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Popper, Sir Karl (1902-1994

"Niemand ist gegen Irrtümer gefeit. Das Große ist, aus ihnen zu lernen." Diese Weisheit stammt aus der Feder eines großartigen Denkers, der die Philosophie des 20. Jahrhunderts und die Wissenschaftstheorie entscheidend geprägt hat.

Copyright: IMAGNO/Ullstein
Copyright: IMAGNO/Ullstein

Karl Popper wird am 28. Juli 1902 als Sohn eines jüdischen Rechtsanwaltes in Wien geboren. Seine Reifeprüfung legt er erst im zweiten Anlauf ab, weil der spätere Philosoph ausgerechnet an Latein und Logik scheitert. Nach der Schule absolviert Popper eine Gesellenprüfung als Tischler und promoviert 1928 schließlich an der Universität Wien mit einer Dissertation "Zur Methodenfrage der Denkpsychologie".

Von 1930 bis 1936 arbeitet Popper als Hauptschullehrer für Mathematik und Physik und verfasst daneben das Werk "Grundprobleme der Erkenntnistheorie". Er nimmt Kontakt zu den Philosophen des Wiener Kreises auf, deren Ansätze er zwar kritisiert, die jedoch Poppers wissenschaftstheoretisches Hauptwerk "Logik der Forschung" in ihrer Schriftreihe erscheinen lassen. Darin behauptet Popper, wissenschaftlicher Fortschritt geschehe, indem sich in einer Art Evolution jene Theorien durchsetzen, die der Wahrheit näher sind. Sicheres Wissen kann allerdings nie erreicht werden. Heute gilt diese Theorie als Grundlage moderner wissenschaftlicher Arbeit.

Berühmt wird Popper vor allem mit seinem sozialphilosophischen Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (1945), in dem er mit den Ideen u.a. von Platon, Hegel und Marx abrechnet. 1937 emigriert Popper mit seiner Frau nach Christchurch (Neuseeland), wo er Philosophie unterrichtet. Ab 1946 lehrt er an der London School of Economics und widmet sich in zahlreichen Veröffentlichungen der Philosophie, der Erkenntnis-, Wissenschafts- und Evolutionstheorie sowie der Quantenphysik. Er entwickelt eine "Drei-Welten-Theorie", in der er die Welt gedanklich in die physikalische Welt, in die Welt des Bewusstseins sowie in die vom Einzelbewusstsein unabhängige Welt der geistigen und kulturellen Inhalte einteilt.

1961 entfacht Popper auf einer Philosophentagung in Tübingen den sogenannten "Positivismusstreit", bei dem er sich mit den Denkern der Frankfurter Schule Theodor Adorno und Jürgen Habermas auseinandersetzt. 1965 wird Popper von Queen Elisabeth II. für sein Lebenswerk zum Ritter geschlagen. Sir Karl Popper stirbt am 17. September 1994 in London.

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