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Wienerliedfestival "wean hean"

Kein stures Bewahren, sondern die Weiterentwicklung des Wienerliedes forciert das Wienerliedfestival "wean hean" - dabei wird auch durchaus ungewöhnliches Terrain betreten.

Stottern © Mario Lang

„Die Mizzi Starecek oder die Maly Nagl hinterließen bei mir das gleiche innige Gefühl wie die langsamen Nummern der Bessie Smith, wenn sie den ‚Far Away Blues’ sang“, sagt Roland Neuwirth, Kopf der Extremschrammeln. Und erzählt, dass sich ihm eine neue Welt auftat, noch viel exotischer als der alte Mississippi-Blues, als er auf alte Aufnahmen des Wienerlieds stieß - und so sein adäquates Ausdrucksmittel fand. Es ist Pionieren wie Roland Neuwirth zu verdanken, dass sich – wie die Stadt Wien selbst – auch das Wiener Lied der Welt öffnete. Von Jazz über Blues, Pop und Soul bis Klassik reichen heute die Einflüsse.

Dass das Wienerlied die Vorstädte verlässt, um jedes Jahr für vier Wochen in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken, ist der Verdienst von wean hean. Und dabei hat es nichts von seiner Anarchie, dem schrägen Witz, dem Widerspruchsgeist und seinen Ecken und Kanten eingebüßt.  Neurotische Nabelschau ist aber weiterhin erlaubt, und so kommt das Wienerlied schon einmal im Freud-Museum auf der Couch zu liegen. Ansonsten aber wird weit über den Tellerrand geblickt. Da erklingt das Wienerlied auch einmal in serbischer Sprache im Siebenvierteltakt oder als klassische Reggaenummer oder die Programmgestalter gehen unter dem Titel „Daham im Hamam“ eine Städtepartnerschaft mit Istanbul ein.

Neben Größen der Szene wie Roland Neuwirth, Karl Hodina, dem Kollegium Kalksburg, aber auch den Altmeistern des puren Wienerlieds, werden die Fühler stets nach neuen Gruppierungen ausgestreckt. Das alles ereignet sich durchaus auf traditionellem Boden, im Ottakringer Bockkeller etwa, der Wienerlied-Zentrale schlechthin, oder im urigen Heurigen, gespielt wird aber auch im Jazzclub Porgy & Bess, im Schönbrunner Palmenhaus, im Technischen Museum und an vielen weiteren Spielstätten in der ganzen Stadt, wo witzig, schräg und anarchistisch gegen die Grenzen im Kopf angespielt wird.

Weitere Informationen:
wean hean

So klingt das Wienerliedfestival "wean hean":