Navigation Inhalt Wählen Sie Ihr Thema:

Spanische Hofreitschule

Kapriole, Courbette, Levade heißen die beeindruckenden Sprünge der Lipizzaner, die in der Spanischen Hofreitschule in Wien ihr Publikum verzaubern. Das Wissen über die Hohe Schule der klassischen Reitkunst wird seit über 400 Jahren mündlich weitergegeben. Sind die weißen Hengste fertig ausgebildet, werden sie als "Professor" angesprochen.

Vorführung in der Spanischen Hofreitschule © Spanische Hofreitschule
In der Winterreitschule der Hofburg, auf der Reitbahn, die einst der kaiserlichen Familie vorbehalten war, werden die berühmten spanischen Pferde unterrichtet. Bei der Morgenarbeit üben sie hier mit ihren Bereitern, was sie abends in höchster Vollendung zur Vorführung bringen. Einst waren diese Pferde als Prunkrösser für Paraden, Turniere und Manöver am Hof jedes Herrscherhauses beheimatet. Doch nur in Wien hat sich die Reitkunst der Lipizzaner bis heute erhalten. Nun sind die Lipizzaner, die ihren Namen von einem der ehemaligen kaiserlichen Gestüte in der Nähe von Triest erhielten, die älteste Kulturpferderasse Europas. Und die Spanische Hofreitschule ist die einzige Institution der Welt, an der die klassische Reitkunst seit der Renaissance durchgehend gepflegt wird.

Der Nachwuchs der Lipizzaner wächst im Zuchtgestüt Piber in der Steiermark heran. Dort werden die aufgrund ihrer Sprungkraft und Ausdauer für die Hohe Schule besonders geeigneten Hengste ausgewählt. Sie beginnen mit vier Jahren ihre schulische Laufbahn in Wien. Oberster Grundsatz dabei ist das Wohl des Pferdes, sein Charakter und seine Begabung werden bis ins Detail respektiert. In den Vorführungen zeigen sie, was sie auch von sich aus auf der Koppel machen würden – verschiedene Gangarten, Schrittwechsel, Sprünge –, jedoch in geschulter Form: Durch das Training werden die natürlichen Bewegungsabläufe der Lipizzaner in die präzis gestalteten Figuren der Hohen Schule überführt.

Ist ein Hengst nach etwa sechs Jahren fertig ausgebildet, so brauchen seine Bereiter zehn bis zwölf Ausbildungsjahre. In den ersten vier bis fünf Jahren üben die Reitschüler vor allem den richtigen Sitz im Sattel. Seit 2008 – und erstmals in der Geschichte der Spanischen Hofreitschule – werden auch Frauen als Bereiterinnen aufgenommen.

In den Gala-Vorführungen erlebt man zu den Klängen klassisch-österreichischer Musik alle anspruchsvollen Lektionen der Hohen Schule – von Passagen, Piaffen, Galopp-Pirouetten bis hin zu den schwierigen Schulsprüngen. Sie werden sowohl geritten als auch am Zügel geführt vorgestellt. Krönender Abschluss – nach dem Pas de deux, bei dem zwei Pferde spiegelbildlich zueinander tanzen – ist die Schul-Quadrille: Zu historischer Tanzmusik aus der Zeit des Wiener Kongresses führen acht Lipizzaner unter ihren Reitern in tänzerischer Leichtigkeit und höchster Konzentration das Ballett der weißen Hengste auf.

Nichts dabei zielt auf Show und doch lädt jedes Detail zum Staunen ein: Die barocke Reithalle von 1735, die historischen Uniformen, die Harmonie zwischen Reiter und Pferd, die sich allein durch Körpersprache verständigen. Es ist ein vollendetes, lebendes Kunstwerk, an dem man als Besucher teilnimmt.

LINKTIPP:

Spanische Hofreitschule

Gala-Vorführungen
Alle Lektionen der Hohen Schule bis hin zu den Schulsprüngen werden zu ausgewählter Musik - am Zügel geführt und geritten - gezeigt. Höhepunkt ist die Schul-Quadrille, das Ballett der weißen Hengste.

Morgenarbeit
Von Musik begleitet, kann man den Bereitern beim Arbeiten mit Pferden aller Ausbildungsstufen in der Winterreitschule zusehen. Wer selbst reitet, nimmt dabei auch praktische Anregungen für sich mit.

Winterreitschule
Führungen durch die barocke Reithalle der Wiener Hofburg, die sowohl für die Morgenarbeit als auch für die Gala-Vorführungen den Rahmen bildet, samt Besuch in der Stallburg werden angeboten.

Stallburg
In diesem ältesten Renaissance-Hof Wiens sind die Lipizzaner mit modernstem Komfort und Tafeln, die ihren langen Stammbaum nachzeichnen, untergebracht. In der Sattelkammer werden die verschiedenen Zaumzeuge aufbewahrt und gezeigt.