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Barrierefreier Kulturgenuss

Einige österreichische Kulturstätten laden zum sinnlichen Kunsterlebnis ein und machen etwa Malerei, Skulpturen oder Architektur auch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen zugänglich.

3D-Relief von Raffaels Madonna © Kunsthistorisches Museum Wien
Salzburg: in der unsichtbaren Galerie

Tastend, lauschend und schnuppernd geben sich Besucher in der Residenzgalerie in der Salzburger Innenstadt dem Kunsterlebnis hin. Neben Führungen mit Gebärdendolmetschern hält das Haus auch das speziell für blinde Menschen geschaffene Programm „Die unsichtbare Galerie“ bereit, bei der sich Kunst auch ohne Augenlicht erleben lässt. Um die eigenen Sinne zu schulen, absolvierten die Guides spezielle Workshops: Mit Augenbinden der eigenen Sehkraft vorübergehend beraubt, mussten sich die Mitarbeiter in der Galerie orientieren und lernen, Kunstwerke durch Tasten, Riechen, Hören oder Schmecken zu erfassen. Ein Museumsrundgang im Rollstuhl stand ebenso auf dem Programm wie die Bestellung von Tickets ohne akustische Wahrnehmung.
Mobilitätseingeschränkte Menschen haben in der Galerie freie Bahn und können auf umfassenden Service zählen: Von der Toilette bis zum Museumsshop ist das Haus barrierefrei gestaltet. Im Bereich der Portierloge gibt es ausserdem eine Gegensprechanlage, über die sich komfortabel das Galeriepersonal zur Abholung mit dem Lift rufen lässt.
Residenzgalerie Salzburg


Oberösterreich: multisensorische Kulturwanderung

In Aschach an der Donau lädt der Kulturwanderweg „Aschach – Markt am Strom” zur multisensorischen Entdeckungsreise zurück in die Geschichte. Elf Schwarzblech-Stelen vermitteln entlang eines etwa einen Kilometer langen Wegs an der Donaupromenade die historische Entwicklung des Marktortes anhand wichtiger Gebäude. Im Vordergrund der Wegentwicklung stehen die Schifffahrt und das Mautrecht, die über Jahrhunderte hinweg das wirtschaftliche Rückgrat des Marktes stellten.
Der zur Gestaltung des Wegs einberufenen Fokusgruppe gehörten auch blinde, sehbeeinträchtigte, gehörlose und mobilitätseingeschränkte Menschen an. Das multisensorische Pilotprojekt eröffnet daher auf besonders einfühlsame Weise allen Besuchern durch Sehen, Hören und Fühlen den Zugang zur Kulturgeschichte Aschachs. Da verfolgen die Wanderer Videos in Gebärdensprache, lauschen den Klängen und Stimmen an den Hörstationen und gehen mit den Tastobjekten auf Tuchfühlung – ob im Rollstuhl oder auf zwei Beinen. Dank der umfassenden Aufbereitung der Informationen ist der Spaziergang auch für jene Besucher, die diese Hilfen nicht benötigen, eine Bereicherung der eigenen Wahrnehmung.
ARGE Kulturlehrpfad Aschach


Oberösterreich: Rundgang durch den WunderWeltWald

Tastbare Tierspuren, Pflanzen und Bodenelemente: In der Ausstellung „WunderWeltWald“ in der BöhmerWaldArena in Ulrichsberg haben Menschen mit besonderen Bedürfnissen Gelegenheit, mit allen verfügbaren Sinnen Fauna und Flora des Lebensraums Wald zu erkunden. Auf über 500 m² Ausstellungsfläche erleben Besucher dank multimedialer Installationen einen Spaziergang durch den Wald – die authentische Geräuschkulisse mit knackendem Geäst und Vogelgezwitscher inklusive. Die Schau ist in neun Bereiche gegliedert, die den Wald etwa als Erholungsgebiet, als Wirtschaftsfaktor oder als Ökosystem zum Thema machen. Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich und an den Stationen stehen Übersetzungen in Gebärdensprache zur Verfügung. Im 3D-Kino sind Besucher ausserdem hautnah dabei, wenn ein Baum gefällt wird – ein spannendes Erlebnis, das alle Sinne anspricht. Und wer Lust hat, sich selber als Holzfäller zu versuchen, hat im Fällsimulator die Gelegenheit, einen Baum zu Fall zu bringen.
BöhmerWaldArena


