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Brauchtum von Krampus bis Dreikönig

Lang bevor der Fasching mit seinen lustigen Gesellen ins Land zieht, machen sich die wilden Perchten auf, um in den "Rauhnächten" die bösen Geister zu vertreiben. Aber auch "sanftere" Winterbräuche werden zwischen Anfang Dezember und dem Dreikönigstag abgehalten.

Perchten in Tirol © Österreich Werbung/Fankhauser

Kärnten


Die Klöckler vom Gegendtal
Die Bauernburschen im Gegendtal zwischen Treffen und Afritz haben es nicht leicht, wenn sie an drei Donnerstagabenden im Advent mit viel Lärm und Glockenklang von Haus zu Haus ziehen, um den Bewohnern Gesundheit für das kommende Jahr zu wünschen. Es ist nämlich Sitte, die Klöckler nicht sofort hereinzulassen, sondern mit althergebrachten Sprüchen hinauszuwünschen. Sie müssen sich erst Einlass mit Versen und Gesängen erkämpfen. Dann aber wird ihnen eine deftige Klöckler-Jause serviert.

Rosentaler Nikolaus und Krampus
Wenn der Hl. Nikolaus, die Magd, der Glöckner, die Korbträgerin und der Einspieler die Dorfstraße bis zum Hauptplatz entlang marschieren, dann ist eine seit 1889 genau festgelegte Figurengruppe unterwegs, die es nur im Suetschacher Brauchtum gibt und somit einzigartig ist. Die Betrachter werden zu Mitwirkenden, was den besonderen Reiz dieser jährlich am 5. Dezember stattfindenden Veranstaltung ausmacht.

Höllischer Bartlumzug in St. Veit an der Glan
Bartl nennen sich die gruseligen Gesellen in St. Veit an der Glan, die sinngemäß „aus der Hölle kommen“ und die am 5. Dezember ihr Unwesen treiben. Mit von der Partie sind 400 Perchten in 30 Gruppen, die für eine spektakuläre Show mit beeindruckenden Kostümen und Masken sorgen und damit ein altes südgermanisches Glücks- und Fruchtbarkeitsritual aufrechterhalten.

Schlüsselbacken – Quatember Brot
Beim letzten Brotbacken des Jahres wird ein großer Hausschlüssel in den Teig gedrückt. Dieses Brot wird dann an das Gesinde verteilt. Der Brauch soll Gesundheit und Glück bringen.

Räuchern
Mit einem irdenen Topf, einer Glutpfanne oder einem "Rachhöfn", auf dessen Kohlen Wacholderzweige, Waldweihrauch, Speik und Zweige vom zu Ostern geweihten Palmbusch glimmen, durchschreitet der Bauer oder die Hausmutter, gefolgt von der Familie und dem Gesinde, sämtliche Räume des Hauses, die Stallungen, den Hof und schließlich das ganze Anwesen, während einer aus dem Gefolge Weihwasser sprengt. Während dieser Verrichtung wird laut gebetet. Das Räuchern wiederholt sich am Vorabend von Neujahr und Dreikönig, weshalb diese drei Nächte Rauchnächte genannt werden.

„Roateln“ im Lavanttal/Görtschitztal
Ein ungewöhnlicher Weihnachtsbrauch, der sich im Lavanttal und im Görtschitztal erhalten hat, ist das „Roateln“. Alles, was eine Schneide hat, wird vor Weihnachten geschärft und am Heiligen Abend unter den weiß gedeckten Tisch gelegt. Darauf stehen ein Reindling, eine Schale Weihwasser und Kerzen. Die Tischbeine werden mit eisernen Ketten umwickelt. So bleibt der Tisch bis zum Neujahrstag stehen. Es ist ein uralter Abwehr- und Bindezauber, der den Bauern Glück und eine gute Ernte bringen soll.

