Am Millstätter See in Kärnten lädt Bootsbauer Gottlieb Strobl zu Buchtenwanderungen per Boot ein. Dabei ist weniger sportlicher Ehrgeiz gefragt als eine fließende, meditative Bewegung in der Natur.
Der ideale Zeitpunkt ist acht Uhr morgens. „Da müssen die Gäste nicht allzu früh aufstehen, aber der Betrieb am See hat auch noch nicht begonnen", sagt Gottlieb Strobl. Er wird seine Gäste in den folgenden zwei Stunden zu einer Buchtenwanderung auf seinen See mitnehmen. Er weiß, die Begegnung mit der morgendlichen Wasserlandschaft ist jedes Mal ein Erlebnis und weckt alle Sinne.
Zunächst verteilen sich die Gäste je zu zweit auf eines der acht Boote. Sie sind aus dem Holz der rund um den See wachsenden Lärchen gefertigt. „Man darf die Ruder nicht umkrallen, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten. Man muss die Griffe locker umfassen und den Körper dabei in eine fließende Bewegung bringen," weiß Gottlieb Strobl. „Das Paddeln soll locker erfolgen, nicht gegen das Wasser, sondern geschmeidig mit dem Wasser."
Nach dieser kurzen Einführung werden die Boote zu Wasser gelassen. Viel muss Gottlieb Strobl jetzt nicht mehr erklären. „Sobald sich die Gäste vom Ufer lösen, merken sie selbst, dass sie damit auch den Alltag hinter sich lassen." Die Boote gleiten langsam über die Oberfläche, und die Morgenstimmung sensibilisiert die Teilnehmer für das vielfältige Leben im See und an seinen Ufern. Die Ruder gleiten gleichmäßig durch das Wasser, die Wellen plätschern am Boot entlang. Manchmal springt ein Fisch hoch oder es landet eine Stockente.
Gottfried Strobl weist jetzt nur noch gelegentlich auf eine Bucht hin oder erwähnt halblaut die Wassertiefe. Er lotst die Gruppe zum Südufer des Millstätter Sees. Dort ragt ein urwüchsiger, mit Wald bedeckter Höhenrücken auf und trennt den See vom benachbarten Drautal. „Hier riechen die Gäste nach der Seequerung plötzlich sehr intensiv das Holz des Uferwaldes. Für viele eine besonders schöne Erfahrung", so Gottfried Strobl.
Nachdem alle wieder festen Boden unter den Füßen haben, starten viele zu Wanderungen auf die umliegenden Berggipfel. Aber hat man erst die Spitze erklommen, zieht es einen auch schnell wieder hinunter zum See. Dann springt man vielleicht, vom Abstieg erhitzt, im Millstätter Strandbad vom ältesten Sprungturm Kärntens ins angenehm kühle Nass.
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