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Die Entdeckung der Stille

Einige der schönsten Klöster Österreichs bieten die Möglichkeit, von einer jahrhundertealten Tradition zu profitieren. Architektonische Kleinode mitten in der Natur mit liebevoll angelegten Gärten, historische und zeitgenössische Kunstschätze sowie das Leben mit den Mönchen oder Nonnen fügen sich zu einem Ganzen, das wie geschaffen dafür ist, sich den wesentlichen Fragen des Lebens zu widmen.

Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark © Stift St. Lambrecht

Das Zauberwort heißt Stille. Eine Stille, die es im „normalen“ Alltagsleben zumeist nicht mehr gibt. Zusätzlich bieten die Klöster unterschiedliche thematische Schwerpunkte an. Zum Beispiel zum Thema Gesundheit. Schließlich bewahrt und praktiziert man hier uraltes Wissen zur Heilung von Körper, Geist und Seele, wie etwa das Fasten, das heute eine Renaissance erlebt. Oder die Klosterurlauber lernen heilende Kräuter kennen und können sie in Form von Salben und Tees nach Hause mitnehmen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, fernöstliche Bewegungs- und Heilslehren kennenzulernen – wie zum Beispiel Shiatsu, Qi-Gong oder Tai-Chi, die größtenteils zur Aktivierung für bewegungsarme Mönche entwickelt wurden.

Eine besonders interessante Kombination aus heimischen und exotischen Methoden, aus Natur- und Schulmedizin bietet die Abtei Marienkron im Burgenland, am Rand des Naturparks Neusiedler See. Sie wurde erst 1955 vom Stift Heiligenkreuz gegründet, aber schon seit 1969 leiten dort 15 Zisterzienserinnen ein Kurhaus und ein Entspannungszentrum. Unterschiedliche Therapien sollen zivilisationsgeschädigte Menschen wieder in Balance bringen: mit Diät-, Fasten- und Kneippkuren, Heilmassagen und Bewegungstherapie. Besonders variantenreich sind die „Kur mit Kurs“-Angebote: Qi-Gong und Bibel, Traubenkur, japanische Shensin-Schwertkunst, psychosoziale Beratung, autogenes Training, christliche Spiritualität, griechische Reigentänze, Yoga, Zen und Lebensqualität im Alter.

Ein anderes Zusatzthema für klösterliche Auszeit lautet Kreativität. Weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt sind etwa die Kunstkurse, die Jahr für Jahr im 800 Jahre alten Prämonstratenserstift Geras im Waldviertel  stattfinden. Hinter barocken Fassaden erahnt man noch heute die ursprüngliche Anlage. Ein wunderbarer Rahmen, der die Fantasie anregt. Hier unterrichten von den Kursteilnehmern ausgesuchte Künstler unterschiedliche Techniken. Das Procedere ist folgendermaßen: Das Stift lässt einen Katalog mit Werken der Künstler, die sich als Kursleiter bewerben, drucken. Die potenziellen Kursteilnehmer suchen sich danach ihre Lehrer aus. Sind sie noch unsicher, können sie die Künstler im Rahmen einer Informationsveranstaltung vorab kennenlernen.

Manche Klöster konzentrieren sich aber auch hauptsächlich auf die „geistliche“ Dimension. Hierbei stehen Exerzitien auf dem Programm oder einfach nur Meditation in der Natur. Willkommen ist jeder, ob er nun einen Weg zu Gott sucht oder zu sich selbst. Oder ist das ohnehin dasselbe? In jedem Fall geht es darum, von den eingeschliffenen Mechanismen des Alltags Abstand zu gewinnen, sich und sein Leben mit anderen Augen zu sehen und in der Folge neu zu gestalten. Und wenn der Urlaub im Kloster greift, dann verlieren die Widrigkeiten des täglichen Lebens auf einmal an Bedeutung. Vielleicht findet man eine Lösung, sie zu vermeiden. Oder man entdeckt, dass man selbst daran nicht so unbeteiligt ist, wie man dachte.

Für Männer gibt es im Stift Rein in der Steiermark die Möglichkeit, eine Zeit lang mit den Mönchen unter einem Dach zu leben, mit ihnen zu essen und – wenn sie wollen – am Chorgebet (5.45 Uhr, 12.00 Uhr, 17.30 Uhr) und an der Eucharistiefeier (6.30 Uhr, sonntags 8.00 Uhr) teilzunehmen. Wanderungen im Stiftswald und jederzeit mögliche Gespräche mit den Patres ergänzen die Möglichkeit, wirklich wie ein Mönch zu leben.

Im Benediktinerstift St. Lambrecht, ebenfalls in der Steiermark, ist Ähnliches möglich – Kloster auf Zeit. Auch hier lebt man für bestimmte Zeit in der Klostergemeinschaft. Allerdings ist dies nur ein kleiner Teil eines umfangreichen Kursprogramms, das an Vielfalt kaum zu überbieten ist: Das Kursprogramm  „Schule des Daseins“ gliedert sich in eine „geistliche Schule“, eine „Managementschule“ und eine „Kreativitässchule“. In der Kreativitätsschule belegt man Mal- und Zeichenkurse, Kurse für Schauspiel, Film und Tanz für Kinder, sieht Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, kann aber auch Qi-Gong, Shiatsu oder Tai-Chi kennenlernen. Aber wer vermutet schon eine Managementschule im Kloster? Bei genauerem Hinsehen ist es aber völlig logisch. Schließlich waren Klöster die ersten größeren Wirtschaftsunternehmen. Auch im Fall von St. Lambrecht begannen die Ordensbrüder zunächst – wie alle Benediktiner – den Wald zu roden und den Boden zu kultivieren. Später bauten sie in der näheren und weiteren Umgebung eine „pastorale Infrastruktur“ auf, das heißt, sie gründeten und betreuten mehrere Kirchen – darunter auch die Wallfahrtskirche von Mariazell.

Zur wirtschaftlichen kommt die soziale Kompetenz. Auf der Basis der Regel des Hl. Benedikt mussten die Klöster schon früh Strategien entwickeln, was das geordnete Zusammenleben, die Hierarchie, aber auch Konfliktbewältigung und Wirtschaftlichkeit anging … Und die Seminare der Managementschule spiegeln diese alten Erfahrungen wider: Es geht um Konfliktlösungsstrategien, Umgang mit Widerstand, Zeitgestaltung, Identität und Autorität, aber auch um grundsätzliche Wertvorstellungen. Und um die Auseinandersetzung mit sich selbst.