe als Dirigent heraus, als welcher er in Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig, Budapest und Hamburg arbeitete, bis er schliesslich Hofoperndirektor in Wien wurde.

Heute wirken die Einflüsse Österreichs grosser Musiker wieder zurück: Das Land wird zum Treffpunkt von Musikfreunden aus aller Welt, die Festivals, Museen und Wirkungsstätten der Komponisten besuchen, um das bisherige Verständnis ihrer Musik zu vertiefen.