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Das grosse Tao der Spa-Architektur

Architektur und Wellness sind heute eine fixe Liaison eingegangen. Minimalistische Designkonzepte und die meditative Ruhe vieler Wellness-Konzepte ergänzen sich dabei ideal - und präsentieren sich zugleich in erstaunlicher Vielfalt.

Balance Resort Stegersbach © www.balance-resort.at
Ötztaler Aqua Dome
Ein UFO im Ötztal? Futuristisch genug sähe das Ensemble ja aus. Floureszierend lila leuchten die Aussenwände der beiden Schalen, so wie es sich für UFOs gehört. Dazwischen erhebt sich ein transparenter Kegel, vermutlich die Kommandozentrale: spitz, schön, so wie die Berge ringsum. Das Innere erfüllt von transluzent milchigem Blau. Aber was ist das? Ganz normale Badegäste tauchen da am gläsernen Rand der beiden Schalen auf! Lehnen sich gemütlich aus dem UFO hinaus, als ob's ein Schlitten wäre. Lassen das verschneite Panorama der winterlichen Berge genüsslich auf sich wirken. Keine Frage: Marsmenschen sehen anders aus! Das wird spätestens dann klar, wenn man selbst vom Ötztaler Aqua Dome "verschluckt" wird. Wenn man, von Wasser und der Wärme getrieben, die schwebende Bewegung der Thermen-Architektur mitmacht. Schwerelos scheinen die markanten Betonschalen nämlich vom Boden abzuheben. Schwerelos arbeitet man sich selbst durch das Innere der futuristischen Architektur der Therme Längenfeld nach oben, zur kreisrunden Warmwasser-Untertasse hinauf - dem schönsten Pool weit und breit.

Ein österreichisches Vollholz-Designer-Hotel
Ortswechsel: Nur wenige Schritte vom UFO-Spa entfernt liegt das gänzlich irdische Zirbenholz-Biotop. Für den Weg dorthin benötigt man statt eines Beamers einfach nur Halbschuhe mit einigermassen gutem Profil. Es sind ja bloss wenige Meter durch den knirschenden Schnee, der jetzt, nach dem Schweben im blauen Ötztaler Spa-Licht blendend weiss am Wege liegt. Dann taucht schon das Hotel Waldklause auf. Auch hier geht es um Erholung plus Architektur, so wie bei der futuristischsten Therme Österreichs. Aber statt auf UFO-Optik wird hier zunächst auf die Kraft von Alpha-Pinens gesetzt. Dass dieser Name ebenfalls für eine Star-Trek-Episode taugen würde, tut dabei nichts zur Sache: Alpha-Pinens ist der Wirkstoff im Zirbenholz, und damit eine wichtige Zutat des vis-à-vis des Aqua Dome gelegenen, ersten österreichischen Vollholz-Designer-Hotels. Eine reduzierte Herzfrequenz soll uns diese Holzart während des Schlafs bescheren, durchschnittlich 3500 Herzschläge pro Tag weniger, oder anders gerechnet: eine volle Stunde "Herzarbeit".

Dennoch wäre es schade, den ganzen Tag im Zirbenholzbett zu liegen. Denn dann sieht man nur Teile dessen, was die "Waldklause"-Betreiberfamilie Auer mit Stolz erfüllt: die Ötztaler Bergwelt, von der man aus der Zirbenholzbett-Perspektive nur ein paar Zacken erhascht, während sie vom Balkon aus den gesamten Blick einnimmt. Wer im Bett liegen bleibt, wird die zahlreichen Holzdübel erkennen, die sich über Wände und Raumdecken ziehen und so von der komplett leimfrei ausgeführten Montage zeugen - und damit auch von der Philosophie, die beim Bau des Bio-Hotels im Zentrum stand. Ökologie plus Design, lautete diese. Grosse Glasfronten, die grosszügig das Tageslicht hereinlassen, beweisen dies ebenso wie die klare architektonische Linie, die dem honiggelben, tannenblassen, lärchenroten, zirbenbraunen Farben der eingesetzten Nadelhölzer einen baulichen Raster verleiht.

Harmonische Verbindung von Landschaft und Architektur
Beispiele minimalistischer, moderner oder einfach ökologisch inspirierter Architektur, die im Umfeld von Wellness-Betrieben entstehen, finden sich heute im ganzen Land. Das Falkensteiner Balance Resort in Stegersbach besticht etwa nicht nur durch die atemberaubende Lage, sondern auch durch die Verbindung von baulicher Intimität und Umgebung.

Das Thermenhotel Larimar setzt auf fliessende Formen und weiche Linien im eiförmigen Bau - ein klares Signal für Geborgenheit. Dem ovalen Grundriss war bereits 2003 ein architektonischer Lichtblick vorausgegangen: nämlich das meditativ gestaltete "wine & spa"-Ensemble des Loisiums, ein Werk des New Yorker Stararchitekten Steven Holl. Es ist ein skulpturaler Baukörper, der das Weinthema in vielen Details und Materialien aufnimmt: etwa mit flaschengrünen Fenstergläsern, einem korkverkleideten Innenraum oder der matt inmitten von romantischen Weinbergen glänzenden Aluminiumhülle. Doch wichtiger als die Coverstars der Architekturgazetten sind in Summe vielleicht jene Wellness-Hotels, die für ein von Jahr zu Jahr dichter werdendes Netz hochwertiger Bauten sorgen. Die fliessenden Formen des Lanserhofs in Lans bei Innsbruck etwa. Oder das von einem schlichten Kreisform-Grundriss definierte Hotel Gams, dessen nach aussen aufgebrochene, mit Naturmaterialien gestaltete Fassade eine harmonische Verbindung mit der umgebenden Landschaft bildet.