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Bregenzerwälder Tracht

Die Tracht der Bregenzerwälderinnen - die Juppe - aus schwarzer Glanzleinwand besticht durch ihre Eleganz und Schlichtheit. Sie wird heute nur mehr in einer einzigen Werkstatt in Riefensberg hergestellt.

Bregenzerwälder Tracht © Bregenzerwald Tourismus/Lingg
1647, am Ende des 30-jährigen Krieges, vertrieben die Bregenzerwälderinnen der Legende nach marodierende schwedische Soldaten, die die weissgekleideten Frauen für Engel hielten. Seit damals, sagt man, tragen die Wälderinnen dunkle Röcke – um himmlischen Verwechslungen vorzubeugen.

Die Männer der Bregenzerwälderinnen waren als spezialisierte Handwerker und Baumeister oft lange Zeit von zuhause weg und brachten exotisch kleidsame Kostbarkeiten aus aller Herren Länder mit: Pelze, Bänder, besondere Stoffe, Goldschmiedearbeiten. Wie Schmuckstücke wurden sie in das Sonntagsgewand aufgenommen: So ist die sogenannte Juppe der Bregenzerwälderin, bestehend aus einem dicht gefältelten, hohen Rock, Mieder, Ärmeln, Fürtuch und Schmuckgürtel, zwar eine der ältesten Frauentrachten des Alpenraums, doch verflochten mit stilistischen Elementen, die von Madrid bis Moskau reichen.

Allein schon ihr Name leitet sich – wie auch die Form – vom französischen Wort „jupe“ (der Rock), her. Die schwarze Farbgebung und der geradkrempige Strohhut sind auf spanische Einflüsse zurückzuführen, während sich die mit Pelz verbrämte Kappe an russische Modelle anlehnt.

Überhaupt die Hüte: Beim Verlassen des Hauses war seit 1560 eine Kopfbedeckung zwingend vorgeschrieben – und die Wälderin hat sich mit viel modischem Gespür und Varianten gefügt. Denn tatsächlich braucht dieses prächtig glänzende, schwere Kleid – der Rocksaum hat einen Umfang von fast fünf Metern – mit den üppigen Ärmeln und dem breiten Brusteinsatz einen krönenden Abschluss. Häufig war es früher eine Spitzkappe, doch die sieht nur mit aufgesteckten Zöpfen wirklich gut aus; seitdem die Frauen auch andere Frisuren tragen, ist ein malerischer Hut en vogue, der zwar aus dem Museum stammt, doch die Haute Couture neidisch macht. Angelika Kauffmann, berühmte Malerin und hochgeschätzte Freundin von Johann Wolfgang von Goethe, lieferte die Vorlage: Sie hat sich 1781 in der Juppe selbst porträtiert und dabei einen verwegen-verführerischen Hut ihrer Zeit getragen.

In einer einzigen Werkstatt in Riefensberg wird die Juppe heute noch hergestellt; sie ist immer nach dem Mass ihrer Trägerin gefertigt und ein Unikat. Diese Werkstatt ist zugleich Museum und Schaubetrieb: Bei einer Führung erlebt man – vom Glänzendmachen bis zum Fälteln – die einzelnen Stufen der Veredelung des Rocks. In den Schauräumen begreift man endgültig die hohe, fast höfische Eleganz der Bregenzerwälder Juppe, die mit gebührendem Stolz und weiblicher Noblesse an Festtagen getragen und jedem anderen Gewand seiner reichen Schönheit wegen vorgezogen wird. 

LINKTIPP:

Juppenwerkstatt
Schaubetrieb und Museum in modernen, architektonisch ansprechenden Räumen in einem 350 Jahre alten Haus.