www.kaernten.at


 
Niederösterreich


Ausrauka
Das „Räuchern“ (im Mostviertler Dialekt „ausrauka“) von Räumen mit Weihrauch und das Besprengen mit Weihwasser vertreibt böse Geister und bewahrt das Haus und seine Bewohner vor Unglück. Dieser religiöse Brauch mit heidnischen Wurzeln wird in den vier „Rauhnächten“ – von 21. auf 22. Dezember (der längsten Nacht des Jahres), von 24. auf 25. Dezember (Christnacht), von 31. Dezember auf 1. Jänner (Silvesternacht) und von 5. auf 6. Jänner (Epiphaniasnacht) zelebriert. In diesen Nächten trägt der Hausherr ein Räuchergefäß, den sogenannten „Ausrauka-Tegl“ mit Holzkohlenglut und Weihrauch, durch sämtliche Wohnräume und Stallungen. Danach wird der „Ausrauka-Tegl“ in der Stube auf einen Stuhl gestellt und die ganze Familie betet 7 „Vater unser“. Die Holzkohlenreste vom Ausräuchern werden am darauffolgenden Tag auf die Felder gestreut. Wer sich Kopfschmerzen für ein ganzes Jahr ersparen will, hält seinen Hut über den duftenden Weihrauch und setzt ihn rasch wieder auf.

Maulgabe für die Tiere
Alle Tiere im Stall bekommen zu Silvester eine Maulgabe (Mäugob). Diese besteht aus Brot, das zuvor in Weihwasser eingetaucht wurde.

Neujahr einschießen
Gleich nach Mitternacht beginnt das „Neujahr einschießen“ und am Vormittag des Neujahrstages setzt sich die „Schießerei“ fort. Mit Vorderlader und Böllern geht man zu Nachbarn, Freunden und Verwandten, um vor dem Haus die Böller abzufeuern. Anschließend werden die „Schießer“ auf Speis und Trank eingeladen.
www.mostviertel.info

Schifferlsetzen
Am 6.12. setzen Kinder in Spitz an der Donau ihre zuvor geweihten & selbstgebastelten Schiffe mit einer Kerze in die Donau, dies soll Glück und Segen bringen.

Wintersonnenwende
In einigen Orten der Wachau wie, z.B. in Rossatz-Arnsdorf oder Melk wird die Wintersonnenwende gefeiert.
www.wachau.at


 

Oberösterreich


Ebenseer Glöcklerlauf
Ausgehend von Ebensee verbreitete sich der Brauch des Glöcklerlaufens über das gesamte Salzkammergut und die Wolfgangseeregion bis in die Steiermark. Dieser jährlich am 5. Jänner stattfindende Brauch ist gekennzeichnet durch das typische weiße Gewand der verschiedenen Figuren, das Tragen und Läuten von großen Glocken und die Lichterkappen. Während anfangs nur unverheiratete junge Männer an den Läufen teilnehmen durften, so ist Ehelosigkeit heute kein Aufnahmekriterium mehr. In den letzten Jahrzehnten ist auch die Einbindung von Frauen und Mädchen in die verschiedenen Aufgaben des Glöcklerlaufens zu beobachten. Der traditionelle Ebenseer Glöcklerlauf wurde von der UNESCO zum österreichischen immateriellen Kulturerbe ernannt.
traunsee.salzkammergut.at

Krambamperlbrennen
Ein Brauch des Salzkammergutes ist das 'Krambamperlbrennen', das alljährlich am 26. Dezember in den Gasthäusern der Orte Ebensee und Bad Goisern zelebriert wird. Auf den Gasthaustischen werden Gläser mit Slibowitz oder anderen Schnäpsen mit mindestens 50 Prozent Alkoholgehalt aufgestellt. Anschließend wird der Schnaps entzündet, und die am Tisch sitzenden Personen bringen auf Gabeln eine beliebige Anzahl von Würfelzuckerstücken in der Alkoholflamme zum Schmelzen. Der flüssige Zucker tropft langsam in das Glas, färbt den Schnaps bräunlich und gibt ihm einen süßlichen Geschmack. Nach dem Erlöschen der Flamme wird das Glas von den am Tisch sitzenden Personen herumgereicht und Schluck um Schluck geleert.
traunsee.salzkammergut.at

Aperschnalzer  in Linz
Am 1. Jänner um 11 Uhr findet vor dem Landhaus das traditionelle Aperschnalzen statt. Die Aperschnalzer (aper=schneefrei) kommen mit 4kg schweren und 4m langen Peitschen in die Innenstadt, um den seit 1925 geübten Brauch zu pflegen.
www.linz.at 