Wien: Kunst spüren

Von Malerei bis Architektur: Wer in Wien unterwegs ist, erlebt Kunst und Kultur mit allen Sinnen. Die Kunstwerke von Raffael und Dürer bestaunen, ohne sie mit den Augen zu sehen, diese Gelegenheit haben Besucher im Kunsthistorischen Museum. In Reliefs gefräst lassen sich dort drei Meisterwerke der Renaissancesammlung als Tastobjekte bewundern – neben Raffaels „Madonna im Grünen” auch Albrecht Dürers „Maria mit Kind” und „Der Hofnarr Gonella” von Jean Fouquet. Wer die Reliefs mit den Fingern erkundet, erhält einen Eindruck über den Bildaufbau und zahlreiche weitere Details der Gemälde. Eine Broschüre in Brailleschrift und eigens ausgebildete Kunstvermittler liefern zusätzliche Informationen zu den Bildern.

Spezielle Führungen für Blinde hält auch das Obere Belvedere bereit: Die Guides führen ihre Besucher beispielsweise in die Zeit von Ferdinand Georg Waldmüller oder erläutern Gustav Klimts Hauptwerk „Der Kuss“ blindengerecht. Gehörlose Gäste informieren sich via Multimediaguide in Österreichischer Gebärdensprache über die Geschichte des Schlosses und der Gemäldegalerie.
Ausstellungsobjekte aus Holz und Keramik warten unter dem Motto „Landleben und  Sommerfrische“ im Österreichischen Museum für Volkskunde darauf, ertastet zu werden. Auch im Römermuseum in der Innenstadt sind Hands-On-Objekte für Sehbeeinträchtigte verfügbar (www.wienmuseum.at).

Und wer die Prunkbauten Wiens nicht mit eigenen Augen sehen kann, hat die Gelegenheit, sie im Kleinformat zu begreifen: Beim Haupteingang von Schloss Schönbrunn etwa wartet ein Bronzemodell der Sommerresidenz der Habsburger im Massstab 1:2000 darauf, „erfasst“ zu werden.


Steiermark: im Museum im Stift Admont

Das Benediktinerstift Admont liegt malerisch am Eingang zum Nationalpark Gesäuse und ist für einen wertvollen Schatz, die grösste Klosterbibliothek der Welt, international bekannt. Seit 2002 sammelt das Stift speziell für blinde Menschen konzipierte Kunstwerke, die auch Sehende mit verbundenen Augen erleben können. Die Sammlung, die den Titel „Jenseits des Sehens“ trägt, wird den Besuchern bei Werkschauen im Museum des Stifts zugänglich. Die Objekte sind dreidimensional und aufwendig designt. Durch Installationen oder multimedial gestaltete Werke werden sie in einer neuen, oft verblüffenden Ästhetik in der Vorstellung lebendig. Sie lassen sich ertasten, hören, riechen, ja sogar schmecken.
Zum Austausch zwischen unterschiedlichen Wahrnehmungswelten zwischen Sehenden und Blinden lädt der „Unsichtbare Garten“: Durch das von Medienkünstler Johannes Deutsch gestaltete Areal führen blinde Menschen, die Sehenden die Bäume und Sträucher auf neuartige Weise entdecken lassen.

Zum gesamten Areal haben Besucher barrierefreien Zugang: Rollator und Rollstuhl stehen kostenlos zum Verleih bereit, die Multimediaräume bieten ausreichend Platz für alle und sind mit Induktionsanlagen ausgestattet. Die Schaukästen und Vitrinen sind durch ihre niedrige Höhe auch aus Rollstuhlperspektive gut einsehbar. Und wer mit Partnerhund unterwegs ist, kann sich von seinem vierbeinigen Gefährten problemlos durch die ganze Anlage begleiten lassen.

Benediktinerstift Admont – Bibliothek & Museum