Navigation Inhalt Wählen Sie Ihr Thema:
close
Please choose your country:
Or choose your language:

Fasching in Österreich

Maskieren und Demaskieren sind schon seit jeher ein aufregendes Spektakel. Schon deshalb sind die vielen Spielarten des traditionellen karnevalesken Treibens in Österreich sehens- und erlebenswert.

Nassereither Schellerlauf Tirol © Österreich Werbung /  Wiesenhofer
,

Das wilde Faschingstreiben dreht sich in erster Linie um den Kampf des Frühlings gegen die Macht der kalten Jahreszeit und dabei auch um den Kampf des Guten gegen das Böse. Deshalb gibt es die "schönen" und die "hässlichen" Masken.

„Schönperchten“ und „Schiachperchten"
Zu den Hässlichen zählen beispielsweise die Hexen, zu den Schönen u. a. die berühmten „Flinserl“ im Ausseer Fasching. Sie ziehen am Faschingsdienstag in einem mit Silberflitter verzierten Leinenkostüm sowie mit Tuchmaske und Spitzhut unter Begleitung der Flinserlmusik paarweise als Männlein und Weiblein durch den Ort. Die prunkvollen Vorbilder für diese Gewänder sind wahrscheinlich durch den Salzhandel von Venedig nach Bad Aussee gekommen. 

Die Trommelweiber von Bad Aussee sind in Frauennachtgewänder gehüllte Männer, die mit Trommeln und Trompeten nach der Melodie des „Ausseer Faschingmarsches“ die Stadt mit Getöse erfüllen. Sie tragen Gesichtsmasken, damit sie von den Dämonen, die sie vertreiben wollen, nicht erkannt werden.

Aufwändig kostümiert sind die Figuren des Imster Schemenlaufens. Sogenannte Spritzer, Sackner und Kübelemajen drängen mit Wasserspritzen, einem runden Sack und Pudertupfer aus dem Kübel der Maje das Publikum zurück. Die borstigen Hexen tragen schwingend weite Röcke und Zöpfe, sie heben die Besen über die Köpfe und begleiten ihren Tanz mit gellendem Geheul. Dann erscheinen Roller und Scheller, die Hauptfiguren des närrischen Treibens. Mit hohem Kopfputz tanzen sie miteinander das „Gang'l“ - dabei schlagen rhythmisch die großen Schellen.

Weitere spektakuläre Tiroler Fasnachtsbräuche sind das Mullerlaufen, das Telfer Schleicherlaufen, das Fisser Blochziehen, das Axamer Wampelerreiten oder das Nassereither Schellerlaufen. Alle haben ihren eigenen Ablauf, ihre besondere Darstellung des Kräftemessens und dazu ihre typischen Figuren, überbordenden Kostüme und eindrucksvollen Masken, die von den Tiroler Maskenschnitzern in Meisterarbeit hergestellt werden.

Faschingsumzüge - die Freiheit der Narren
Neben dem Kampf der guten gegen die bösen Mächte dreht sich der Fasching natürlich auch um Spaß, Ausgelassenheit und Lebensfreude. Im Fasching herrscht Ausnahmezustand.  Mit viel Fantasie werden bei Faschingsumzügen auf großen Wagen Szenen aus dem Gemeindeleben nachgestellt und Politiker auf lustige Weise kritisiert und parodiert. Diesen bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Beim beliebten Ebenseer Fetzenfasching, ein vermutlich seit dem 17. Jahrhundert ausgeübter Brauch, ist das „Einisagn“ von unliebsamen Verhaltensweisen bei Nachbarn und Vorgesetzten ein wichtiges soziales Element. 

Und beim Ausseer Fasching werden ebenfalls gnadenlos alle Peinlichkeiten aufgezählt, die den Gemeindebürgern unterlaufen sind. Die Schmähschriften werden in Gasthäusern aus einem Faschingsbrief vorgelesen und der versammelten Gemeinde zu Ohren gebracht. Der Brauch geht auf das mittelalterliche Rügegericht zurück, das den Bediensteten an einem einzigen Tag im Jahr erlaubte, Kritik an der Herrschaft zu üben.

Manchmal traf der Spott aber auch die einfachen Leute – beim Blochziehen zum Beispiel, das heute noch im Tiroler Oberinntal und Ötztal sowie im südöstlichen Österreich gepflogen wird. Dabei wird ein von Ästen befreiter, geschmückter Nadelholzstamm (Bloch) durchs Dorf gezogen. Früher taten das „sitzengebliebene“ Mädchen aus dem Dorf, die keinen Mann abbekommen hatten. Auf dem Stamm saß ein „Hochzeiter“, der die verpasste Hochzeit symbolisierte. Heute würden sich kaum noch Mädchen dazu einspannen lassen, dafür sind ältere Frauen gerne bereit, bei einem Umzug zum Gaudium der Zuschauer in eine „Altweibermühle“ zu klettern, von der auf der anderen Seite ein junges Mädchen herausspringt. Mittlerweile gibt es auch das männliche Pendant, die "Altmandermühle“.

