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Schilfdächer im Burgenland

Der Neusiedler See im Burgenland ist umgeben von einem der grössten zusammenhängenden Schilfgürtel. Zum Dachdecken und Dämmen ist Schilf ein für das Burgenland typischer Baustoff und darf nur im Winter geschnitten werden.

Schilfernte in Illmitz © Österreich Werbung/Diejun
Schilfrohr ist wasserabweisend, schimmelresistent und dämmend. Seit der Frühgeschichte war es daher lange Zeit unersetzliches Baumaterial – besonders bewährte es sich als Dachdeckung.  Im burgenländischen Seewinkel findet das Schilf noch heute Verwendung, nimmt der Schilfwald doch mit über 150 Quadratkilometern mehr als die Hälfte des Neusiedlersees ein.

In Purbach fand Martin Sandhofer seine Berufung zum Schilfdecker, Er hat unter anderem das Seedorf Weiden, das Feriendorf Pannonia und einige Freilichtmuseen mit Schilf gedeckt. Doch ein Werk, das ihn wirklich mit Stolz erfüllt, ist das Haydn-Geburtshaus in Rohrau, das er 2006 mit einem neuen Schilfdach versehen durfte. Von der Fläche eindrucksvoller –  fast 1.000 Quadratmeter – war die Renovierung der Residenz des österreichischen Botschafters in Brüssel. Nicht um aufzufallen, sondern weil es dort, wie in vielen Ländern weltweit, Tradition ist, mit Schilf zu decken.

Wenn im Herbst die Blätter vom Rohr abgefallen sind, beginnt der Schnitt. Nur 10 – 15 % der Schilffläche werden geerntet. Um die seltene Fauna zu schützen – der Schilfgürtel ist Brutplatz und Lebenswelt vieler, zum Teil seltener Vogelarten –, muss die Ernte Ende Februar eingebracht sein. Auf freiem Feld wird das Schilf in Bündeln getrocknet, wichtig ist dabei die Qualität, die von der Härte, Länge und Frische des Schilfs abhängt: Martin Sandhofer arbeitet mit einem Mix aus einjährigem und heurigem Schilf.

Die kurzen Halme werden in kleinen Bündeln aufs Dach gelegt und festgeklemmt -  Bündel für Bündel, bis das Dach mit 30 Zentimetern hoch und dicht genug ist. Dämmwerte und Robustheit sind erstaunlich: Ein Schilfdach kann bis zu 100 Jahre überdauern, nur schräg genug muss es sein, damit das Wasser abrinnt und nicht einsickert. Die schmiegsamen, geduckten Dächer laden immer ein wenig zum Streicheln ein und tun damit Haus und Seele gut.
 
LINKTIPP:

Schilfdachdeckerei Martin Sandhofer