Schon zu Lebzeiten beschäftigen sich die Wiener mit dem Tod: Sie besingen ihn, spielen mit ihm, bauen ihm Denkmäler. Der Kult um den Tod ist schaurig-lustvolles Ereignis und strategischer Schachzug gegen die Endlichkeit aller Dinge.
Bestattungsmuseum Wien, Foto: Österreich Werbung/Muhr
Der Tod ist das letzte Fest des Lebens – und will, so traurig es ist, würdig begangen sein: Die Gräber der Wiener geben Zeugnis davon. Besonders am
Zentralfriedhof, wohin die Stadt Wien zunächst die Gräber einiger Persönlichkeiten verlagerte – allen voran
Beethoven und Schubert – und damit den Grundstein für einen der würdevollsten Friedhöfe überhaupt legte. Die wichtigsten Bauwerke, Haupttore, Aufbahrungshallen, Wartesäle und die zentrale Friedhofskirche stammen aus dem
Jugendstil.
Verloren und geheimnisvoll liegt hinter einer Backsteinmauer in Döbling der
Jüdische Friedhof. Neben jenem von
St. Marx in Wien-Landstrasse ist er der zweite erhaltene
Friedhof aus dem Biedermeier. Nur mit Führung zu besichtigen, erzählt er von der Bedeutung der Juden im 19. Jahrhundert und ihrer Bereitschaft zur Assimilation. Gruftkapellen wurden mit floralen Ornamenten des Klassizismus geschmückt und die Gräber der türkischen Juden sind vom Orient inspiriert, teils wurden sogar Elemente des Korans in die Grabsteine gemeisselt.
Das
Bestattungsmuseum, eine andere Wiener Besonderheit, zeigt unter anderem auch die verschiedenen
Sargmodelle im Laufe der Geschichte. Darunter ist auch der mehrfach genutzte "
josephinische Sarg", der nicht mit ins Grab versenkt wurde, sondern, der mit einer Bodenklappe ausgestattet war und nach Gebrauch wiederverwendet werden konnte.
Die
Augustiner Kirche beherbergt
eines der schönsten Grabmäler Wiens:
Antonio Canova hat die trauernde Figurengruppe, die vom Betrachter abgewandt einer Grabpyramide zustrebt, 1805 in weissem Marmor in Szene gesetzt. Hier liegt die Lieblingstochter Kaiserin Maria Theresias, Erzherzogin Marie Christine. Der Schmerz über diesen Abschied teilt sich durch die Darstellung mit. In der sogenannten "
Herzgruft" der Augustinerkirche werden 54 Herzen der Habsburger in silbernen Urnen aufbewahrt.
In den Katakomben der nahe gelegenen
Michaelerkirche trägt der Tod ein anderes Gesicht: Durch die klimatischen Bedingungen der Gruft wurden die
Leichen mumifiziert. In spaltbreit geöffneten Särgen sieht man Tote mit über der Brust gekreuzten Armen. Auch das Gewand ist erhalten – seit über 300 Jahren.
Die Katakomben unter der
Stephanskirche beherbergen die
Bischofsgruft sowie die Sarkophage
Herzog Rudolfs des Stifters und weiterer Habsburger.
In der
Kapuzinergruft hingegen wurden seit 1633 die
Herrscher aus dem Hause Habsburg und ihre nächsten Angehörigen bestattet. Unter den 140 Särgen sticht der
Sarkophag von Maria Theresia hervor, der einzigen Frau auf Habsburgs Thron: Gemeinsam mit ihrem Mann, der mit ihr bestattet ist, sitzt sie auf einem Kissen, die Beine ausgestreckt und mit der Hand spielerisch ein Schwert umfassend.
Bei allem Pomp, der Tod ist Wirklichkeit. Und weil man ihn in der Stadt von Sigmund Freud doch nicht verdrängen kann, lädt man ihn ins Leben ein. In vielen, auch modernen,
Wiener Liedern wird er stimmungsvoll besungen – damit er vielleicht doch - als Freund - die Finger von einem lässt, wenn’s drauf ankommt.
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