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Wiener Ball und Wiener Walzer

Nirgendwo sonst sind Bälle so romantisch-feierlich wie in Wien. Diese Tradition berauscht Einheimische und Gäste weit über eine Nacht hinaus und erfüllt die Stadt mit festlichem Flair.

Kaffeesiederball Eröffnung © Kaffeesiederball
In Wien finden im Winter über 400 Bälle statt, frequentiert von 300.000 tanzfreudigen Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt. Ein einmaliges Flair entsteht durch das zeremonielle Programm. Der Grund für die karnevaleske Ball-Sucht der Wiener ist im 18. Jahrhundert zu finden: Das Tragen von Masken und Kostümen war dem Adel im privaten Rahmen vorbehalten. Zum Ausgleich öffnete Kaiser Josef II. die Tanzveranstaltungen in den Redoutensälen der Hofburg für alle. Dabei schauten sich die Wiener die höfischen Sitten dieser Feiern ab und behielten sie bis heute bei: Strenge Kleidungsvorschriften, Eröffnungsfanfare, der Einzug der Debütantinnen und Debütanten und der Ausruf „Alles Walzer!“, Tanzordnungen und Musikwechsel sowie die sogenannte Mitternachtseinlage, meist eine Quadrille, zeugen davon. Einmalig ist auch die Damenspende, ein ausgewähltes Geschenk für jede Besucherin beim Eintritt in den Saal.

Der Walzer als Paartanz irritierte zunächst und bot Anstoß zu moralischer Entrüstung. Der Wiener Kongress (1814/15), der zur Neuordnung Europas nach Napoleons Feldzügen in Wien tagte, machte ihn salonfähig. Die politische Arbeit war so reichlich von Bällen begleitet, dass der legendäre Spruch „Der Kongress tanzt!“ entstand. Was der Kongress tanzte, war schließlich weltbewegender als jeder Beschluss: Der Wiener Walzer wurde zum König der Tänze gekürt.

Die berauschenden Drehbewegungen im Walzer-Schritt brachten intimes Vergnügen in die festlichen Ballsäle. Und Johann Strauß Vater (1804 – 1849), der die Vorherrschaft des Walzers mit 152 solcher gelungenen Kompositionen begründete, spielte mit seinem Orchester von Wien bis London zu diesem schwärmerischen Tanz auf. „Darf ich bitten?“ ist die schönste Einladung einer langen Ballnacht und lässt Herzen schneller schlagen. Bei der Damenwahl – hier fordern die Damen die Herren auf – erfahren auch Männer, welches Gefühl es ist, der Erwählte zu sein.

Viele der Wiener Bälle werden heute von Berufsständen ausgerichtet. Der Kaffeesieder-Ball verwandelt die Wiener Hofburg mit einem elegant-charmanten Programm in das festlichste Tanzcafé der Stadt; die Zuckerbäcker warten bei ihrem Ball mit einem Ballett von Mehlspeisen auf. Vielen gilt der Ball der Wiener Philharmoniker als inoffizieller Höhepunkt der Ballsaison; er findet in den Sälen des Wiener Musikvereins statt, von wo aus auch das Neujahrskonzert jährlich in die Welt übertragen wird. Der Opernball, der im Wiener Opernhaus, „im schönsten Ballsaal der Welt“ stattfindet, ist der Staatsball der Republik Österreich und zugleich Ball der Künstler der Wiener Staatsoper.

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