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Pausen vom Alltag

Als nach erfolgloser Belagerung die Türken 1683 aus Wien abzogen, ließen sie den Wienern Kaffeebohnen zurück. Daraus entwickelte sich eine Kaffeehauskultur, die bis heute einzigartig ist.

Kaffeehaus-Schild © Österreich Werbung/Wiesenhofer
Wiener Kaffeekultur
Wien war zwar nicht die erste europäische Stadt mit einem Kaffeehaus, doch sollte die Kaffeekultur hier zu einer Form finden wie nirgendwo anders. Es heißt, Georg Franz Kolschitzky habe für seine Verdienste während der Türkenbelagerung unter anderem auch Säcke mit mysteriösen dunklen Bohnen erhalten und sich schon bald ans Sieden und Brauen und die Gründung eines Cafés gemacht. Doch das ist wohl nichts anderes als ein Märchen. Leider ist ebenso unbekannt, wer als erster die Idee hatte, Kaffee mit Milch und Zucker zu servieren.

Gesichert ist, dass der Armenier Diodato um 1700 ein Kaffeehaus eröffnete, das bereits damals viele Merkmale hatte, die diese Institution bis heute prägen: das Glas Wasser zum Kaffee, den Billardtisch, die Möglichkeit zum Kartenspiel und die zur Verfügung gestellte Auswahl internationaler wie nationaler Zeitungen.

Aus den frühen Zeiten der Industrialisierung stammt auch der Luxus, stundenlang bei einem einzigen Kaffee sitzen zu können. Der Grund: Wohnraum war damals ein besonders rares Gut und manche Arbeiter teilten sich ein einziges Bett. Und wenn sie weder arbeiteten noch schliefen, saßen sie im Kaffeehaus.  Einen weiteren Schritt zur lückenlosen Kaffeehauskultur vollbrachte Martin Diegand, als er 1788 das erste Konzertcafé eröffnete. Seine Zeitgenossen stürmten begeistert in alle Konzerte und somit ins Kaffeehaus. Nicht unbedingt verwunderlich, dass auch Mozart seine Werke im Café aufführen ließ, Beethoven ebenda musizierte, gefolgt von Johann Strauß senior und Johann Lanner.

Kaffeehausliteratu
r
Im späten 19. und fr
ühen 20. Jahrhundert entwickelte sich als weitere Komponente die Kaffeehausliteratur, die auch heutzutage noch viele Autoren auf den Spuren ihrer berühmten Vorgänger wandeln lässt. Bis heute stellt das Kaffeehaus einen beliebten Treffpunkt dar, und es blieb durchaus nicht im vorletzten Jahrhundert stehen: Internet-Anschlüsse und DJs, Coffeetable-Music in einzigartiger Atmosphäre sorgen für eine Verschnauf­pause vom hektischen Alltag. Versüßen kann man sich die Zeit mit flaumigem Gugelhupf, süßen Kipferln, lecker gefüllten Buchteln oder Krapfen oder duftendem Apfel-, Topfen- oder Milchrahmstrudel. Zahlreiche Cafés haben auch eigene Torten kreiert und es lohnt sich, diese zu kosten, ob nun Sacher- oder Sperltorte.

Ein Kaffeehaus-Besuch benötigt eigentlich nur eines im Übermaß: Zeit. Bringt man die nicht mit, kann einem schon einmal ein Ober wie
Herr Robert charmant die Leviten lesen: "Die Gäste, die schon weg sind, bevor sie überhaupt eintreffen, die vermehren sich wie die Has’n! Die wollen ihren Tafelspitz schon vor der Bestellung verspeist haben! Na, na – so geht’s net! Das ist kein Leben, das ist a Hetz."

Kaffeevariationen
Von den zahlreichen Kaffeebezeichnungen sollte man sich nicht verwirren lassen. Sie beziehen sich zumeist auf die Obers- bzw. Milchmenge, die dem Kaffee zugefügt wird (Schwarzer, Brauner, Goldener, Milchkaffee), die Wassermenge (Verlängter) oder auf beides (Melange – ein Verlängerter mit heißer Milch). Krönt eine Obershaube das bittere Getränk, so wird daraus ein Kapuziner, Franziskaner oder Einspänner – je nach Dimensionierung.

Ob es an unverändert durch die Zeiten gegangen Kaffeevariationen, der stilvollen Erhabenheit der Räume oder den Eigenarten der Ober liegt: Bis heute trotzt die inspirierende Mischung, die das typische Wiener Kaffeehaus darstellt, überaus erfolgreich den Fast-Kaffee-Ketten.
  

Linktipp:
 www.wiener-kaffeehaus.at
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