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Von Hand – und mit Liebe gemacht

Manufakturen haben in Österreich eine uralte Tradition. Manche der kleinen Handwerksbetriebe wurden zu „Global Playern“ – andere arbeiten noch immer wie vor dreihundert Jahren. Eine Kurzreise zum Handwerk.

Keramikgeschirr, Gmuend, Handwerk
Edles aus Glas und Keramik
Eine Weinverkostung ohne Riedel-Gläser? Das ist mittlerweile nicht nur in Österreich, sondern auch in Frankreich, Italien oder den USA schwer denkbar. Die mundgeblasenen Edel-Gläser werden im Tiroler Kufstein gefertigt. Die unzähligen Formen und Variationen zeugen von Mut zur Innovation, die Qualität der Gläser, die einen guten Wein erst so richtig zum „Schwingen“ bringen, von der Verpflichtung zur Tradition.
Eine der größten Keramik-Manufakturen Mitteleuropas befindet sich am Traunsee im oberösterreichischen Salzkammergut: die berühmte Gmundner Keramik. Bei Werksführungen können die Besucher den Töpfermeistern und Keramikkünstlern über die Schulter blicken und erleben, wie aus einem Stückchen Ton ein handbemaltes, einmaliges Stück original Gmundner Keramik entsteht. Jede der über 500 Formen muss bis zu 60 Mal in die Hand genommen werden, bevor sie fertig ist. Denn wie vor 300 Jahren wird in der Gmundner Keramik-Manufaktur Stück für Stück in liebevoller Handarbeit geschaffen und mit Sorgfalt zur Vollendung gebracht.
Unweit von Gmunden stellt seit 1920 die Firma Gollhammer den „Geheimtipp“ innerhalb der keramischen Tradition des Salzkammerguts dar: Die Muster sind vielfältig und  abwechslungsreich. Bei einem Rundgang durch die Manufaktur kann man sich davon überzeugen, dass tatsächlich jedes einzelne Stück von Hand gefertigt und bemalt wird.
 
Hier wird "blau" gemacht
Eine lange Tradition hat die Kunst des Blaufärbens, z.B. in der Blaudruckerei Wagner in Bad Leonfelden. Nicht erst seit dem Zeitalter der Blue Jeans werden Stoffe blau gefärbt, sondern schon seit tausenden Jahren. Das Blaufärben von Stoffen allein macht jedoch den „Mühlviertel Blues“ noch nicht aus, sondern die traditionelle Kunst des Blaudrucks – eine etwas irreführende Bezeichnung, denn eigentlich wird nicht blau gedruckt, sondern das Gedruckte vom Blaufärben ausgenommen. Die von der Familie Wagner verwendeten Muster sind, traditionell überliefert, im Laufe der Jahrhunderte entstanden: „Jedes Muster hatte eine gewisse Symbolik oder war gewissen Berufsgruppen zugeordnet.“
Auch die Holzmodeln und Muster des zweiten österreichischen Blaudruckers sind hunderte Jahre alt: Im mittleren Burgenland, in der Ortschaft Steinberg-Dörfl nahe der ungarischen Grenze, befindet sich die Färberei Koó, ein kleiner Familienbetrieb. Josef Koó ist der letzte Färbermeister im Burgenland, der in traditioneller Art im Handdruckverfahren und mit Walzen druckt und Stoffe mit pflanzlichem Indigo färbt - Spezialität sind die Doppeldrucke, die auf Vorder- und Rückseite je ein anderes Muster aufweisen und mit einer alten, von Hand betriebenen Walzendruckmaschine hergestellt werden.

Für Schritt und Tritt
Konkurrenzlos ist der „Goiserer“-Schuh: Er zierte bereits des Kaisers Füße, wird heute noch von Königen getragen und überlebt selbst die wildesten Konzerte des Hubert von Goisern. Von Hand gefertigt wird er nach wie vor in Bad Goisern: Ein Schemel vor dem hölzernen Arbeitstischchen, Knieriemen, Schusterhammer, Nägel und unzählige Leisten – die Werkstatt unterscheidet sich nicht wesentlich von jener der Jahrhundertwende.
Weniger elitär, dafür um nichts weniger solide, zeigen sich die Werke der GEA-Schuhmanufaktur in Schrems im Waldviertel. Das Design ist klassisch und zeitlos, die Verarbeitung von Hand wird höchsten Ansprüchen gerecht: Bei der aufwändigen Machart der flexiblen Vernähung wird das Oberleder mit der Lederzwischensohle durch eine Naht verbunden. Firmenchef Heini Staudinger setzt auf Qualität und bietet dennoch faire Preise.

Gut bestickt
Walter Grübl und Herbert Klieber in Eben in Salzburg sind die letzten Salzburger Federkielsticker, die Ranzen (der breite, reich verzierte Gürtel, der über der Lederhose getragen wird), Gürtel, Messerscheiden, Haarspangen, Geldbörsen, Hosenträger, in Leder gebundene Alben sowie Taschen mit ihren kunstvollen Stickereien verzieren. Das Rohmaterial des Federkielstickers sind die Oberschwanzfedern des Pfaus, die dieser einmal im Jahr abwirft. Fotos in der Werkstätte zeigen die stolzen Skistars Michael Walchhofer und Hermann Maier mit ihren „Ranzen“ aus der Werkstatt der Salzburger Federkielsticker.

Von diesen „Musterbetrieben“ abgesehen gibt es in Österreich noch eine Vielzahl von Handwerksbetrieben, die das Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation ständig neu definieren. Einige davon sind etwa in den „Meisterstraßen“ organisiert, einer Vereinigung alter Manufakturen, von der Dirndlnäherei über Hut- und Lederhosenmacher bis hin zu einem Optiker, der hochmodern designte Brillen herstellt – jedoch aus Hirschgeweih.