Beim traditionellen „Scheibenschlagen“ in Landeck in Tirol kommen die Einwohner der Gemeinde am ersten Fastensonntag, dem sogenannten „Kas-Sunti“, auf einer Anhöhe zusammen, um glühende Holzscheiben ins Tal zu stoßen und sich so das Glück für ein ganzes Jahr zu sichern. Das Spektakel beginnt bei Einbruch der Dunkelheit:  In einem lodernden Feuer bringen die Landecker fünf bis zehn Zentimeter große Holzscheiben in einem lodernden Feuer zum Glühen. Dann stoßen sie die Scheiben mit einem Haselstock an und lassen sie wie Sternschnuppen durch den nächtlichen Himmel sausen. Wer anderen Menschen Glück wünschen möchte, widmet die Scheibe beispielsweise einer geliebten Person – und wer es weniger gut meint, kann auch eine „Schimpfscheibe“ verschießen.

Am Rosenmontag bekommen die Einwohner des steirischen Murtals außergewöhnlichen Besuch: Die „Faschingsrenner“ stapfen von Haus zu Haus, bis zum höchstgelegenen Bauernhof, um nach altem heidnischen Brauch den Winter zu vertreiben. Zum Geräusch der Schellen und Glocken marschieren dann die „Faschen“ mit ihren bis zu zwei Meter hohen, bunt geschmückten Kappen auf und Scherenschleifer, Schirmmacher und Schinder bieten ihre Dienste feil. Eine Gruppe geschminkter Musikanten begleitet den Umzug. Und wehe dem, der sich dem kräftigen „Wegauskehrer“ in den Weg stellt: Er führt die Truppe an und hält die Bahn für den Zug frei. Für fruchtbare Hühner und Eiersegen sorgt der „Heahgreifer“, der im üppigen Federgewand erscheint. Den Höhepunkt des Treibens bildet die Hochzeit des sogenannten „Brautpaars“, eines Bräutigams im Anzug und einem als Braut verkleideten Herrn, das die Dorfgemeinschaft im Anschluss an die außergewöhnliche Vermählung zum abendlichen Feiern lädt.

Als einziges Bundesland Österreichs gehört Vorarlberg dem alemannischen Kulturkreis an, was sich auch in der Pflege von Traditionen widerspiegelt. Die „Fasnacht“ beginnt im Jänner, endet am ersten Fastensonntag und überrascht mit kuriosen Gepflogenheiten. Am „schmotzigen“ Donnerstag, wie die Vorarlberger den Donnerstag vor Aschermittwoch nennen, geht´s beispielsweise dem Braten an den Kragen: Der Brauch des „Bratenstehlens“ reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wo es den Narren erlaubt wurde, vor Beginn der Fasnacht den Braten aus der Klosterküche zu stehlen. 
 
Das Ende der närrischen Zeit
Die Faschingszeit mit zahlreichen Bällen und Veranstaltungen dauert von Dreikönig bis zum Aschermittwoch. Davor gibt’s noch zwei Höhepunkte, den „Unsinnigen Donnerstag“ und den Faschingsdienstag, der den Fasching beschließt. In Sierning in Oberösterreich wird an diesem Tag beim „Rudenkirtag“ noch mächtig Wirbel gemacht. Die bäuerlichen Burschenschaften treffen einander zu einem geselligen Wettstreit im „Landlertanzen“ und „Gstanzln-Singen“. Denn nicht nur die Mädchen müssen schauen, dass sie jemanden zum Heiraten abbekommen, auch die Burschen stehen in Konkurrenz zueinander. 

In Teilen Tirols und Vorarlbergs endet der Fasching am Funkensonntag, dem ersten Sonntag in der Fastenzeit. Dann werden Holzstöße entzündet, eine Hexenpuppe verbrannt und brennende Holzscheiben mit Stangen talwärts geschleudert. Danach ist es vorbei mit dem ausgelassenen Treiben, vom Aschermittwoch bzw. Funkensonntag an steht bis Ostern das Fasten aus Glaubensgründen im Mittelpunkt, zumindest im streng praktizierenden katholischen Teil der Bevölkerung. Die anderen halten Diät wegen ihrer Figur.