Die musikalische Vielfalt des Burgenlandes ist von unterschiedlichen Kulturen beeinflusst und geht weit über die Grenzen des Landes hinaus.
Seit mehr als 500 Jahren leben
Kroaten und
Roma auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes und sie haben das musikalische Schaffen des Landes nachhaltig geprägt. Mit ihrer Musik verbindet man vor allem ein Instrument: die
Tamburica. Das ist eine lange Laute mit Bünden – wobei die Saiten nicht, wie bei einer Gitarre, mit den Fingern gezupft, sondern durch eine rasche Zitterbewegung mittels eines Zupfblatts, genannt Trzalica, zum Klingen gebracht werden. Die Tamburica kam erst Anfang des 20. Jahrhunderts von Kroatien ins Burgenland, sie ist daher eine relativ
junge, aber sehr lebendige Tradition – mit nicht weniger als 30 Tamburicagruppen und ca. 750 Mitgliedern. Und mit Romano Zölss gibt es seit einigen Jahren auch einen im Burgenland heimischen Instrumentenbauer, der die alte Kunst der Tamburica-Herstellung beherrscht.
Der bekannteste burgenlandkroatische Musiker ist
Willi Resetarits, der seit Mitte der 1980er Jahre unter dem Pseudonym Ostbahn-Kurti mit frechem Dialekt-Rock für volle Konzerthallen sorgt.
Die Musik der
Roma ist fest mit der Geschichte des Burgenlandes verbunden und war vor allem
bei besonderen Anlässen wie Festen, Hochzeiten und Kirtagen zu hören, bei denen Roma-Kapellen, sogenannte „Bandas“, aufspielten. Eine typische Banda besteht aus Geige, Bratsche, Klarinette, Zymbal und Kontrabass. Mit der Zeit gerieten die Lieder beinahe in Vergessenheit, erst in den letzten Jahren wurden sie wiederentdeckt, etwa von der Hans Samer Band oder der Gruppe „Romano Rath“ („Roma-Blut“).
Bekannt ist das Burgenland auch für sein reiches vokales Schaffen, denn fast jedes Dorf verfügt über seinen eigenen Chor. Die
burgenländischen Volkslieder sind durch enge Zweistimmigkeit geprägt, fast alle Liedgattungen werden mit dieser angestimmt. Die deutschsprachige Bevölkerung singt auch noch oft auf „Hianzisch“, in dem Dialekt also, der in weiten Teilen des Burgenlandes gesprochen wird und sich durch besonders viele ui-Laute auszeichnet.
Der bekannteste Musiker des Burgenlands ist der
Geiger Toni Stricker. In seiner lyrischen Musik spiegelt sich das Lebensgefühl Pannoniens wider, eines Lebensraums, der sich von Pressburg bis Kroatien, vom Plattensee in Ungarn bis ins Burgenland erstreckt. Indem er die vielfältigen musikalischen Einflüsse dieser Region in seiner Musik verarbeitet, steht er in der Tradition eines anderen grossen Sohnes des Burgenlands – des Komponisten
Joseph Haydn. Der liess sich etwa von einem
kroatischen Volkslied zu seiner „Kaiserhymne“ inspirieren – und die ist heute die deutsche Nationalhymne.
LINKTIPPS:
Tamburica spielenTamburinorchester SteinbrunnOstbahn-KurtiToni StrickerÖsterreichische GipsymusikFranz Liszt Zentrum in Raiding