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All that Jazz

In schummrigen Clubs, auf klassischen Konzertbühnen oder mitten im Grünen: Es gibt unzählige Variationen rund ums Thema „Jazz in Österreich“.

© WTV

Am Anfang war das „Jazzland“. Nun ja, natürlich gab es schon davor so manches Jazzlokal – wie das in den 1950ern vom österreichischen Klarinettisten Fatty George gegründete „Jazzcasino“. Doch so richtig los ging es erst, als 1972 das „Landl“ eröffnet wurde, so der liebevolle Spitzname des eingangs erwähnten, kleinen Kellerlokals unter der Ruprechtskirche im Zentrum Wiens. Zu dieser Zeit war die Szene hierzulande noch ziemlich überschaubar. Doch dann wurde der Club schnell zum Treffpunkt hochkarätiger Musiker aus dem In- und Ausland - darunter Blueslegenden wie Memphis Slim, klassische Jazzmusiker wie Bud Freeman, Swinger wie Teddy Wilson oder Modern-Jazzer wie Art Farmer. Rund 300 internationale Stars haben seither hier gespielt – und natürlich fast die gesamte heimische Branche.

Nur ein paar Jahre später schlug die Geburtsstunde des „Jazzfestes Wiesen“, das ebenso schnell zu einer Art „Genre-Institution“ wurde. Der besondere Reiz dieses mehrtägigen Events liegt unter anderem an der speziellen Lage: In einem Tal inmitten von Wäldern und Wiesen angesiedelt, bietet das Festival eine unwiderstehliche Mischung aus hochklassiger Performance nationaler und internationaler Künstler, ausgelassener Partystimmung und erdigem Naturerlebnis – viele der Besucher campieren nach wie vor direkt auf dem Gelände.

Alles in allem ist Jazz jedoch auch hierzulande ein urbanes Thema, wobei sich Wien als wahre Metropole erweist. Hier findet auch eines der erfolgreichsten Festivals statt: Das Programm des Jazzfestes Wien liest sich wie ein Who is Who der internationalen Musikszene und zieht jährlich Zehntausende Zuhörer in seinen Bann. Dabei stört es auch nicht, dass sich neben Jazzstars wie Bobby McFerrin oder Al Jarreau auch immer mehr Interpreten genreverwandter Stilrichtungen die Ehre geben. Neben den vielen Programm-Highlights sind es auch die Spielorte, die das Festival so begehrt machen. Erlesene Veranstaltungsorte wie die Wiener Staatsoper oder der Arkadenhof im Rathaus werden dabei ebenso bespielt wie die bekanntesten Jazzclubs der Stadt, allen voran das „Porgy & Bess“.

Überhaupt, das „Porgy“... War der Club in seinen Anfangszeiten noch ein Geheimtipp, der an manchen Abenden nur eine Handvoll zahlender Besucher anzog, so ist er heute aus der Jazzclubszene Österreichs nicht mehr wegzudenken. Seit dem Jahr 2000 befindet sich das „Porgy“ in einem Kellerlokal im Herzen Wiens, in dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts professionelles und „Laientheater“ gespielt worden sein soll. Das plüschige Ambiente ist heute noch vorhanden, und bei großem Andrang (sprich: eigentlich immer) kann es im Parkett mitunter recht eng werden. Doch gerade das trägt zur Atmosphäre bei und man muss bewundernd anerkennen, wie gelassen und heiter die Kellner ihre Tabletts durch das Gewühl von Tischen und Gästen jonglieren.

Nicht so atmosphärisch, dafür aber cool-elegant ist das „Birdland“ im Keller des Hilton Hotels. Dank seines berühmten Paten Joe Zawinul erlangte es binnen kürzester Zeit hohe Bekanntheit. Der Club ist nach der mehrfach ausgezeichneten Komposition Zawinuls benannt, die wiederum jenem legendären New Yorker Jazz-Tempel gewidmet ist, der für den mittlerweile verstorbenen österreichischen Weltstar zu einer Art Wohnzimmer und zur musikalischen Heimat wurde.

Viel kleiner, wenn auch ebenfalls nach einem der Größten der Jazzwelt benannt, ist das „Miles Smiles“ im beschaulichen achten Bezirk: Da das Lokal insgesamt nur 50 bis 70 Zuhörern Platz bietet, entsteht bei den Konzerten eine besonders familiäre Atmosphäre, wegen der das „Miles“ so bekannt und beliebt geworden ist.

Ist Jazz also ausschließlich ein Wiener Thema? Keineswegs. Allein in Graz gibt es eine Vielzahl von Clubs wie den Royal Garden Jazz Club, das Stockwerk, WIST oder Miles, deren unterschiedliche stilistische Ausrichtungen man in der GrazJazzNacht bei einem Streifzug von Club zu Club alle auf einmal live erleben kann. Stilistisch reicht die Bandbreite dabei vom traditionellen Swing Jazz über Crossover und zeitgenössischer Jazzimprovisation bis zu Souljazz und Latinjazz.

Der „Grazer Jazzsommer“ wiederum findet unter freiem Himmel statt, auf der Kasemattenbühne vor der romantischen Kulisse der Schlossbergfestung. Als originelle Alternative dazu lockt der „Dom am Berg“ – ein 20 Meter breiter, zwölf Meter hoher und 28 Meter tiefer Raum mitten im Felsen des Grazer Schlossbergs.

Wien, Wiesen, Graz... wie wär’s zur Abwechslung mit St. Pölten? Hier geht das von der „österreichischen Grand-Dame des Swing“ Marianne Mendt gegründete MM-Jazzfestival über die Bühne, bei dem neben etablierten heimischen Stars wie dem Vienna Art Orchestra oder dem Puschnig Quintett auch ausgewählte Talente der MM Jazznachwuchsförderung auftreten.

Während in der Klassik schon immer viel für den Nachwuchs getan wurde, ist es im Jazz vor allem der Initiative etablierter heimischer Musiker zu verdanken, dass junge Komponisten und Ensembles eine immer größere Plattform erhalten. Auch die „Jazzwerkstatt Wien“ ist so eine Initiative, die sich ganz der Präsentation junger Talente widmet – und das mittlerweile in ganz Österreich. Am originellsten lässt sich die junge Jazzszene jedoch ganz inoffiziell erleben: bei sogenannten „Wohnzimmerkonzerten“, die meist kurzfristig über einen privaten eMail-Verteiler angekündigt werden und nur vor einer Handvoll Zuhörern stattfinden. Um darüber Bescheid zu wissen, sollte man die Ohren spitzen und Leute kennen – doch das geht in Wien ja relativ schnell.

Österreichische Jazz-Größen
Harry Stojka, Wolfgang Puschnig, Wolfgang Muthspiel, Vienna Art Orchestra

Bekannte Jazzveranstaltungen:
Internationales Akkordeonfestival
INNtoene. Jazz am Bauernhof
Jazzfest Wien
Grazer Jazzsommer
Jazzfest Wiesen
Glatt & Verkehrt
Jazz Over Villach
Salzburger Jazzherbst
Jazz Festival in Saalfelden
proFILE Jazz Festival in Dornbirn


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