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Wien: Lebensgefühl Kaffeehaus

Raschelnde Zeitungen, hitzige Debatten und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee: Willkommen im Wiener Kaffeehaus, wo Plüschbänke um Marmortischchen stehen, Thonet-Stühle auf dem Parkett scharren und Spiegel mild gedämpftes Licht reflektieren.

Café Central im Palais Ferstel © Café Central

Bis heute zeugen die aufwändigen Arabesken, Gloriolen, und Ornamente vom Prunk vergangener Zeiten. Ihre Patina verschafft dem Kaffeehaus, was es am meisten braucht, Atmosphäre. Die Wiener haben das Kaffeetrinken zur Kultur gemacht und zum umfassenden Lebensgefühl erhoben – ein Gefühl, das Besucher in vielen der Traditionshäuser noch heute nachempfinden können.

Die Wiener sagen, sie hätten 1683 beim Abzug der Türken nach erfolgloser Belagerung Säcke mit Kaffeebohnen erbeutet. Tatsächlich auf den Geschmack gebracht hat sie ein verdienter Spion des Kaiserhofs: Der Armenier Diodato gründete 1685 das erste Wiener Kaffeehaus. Über 300 Jahre später ist das Kaffeehaus eine Institution, die mit keiner auf der Welt zu vergleichen ist. Als Wiens ältestes Kaffeehaus – eröffnet 1824 – lädt das Café Frauenhuber (Himmelpfortgasse 6, 1010 Wien) zur gemütlichen Auszeit. Einst erprobte dort Wolfgang Amadeus Mozart die Wirkung seiner Kompositionen und Ludwig van Beethoven lud zur Tafelmusik. Lohnenswert ist auch ein Besuch im Café Sperl (Gumpendorfer Straße 11, 1060 Wien): Mit einem Interieur wie im 19. Jahrhundert, Billardtischen und einem großen Zeitungsangebot entführt es seine Gäste in die Zeit des Fin-de-siècle.

Auch zahlreiche Literaten wie Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar oder Arthur Schnitzler nutzten das Kaffeehaus als zweites Wohnzimmer: Das Kaffeehaus bot die Möglichkeit zu arbeiten, ohne sich einsam zu fühlen, Man konnte sich dort außerdem anrufen lassen und war stets mitten im Geschehen. Als bedeutende Künstler-Cafés gelten nach wie vor etwa das Café Hawelka (Dorotheergasse 6, 1010 Wien) – feine Nasen erkennen es ab 22.00 Uhr bereits am Duft nach frischen Buchteln – oder das Café Central (Herrengasse/Strauchgasse, 1010 Wien), in dem der „Kaffeehausliterat“ Peter Altenberg und der Architekt Adolf Loos einst ein und aus gingen. Das Café Landtmann (Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien) fungiert damals wie heute als zentraler Treffpunkt für die Prominenz aus Wirtschaft und Politik.

Im Sommer laden die Schanigärten zu Kaffee und Torte. Unter einer der ältesten Sonnenjalousien Wiens vor dem Café Prückel am Stubenring genießen die Gäste die Aussicht auf das Treiben in den Straßen. Zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia erhielt der Italiener Gianni Tarroni erstmals die Genehmigung, Tische und Sessel im Freien vor seinem Café am Graben aufzustellen – "Giannis Garten" wurde schnell zum "Schanigarten". Im Café Prückel erleben Besucher ebenso wie in vielen anderen Institutionen dieser Art den typischen Service im Kaffeehaus – mit dem „Herrn Ober“, der mit kleiner Verbeugung, edler Robe und Wiener Charme punktet.

Aromatische Mischungen in der Wiener „kaffeefabrik“
In der Favoritenstrasse 4-6 im vierten Wiener Gemeindebezirk wird geröstet, gebrüht und verkostet: Die kaffeefabrik ist Bar und Shop in einem und bietet Kaffeespezialitäten aus aller Welt in höchster Güte an, wobei die Bohnen direkt bei den Produzenten gekauft und in Wien schonend verarbeitet werden. Und da jeder Besucher individuelle Ansprüche für seinen Kaffee mitbringt, stimmen die Betreiber ihre Produkte von der Bohnen-Mischung bis hin zur Röstung im persönlichen Beratungsgespräch auf den Kundenwunsch ab. Neben Kaffee steht in der kaffeefabrik auch Wodka der Traditionsmarke Held aus Berlin zum Verkauf,  und an der Bar probieren die Besucher zum Beispiel „Liebesgrüße aus Moskau“ – Wodka mit etwas Zucker und frisch gebrühtem Kaffee, bedeckt mit einem Häubchen Obers.

Kaffee-Kultur
Wiener Kaffeehaus-Tradition