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Textilkultur Haslach

Die Genügsamkeit der Flachspflanze entspricht der Kargheit des Bodens – gewoben wird daraus Stoff für höchste Ansprüche: Die über 800jährige Geschichte der Leinenweberei in Oberösterreich wird in Haslach zeitgenössisch und kreativ weitergesponnen.

Stoff aus Haslach © Textile Kultur Haslach
Es war die Konkurrenz des Bauernleinens, die die Zunft der Leinenweber zu qualitativen Höchstleistungen anspornte. Und es war ein Fall von Betriebsspionage, dass deutsche Meister das Wissen zur Herstellung reichgemusterter Leinendamaste, für die Haslach berühmt wurde, weitergaben. Zur Hochblüte der Produktion trug ein ausgedehntes Handelsnetz bei, das bis nach Wien, Budapest und Italien reichte.

Beeindruckt von der Kunstfertigkeit und Weichheit des Stoffs kaufte sich ein Mailänder Bankier ein: Mehr als 1.000 Arbeiter beschäftigte er in der 1830 gegründeten Leinenwarenfabrik Vonwiller, die er bald auf mechanische Webstühle, Dampfkraft und Elektrizität umrüstete. Ab da wurden die auf mehreren Weltausstellungen prämierten Haslacher Webwaren bis Indien und Amerika vertrieben. Feines Leinen, dünn und glänzend wie Seide versponnen, dazu kühlend, feuchtigkeitsabsorbierend und reißfest, war besonders als Tisch- und Bettwäsche gefragt.

Als lebendiges Gedankengut dominiert das historische Fabriksgebäude die Mühlviertler Gemeinde bis heute: Dieses Zentrum für textile Kultur bewahrt durch eine umfassende Initiative Wissen und Techniken der Stofferzeugung und führt die Handwerkskunst weiter. „Vom Flachs zur Leinwand“ lautet das Programm des Webereimuseums, in dem die Aufbereitung der Pflanzen bis zur Herstellung der Webe vorgeführt wird. Ausgestellt sind bestens erhaltene Webstühle und Wunderwerke der Technik wie die über 150 Jahre alten Jacquard-Maschinen, die mit Lochkarten gesteuert werden. Im Textil-Archiv werden Musterbücher, Fachliteratur und Musterweben zugänglich gemacht.

International laufen die Fäden jedes Jahr im Juli beim zweiwöchigen Sommersymposium in Haslach zusammen, bei dem Kurse zu verschiedensten textilen Techniken und Gestaltungsverfahren in Experimentier-Werkstätten und an Handwebstühlen angeboten werden.

Als höchst anziehend für das interessierte Publikum entpuppt sich der Webermarkt: Zwei Tage lang zeigen Textilschaffende aus ganz Europa, was aus Weben – von Filzen über feine Stoffe und Kleider bis zu Schmuck und Teppichen – zu machen ist. Neben Leinen wird dabei Papier genauso verwendet wie Wolle, Seide oder feinstes Goldgarn.

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