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Himmlische Genüsse

Strenge Fastenvorschriften, die Natur als Gottes Werk und eine lange Tradition – das sind die Zutaten, die Klosterküchen seit alters her zu besonders experimentellen Gefilden machen. Österreichs Stifte und Klöster stellen da keine Ausnahme dar.

Blick auf das Stift Klosterneuburg in Niederösterreich © Schöngruber
Selbstgemachte Spezialitäten
Möglichst naturbelassen und pur im Geschmack sind die kulinarischen Produkte, die heute in ganz Österreich in diversen Klosterläden vertrieben werden. Selbstgemachte Marmelade und reinsortige Apfelsäfte finden sich da, feinste Lebkuchen und Obstbrände, Chorherren-Brot aus St. Florian, St. Lambrechter Hirschwurst oder Dinkelschnaps aus dem Stift Zwettl. Kaum ein Kloster, das nicht seine eigenen Spezialitäten hätte.

Manche davon sind sogar rekordverdächtig. Etwa die St. Göttweiger "Originale Benediktiner-Torte", die heute nach einem Rezept gebacken wird, das bis auf das Jahr 1401 zurückreicht. Kaum ein Konditor könnte das von seiner Ware behaupten. Und so unterschiedlich die klösterlichen Feinkostläden auch sein mögen – die gemeinsame Linie ist zuletzt unübersehbar. Denn stets schwingt das ländliche Idyll von Wiesen und Wälder mit summenden Bienen mit, in denen der heilige Franz von Assisi noch mit den tierischen Produzenten plaudern konnte. Nicht selten bedeutet klösterlich dabei auch biologisch.

Chemische Geschmacksverstärker und der liebe Gott vertragen sich scheinbar nicht. Manche der himmlischen Delikatessen, wie der Schlierbacher Käse, wurden dabei sogar berühmter als das damit verbundene Kloster. Doch daneben gibt es auch noch die weniger bekannten Vertreter des klösterlichen Kulinariums. Zum Beispiel das Benediktinerstift Altenberg, das den größten Stiftsweinkeller im Waldviertel besitzt. "Kloster unter dem Kloster" wird der Altenberger Keller, in dem die feinen Tropfen des Stifts lagern, genannt und er ist eine filmreife Location: Rot- und Weißweine aus Limberg am Manhartsberg, preisgekrönte Brände und Liköre finden sich hier.

Klosterheurige und Weinverkostungen
Um diese und ähnliche Produkte in der Christenheit zu verbreiten, wurde vom Stift in Maissau am Manhartsberg sogar ein eigener Klosterheuriger eingerichtet. Hier kann der Gast auf der Terrasse "Prälatenwein" und "St. Ursula Wein" genießen und dabei die Aussicht bewundern. Dabei ist Stift Altenberg bloß ein Beispiel unter vielen. Wein, neben Brot, eines der symbolträchtigsten Lebensmittel des Christentums, spielt schließlich in einer Reihe von österreichischen Stiften eine wichtige Rolle.

Dass Stift Göttweig einer der ältesten Weinbaubetriebe Österreichs ist, beweist ein Blick auf die Gründungsurkunde des Stifts aus dem Jahre 1083. Auch der Prandtauer-Keller des Stiftes in Wielandsthal bei Herzogenburg, wo die trockenen Traisental-Weine gekeltert werden, und regelmäßige Weinverkostungen stattfinden, liegt auf uraltem Grund. Das bewies vor kurzem der Fund eines 4.000 Jahre alten Weinkorns, der das untere Traisental als ältestes Weinbaugebiet Österreichs ausweist.

Diversifiziert gibt sich der Kulturträger Wein im Kloster allemal. Auf Gut Thallern bei Gumpoldskirchen, das zu Stift Heiligenkreuz gehört, können die guten Tropfen im alten Holzfasskeller bei Kerzenschein verkostet werden. In der eigenen Brennerei werden verschiedene Obst-, Wein- und Tresteredelbrände sowie Klosterliköre hergestellt. Auch "Kremsmünster" gehören derzeit zwei Weingüter (Krems-Stein und Deutschkreutz). Gar weltweit bekannt ist der Weinbau des Augustiner Chorherrenstifts Klosterneuburg. Das größte private Weingut des Landes empfiehlt seinen roten "Sankt Laurent", der erstmals durch dieses Kloster in Österreich eingeführt wurde. Mehr davon erfährt man bei Führungen in den barocken Kellergewölben, die sich über vier Etagen erstrecken und ausschließlich der Vinifikation dienen. Oder besser noch: im Rahmen von  Weinseminaren in der neu eingerichteten Vinothek.

Rezepte aus den Klosterküchen
Rege Verbreitung fanden die Rezepte und Produkte der Klosterküchen- und Kellereien freilich auch früher. Das verrät der Blick in alte österreichische Kochbücher, die von einem regen kulinarischen Wissenstransfer zeugen. Da verweisen zahllose Gerichte wie Franziskanernudeln, Heidensterz, Kapuziner, Kardinalsschnitten, Karmelitertorte, Ketzersuppe, Martinigansl, Minoritensuppe, Prälaten-Semmeln oder der Weihnachtsstollen auf das Kochen im Dunstkreis von Kirche und Klöstern.