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Jodeln in der Steiermark

Laut wie ein Schrei oder melodiös wie ein Lied sind die Jodler aus der Steiermark. Auf lautmalerischen Silben gesungen, fasziniert diese Stimmgewalt weltweit und animiert, es selbst zu versuchen.

Jodlerinnen © Steirisches Volksliedwerk
Foto: Steirisches Volksliedwerk
Håi-hudiridi-dia-hudirididia-håidladi-Ålm! 1893 erschien ein Aufruf zur Sammlung steirischer Jodler und Jauchzer. Wer etwas beitragen könne, sollte sich melden: Die Resonanz war überwältigend – und ein Schatz bäuerlicher Lebenskultur entdeckt. Archaisch und kunstvoll zugleich, erschloss sich ein Füllhorn österreichischer Musikalität, das Komponisten wie Gustav Mahler, Richard Strauss und Ernst Krenek beeinflusste.

Das Jodeln ist eine der ältesten Kommunikationsformen überhaupt – und vermutlich die lauteste, die mit Stimme allein zu erreichen ist. Namen wie Almschrei oder Viehruf zeigen seine Funktion zur Verständigung im Gebirge, von Hof zu Hof, von Hütte zu Hütte und über die Täler hinweg. Durch den ständigen Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und das stetig wiederkehrende „I“, das besonders hoch und eindringlich klingt, überwindet der Jodler grosse Distanzen. Er macht die Adressaten auf sich aufmerksam, die dann antworten. Auch das Vieh reagiert auf solch einen Ruf zumindest mit Kopfschütteln und bringt damit, als Signal für Hirten und Sennerinnen, seine am Hals baumelnden Glocken hörbar zum Klingen.

Wirklich unter die Haut geht der mehrstimmige Jodler. Die Sänger stehen im Kreis, einer schlägt das Thema an, laut und klar. Die anderen Stimmen fallen ein, gehen mit oder singen dagegen an: Mit Silben und Tönen, die sich mächtig gegeneinander stemmen, und mit Melodieführungen, die einer Berg- und Talfahrt gleichen. Zum Schluss-Akkord geht es meist noch einmal hoch hinaus, in die helle Freude des Jauchzens und das Hochgefühl der Alm hinein, enden doch viele Jodler auf dieses Wort. Es ist ein Kraftgesang mit Tiefgang: Jodeln versetzt den Körper in vibrierende Schwingung und den ganzen Menschen in meditativ entspannten Einklang. Noten sind da nur ein ungefährer Anhaltspunkt. Wichtig ist die Bereitschaft, bei diesem Singen und Rufen aufeinander zu hören und sich im Miteinander mit aller Atemkraft zu öffnen. Jeder, der sich traut, urig laut und geborgen leise zu sein, kann jodeln.


LINKTIPPS:

Jodelkurs im Gasthaus Kölbl
Steirisches Volksliedwerk
Österreichisches Volksliedwerk

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