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Stifter Adalbert (1805 - 1868)

"Es gibt Dinge", schrieb Adalbert Stifter einmal, "die jeder leicht haben kann, nur bücken muss er sich danach." Der zu Lebzeiten verkannte Dichter hat sich immer wieder gebückt – nach dem Unscheinbaren, dem Kostbaren des Alltags. Und hat daraus Erzählungen geformt, die heute aus der deutschsprachigen Literatur nicht mehr wegzudenken sind. Und zunehmend rückt auch die Malerei des Künstlers in den Mittelpunkt des Interesses.

Copyright: IMAGNO/Austrian Archives
Copyright: IMAGNO/Austrian Archives

Adalbert Stifter wird am 23. Oktober 1805 im südböhmischen Oberplan, dem heute in Tschechien gelegenen Horní-Planá, als Sohn eines Leinenwebers und -händlers geboren. Der Böhmerwald ist es auch, dessen bizarre, raue Landschaft das Schaffen des später als Schriftsteller und Maler Wirkenden immer wieder beeinflusst. Als Stifter zwölf ist, verunglückt der Vater, die Familie gerät in Finanznöte. Mit Unterstützung des Großvaters kann der Bub eine Schule besuchen und später in Wien ein Jusstudium beginnen, das er jedoch abbricht.

Schon während der Ausbildung entdeckt Stifter seine Neigung zur Literatur und Malerei. Erfolglos bemüht er sich um eine Lehrer-Stelle, schlägt sich als Hauslehrer durch und unterrichtet sogar den Sohn des Staatskanzlers Metternich (1843-46). Er veröffentlicht in Zeitschriften und malt u.a. Wiener Stadtansichten. 1837 heiratet Stifter die Offizierstochter Amalie Mohaupt. Erst ab 1840 bekommt er die ersehnte Anerkennung als Dichter. In den folgenden Jahren arbeitet er intensiv an einer Reihe von Erzählungen, die er "Studien" nennt. Die bekannteste dieser Erzählungen ist der bis heute oft gelesene "Hochwald" (1842).

1848 übersiedelt Stifter nach Linz und wird 1850 zum Landesschulinspektor für Volksschulen in Oberösterreich ernannt. Die dreibändige Erzählungs-Sammlung "Bunte Steine" (1853) entsteht, darunter die bekannte Weihnachtsgeschichte "Bergkristall", ebenso der dreibändige "Nachsommer" (1857). Stifter erkrankt an einem Augenleiden, später auch an nervösen Störungen und ab 1863 an einer Leberzirrhose, die ihn 1865 als Pädagoge in den Ruhestand zwingt.

In seinen letzten Lebensjahren schreibt er die Erzählungssammlung "Witiko" (drei Bände, 1865-67), die im Böhmen des 12. Jahrhunderts spielt. Am 28. Jänner 1868 stirbt Adalbert Stifter in Linz, wo er auch seine letzte Ruhestätte findet. Seine Zeitgenossen haben sein Werk nicht besonders geschätzt. Erst nach und nach fand er jene Anerkennung, die ihm heute zuteil wird.

Adalbert Stifter


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