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Steirische Apfelstraße

Wie eine weiß-rosa „Schaumwolke“ überziehen die Blüten der Obstbäume im Frühjahr die rund 25 Kilometer lange „Apfelstraße“ in der Oststeiermark.

Apfelblüte in der Steiermark © Steiermark Tourismus / Gery Wolf

„Ein blühender, üppiger Obstgarten so weit das Auge reicht“, so schrieb der steirische Dichter Peter Rosegger, als er nach Puch bei Weiz kam. Für die Beschreibung seiner Wanderung hatte der Dichter vor mehr als hundert Jahren den treffenden Titel „Als ich ins Paradies ging“ gewählt. Und auch die Kelten, die hier vor mehr als 2000 Jahren lebten, mussten wohl ans Paradies denken – schließlich hieß in ihrer Sprache der Apfel „Aval“ und das himmlische Paradies „Avalon“ – also „Apfelland“.

Paradiesisch mutet die gesamte Landschaft zwischen Gleisdorf und Puch bei Weiz an. Hinter heimeligen Bauernhöfen schmiegen sich die Apfelbäume in die hügelige Landschaft. „Golden Delicious“, „Idared“, „Jonathan“, „Gala“, „Elstar“ und „Gloster“ heißen die Sorten, die hier angebaut werden. Im Frühling erblühen sie in zartrosa Farben, im Herbst leuchten sie hell von den Bäumen. Aber auch Birnen gibt es hier, aus denen Schnaps - meist aus der Sorte „Williams“ - gebrannt wird. So mancher wird sich beim Kauf eines Birnenschnapses schon gefragt haben, wie denn eine ausgewachsene Birne in die Flasche mit dem engen Hals kommt. In Klettendorf an der Apfelstraße kann man beobachten, wie diese Spezialität hergestellt wird. Bald nach der Blüte, wenn sich die kleine Frucht zu entwickeln beginnt, werden die Flaschen über die Früchte gestülpt und mit einer komplizierten Vorrichtung so aufgehängt, dass die Birne in der Flasche reifen kann.

Und wo wir schon beim Schnaps sind, darf auch der oststeirische Apfelschnaps, der „Abakus“, nicht unerwähnt bleiben. Höchst geheimnisvoll brennen jedes Jahr 23 ausgewählte Männer in dunklen Mönchskutten nach einem uralten Ritual diesen Edelbrand. „Apfelmänner“ nennen sie sich und bezeichnen den „Abakus“ als höchste Vergeistigung des Apfels, denn jeder aus der auserwählten Runde muss der Entwicklung des Apfels im Jahreskreis der Natur huldigen – als Obstbauer. Wie genau die Erzeugung des „Abakus“ vor sich geht, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Bekannt ist nur, dass jedes Jahr genau 1.444 Flaschen mit dem „Abakus“ gefüllt und zum Preis von 104,44 Euro pro Stück verkauft werden.

Im selben Ort, in Puch bei Weiz, kann man im „Haus des Apfels“ alles über Ernte, Transport, Mythologie, Kunst und Brauchtum rund um den Apfel erfahren. Die rund 40 bäuerlichen Direktvermarkter, Gastronomiebetriebe und Mostschenken feiern jedes Jahr Ende April das „Apfelblütenfest“, bei dem unter den blühenden Bäumen zum Tanz aufgespielt wird. Und zur Zeit der Ernte stehen Erlebnisfahrten mit der Pferdekutsche oder einem Oldtimer-Traktor zu Obstbauern und Gaststätten auf dem Programm, wo diverse Apfelgerichte – von der Apfelschaumsuppe über Mostbraten bis zum Apfelstrudel – verkostet werden.

Im Übrigen heißt eine Apfelsorte hier „Arnold“, benannt nach dem Schauspieler und kalifornischen Gouverneur mit steirischen Wurzeln – ein Hinweis darauf, dass steter Genuss von Äpfeln groß und stark machen soll.
www.apfelstrasse.at