Innviertler Maschkerer
Die Innviertler Maschkerer ziehen am Vorabend zu Dreikönig als Hexe, wilder Bär, Guckkastenmann, Kasperl, Teufel, Jäger, Hausierer etc. verkleidet von Haus zu Haus, um die bösen Geister auszutreiben und den Bewohnern Glück zu wünschen.
www.innviertel-tourismus.at 

Nebelberger Rauhnachtspiel
Als "Nebelberger Rauhnachtspiel" ging dieses nur im nordwestlichen Gebiet des Bezirkes Rohrbach ausgeübte Rauhnachtsingen erstmals 1929 in die Literatur ein, der Brauch soll jedoch bereits seit 1865 bestehen. Das nur alle 10 Jahre am 4. und 5. Jänner stattfindende Hereinrufspiel wurde zuletzt 2010 im Gebiet Julbach, Peilstein, Nebelberg und Kollerschlag von jeweils über 40 Männern aufgeführt.
www.boehmerwald.at
  
 

Salzburg


Pongauer Perchtenlauf
Der Perchtenlauf im Pongau ist der größte im Salzburger Land und findet im Rhythmus von 4 Jahren abwechselnd in den Gemeinden Altenmarkt, Bad Gastein, Bischofshofen und St. Johann statt. Eine Vielfalt von Masken hat sich im Laufe der Zeit in zwei Hauptgruppen gemäß dem Doppelwesen der „Frau Percht“ in das Gute und das Böse, aufgespalten. Die eine Seite führen die Schönperchten mit ihrem tafelartigen Kopfputz an, die anderen vertreten die Schiachperchten mit furchterregenden Larven – beide Perchtengruppen sind von einer großen Anzahl an Begleitgestalten umgeben. Der Glaube an ein gutes Jahr und an die Fruchtbarkeit des Bodens wird mit den Perchten verbunden.
www.sanktjohann.com
 



Steiermark


Tag der unschuldigen Kinder
Vielerorts werden in den Kirchen Familienmessen gefeiert. Ein in der Steiermark verbreiteter Brauch ist das „Frisch und g’sund schlagen“: Kinder streichen Erwachsene mit Birkenruten und sagen Sprüche mit Wünschen für gute Gesundheit im Neuen Jahr auf. Als Gegenleistung gibt es Nüsse, Äpfel oder Kletzen.

Stefaniritt
Im Advent herrschte früher strenges Fasten, das erst mit der Christmette zu Ende ging. Das Festessen nach der Mette fiel daher besonders üppig aus. Der Christtag galt als reiner Familienfesttag, der Stefanitag hingegen als Besuchstag sowie der Tag, an dem die Pferde beim sogenannten Stefaniritt bewegt wurden. Vor allem in der nördlichen Weststeiermark werden Stefani-Ritte veranstaltet. 
www.steiermark.com 

Glöcklerlauf Gröbming
In der letzten Rauhnacht, dem 05. Jänner, ziehen bei Einbruch der Dunkelheit weißgewandete Gruppen mit beleuchteten Kappen durch die Nacht. Der Brauch stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird heute noch im Ennstal praktiziert. 90 Mitwirkende  aus Gröbming und Umgebung tragen das Gerüst der Kappen, welches aus Holz besteht und mit Naturpapier überzogen ist. Aus diesem wurden die Bilder und Figuren ausgeschnitten und mit Seidenpapier hinterlegt. Beleuchtet werden die Kappen ausschließlich mit Kerzen.
www.schladming-dachstein.at

Glöcklerlauf Wildalpen
Am Abend des 5. Jänner findet in Wildalpen und Hinterwildalpen der traditionelle Glöcklerlauf statt. Charakteristisch für die Glöckler von Wildalpen sind die schlichten, hohen (70-80 cm) zylindrischen Kronen-Kappen aus dickem Karton, die - im Gegensatz zur üppigen Bebilderung der Glöckler-Kappen im Salzkammergut -, nur eingestanzte Löcher in Form christlicher Motive aufweisen. Bemerkenswert sind die gehäkelten Schleier, hinter denen die Glöckler ihr Gesicht verbergen. Das Licht in den Kappen soll auf die Sonne (Wintersonnenwende), das Licht des Lebens und der Freude hinweisen und Licht und Freude in jeden Haushalt sowie eine gute Ernte auf den Feldern bringen. Die Läufer müssen ledig sein und sind mit einem Schweigegebot belegt. Während die Glöckler im Salzkammergut Lieder und Segenswünsche darbringen, laufen die Glöckler in Wildalpen vor den besuchten Häusern die obligaten drei „Kranzln“ (Kreise) schweigend, um sich dann nur mit einem Knicks zu verabschieden.
www.wildalpen.at
 


