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Waldviertler Textilstraße

Auf der Waldviertler Textilstraße erfährt man, wie hart das Leben der Textilarbeiter in früheren Jahrhunderten war und wie fantasievoll hier nach wie vor mit Stoffen umgegangen wird – und was das Wort „obandlt“ bedeutet.

Webstuhl © Webereimuseum Groß Siegharts
Webstuhl © Webereimuseum Groß Siegharts

Die Geschichte des Waldviertels ist seit jeher eng mit der Textilindustrie verwoben. Den alten Formen der Textilerzeugung begegnet man hier auf Schritt und Tritt – in Bauernstuben und auf Marktplätzen, in alten Fabriken und Weberzeilen, in Haus-, Gassen- und Flurnamen, in Erzählungen und Erinnerungen. 40 Stationen auf der Waldviertler Textilstraße laden zu Ausflügen und Entdeckungsreisen in Geschichte und Gegenwart der Textilregion Waldviertel ein.

Das Herzstück der Textilstraße bilden die drei Textilmuseen in Weitra, Groß Siegharts und Waidhofen/Thaya. Sie präsentieren anschaulich Zeugnisse aus der Industriegeschichte und Arbeitswelt der Waldviertler Textilindustrie. So diente das Textilmuseum in Weitra als Weberei der renommierten k. u. k. Modewarenfabrik Hackl & Söhne, die einstmals mehr als 500 Arbeiter/innen beschäftigte. Das lange, weiße Industriegebäude aus dem Fin de Siècle fällt vor allem durch das pagodenartige Dach des Herrenhauses auf. Heute beherbergt die ehemalige Fabrik eine Vielzahl von alten Stoffdruckmodeln, Textilentwürfen und Webstühlen für Dekorstoffe sowie original erhaltene Stoffkollektionen, die die traditionelle Waldviertler Trachtenerzeugung dokumentieren. 

Doch das Textilgewerbe ist im oberen Waldviertel nicht nur Geschichte. In Weitra kreiert Elfi Maisetschläger zeitgemäße Trachtenmode, die von ihrem Studium der alten Literatur und durch Spaziergänge in der Natur inspiriert ist. Im selben Ort befindet sich die Zwirnknopferzeugung von Maria Fiedler, die die einzige ihrer Art in Österreich ist. Der Zwirnknopf, der traditionellerweise vor allem bei Bettwäsche und Trachten verwendet wird, besteht aus einem Aluminium-Ring und reiner Baumwolle und hat gegenüber einem Knopf aus Plastik den Vorteil, quasi ewig zu halten und sich leicht vernähen und bügeln zu lassen. Dass auch Papier zum Textilgewerbe gehört, zeigt die Papiermühle Mörzinger, wo noch handgeschöpftes Büttenpapier hergestellt wird. Besucher können hier selbst ihr stilvolles, schneeweißes Briefpapier herstellen. Für Freunde von schillernden Farben empfiehlt sich ein Besuch in der Frottierfabrik Framsohn in Heidenreichstein, wo man mithilfe eines eigenen Farbsystems Frottee-Bademäntel und Handtücher in seiner individuellen Lieblingsfarbe zusammenstellen kann. Die ökologisch nachhaltige Herstellung – alle Stoffe werden im besonders weichen Urgesteinswasser gefärbt – kann auch mit der weltweit ersten Frottiertrachtenserie aufwarten.

Lebhaft ging es wohl in der ehemaligen Bandweberei in Groß-Siegharts zu. Daher nennt man sie heute auch das „Lebende Textilmuseum“. Angesichts der Webstühle in der kleinen Rauchkuchl mit einer einzigen Feuerstelle, um die mindestens ein Dutzend Menschen arbeiteten, wird klar, unter welch harten Arbeitsbedingungen die Bandweber noch vor hundert Jahren arbeiteten. Alle 20 Minuten mussten sie geistesgegenwärtig die 32 Spulen der Bandwebstühle austauschen, 56 mal 15 Meter Band in einer Schicht weben, ohne, dass die Mechanik klemmte und waren dann am Ende des Tages „obandlt“ – fix und fertig.
www.niederoesterreich.at/textilstrasse

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