 
Tirol


Klaubaufgehen
Er trägt ein weißes, schwarzes oder braunes Fell, eine grob geschnitzten Holzmaske bzw. eine grob wirkende Larve aus Aluminium. Auf seinem Rücken finden sich mehrere größere Glocken: Es ist der „Klaubauf“, der zusammen mit anderen maskierten Gestalten den Nikolaus auf seinem Gang durch das Dorf begleitet. Der Nikolaus besucht die Häuser, befragt die Kinder und lässt sie durch zwei Engel beschenken. Der „Lotter“ und die ”Litterin” heischen in der Zwischenzeit um Geld und tanzen als Dank zur Musik des Spielmanns. Früher üblich, heute jedoch kaum mehr gebräuchlich, ist das sogenannte „Tisch zoichn“ (Tisch ziehen). Dabei versuchten mehrere „Klaibaife“ (dialektale Mehrzahl von Klaubauf) den Tisch eines Hauses ins Freie zu ziehen. Es galt als Schande für den Hausherrn, wenn dies gelang. Das Klaubaufgehen ist heute vor allem in Osttirol noch lebendig.

Die „Böm“ gehen um
Vermutlich einzigartig ist der Adventbrauch, der sich bis heute in Alpbach erhalten hat. Die „Böm“ führen an Donnerstagen und Sonntagen in Bauernstuben und Gasthäusern Musik und Handwerk vor. Musikanten, zwei Tanzpaare, sowie z. B. ein Schuster, ein Schindelmacher und ein Messerschleifer bilden die „Böm“. Ursprünglich sollen die „Böm” arme Leute aus Böhmen gewesen sein, die in der Adventzeit regelmäßig nach Albpach kamen.

Räuchern
Im Volksglauben brach mit dem 25. Dezember die mythische Zeit der Rauhnächte an (der Begriff „Rauhnacht“ leitet sich vom Begriff „Räuchern“ ab). Unheimliche Geister suchten bis 6. Jänner Stall und Stube heim. Diese galt es mit dem Ausräuchern von Haus und Hof am Heiligen Abend, zu Silvester und am Dreikönigstag zu bändigen. Es bedeutete Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlte. Auch heute noch wird das Räuchern in Tirol praktiziert. In eine großn, mit heißer Glut gefüllten Pfanne wird Weihrauch gelegt, mit der die Bauersfamilie unter ständigem Gebet alle Räume feierlich „ausräuchert“.

Anklöpfeln
Eine auch heute noch gebräuchliche Form, böse Naturgeister zu vertreiben, ist das Anklöpfeln, welches auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Zu dieser Zeit ist es als weltlicher Brauch dokumentiert, der nicht auf das christliche Weihnachtsgeschehen bezogen war. Anklöpfeln galt vielmehr als auf den Jahreswechsel bezogener Orakelbrauch, um die Zukunft vorauszusagen. Wenn man z.B. zur richtigen Stunde an Stallwände klopfte, hörte man die Haustiere von den Toten des kommenden Jahres reden. Der Brauch hat sich vor allem im Unterinntal erhalten. Dabei verkleidet sich eine Gruppe zumeist männlicher Sänger als Hirten und stattet danach an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch ab. Die Sänger werden in das Haus gebeten und stimmen dort einige Lieder an, die die Weihnachtsbotschaft von der Geburt Jesu verkünden. Das Anklöpfeln im Tiroler Unterland wurde in die Liste des „Immateriellen Kulturerbes der UNESCO“ aufgenommen.

Perchtenläufe
Die Perchtenläufe finden in den Rauhnächten und in manchen Tiroler Orten bereits am 5. Dezember statt. In Fellkostümen und mit furchterregenden Masken ziehen die teuflisch anmutenden Gestalten unter Schellengeläute lärmend durch den Ort.

www.tirol.at/brauchtum