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Wanderreportage 5 Minuten Lesezeit

Im Westen Österreichs erlebt der Moderator und Autor Manuel Andrack, wie wir den ureigenen Rhythmus wiederfinden.
 

Autor: Manuel Andrack

 

Ich habe Herzklopfen, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich habe die berühmten Schmetterlinge im Bauch, Euphorie macht sich breit. Steht ein Rendezvous bevor, ein Treffen mit einer heimlichen Geliebten, ein Blind Date? Irgendwie schon, denn ich werde gleich im Bregenzerwald wandern. Heute schreibe ich nicht nur darüber, was ich bei einer Wanderung erlebe, wie es um mich herum aussieht. Ich werde vor allem erzählen, wie es in mir aussieht, was ich fühle beim Gehen, positiv wie negativ, eine Reise durch meine Gefühlswelt sozusagen. Ich habe heute ein Rendezvous mit der Natur, ein Rendezvous mit dem Vorarlberg oberhalb von Dornbirn. Das ist durchaus ein Blind Date, denn ich bin noch nie in dieser Region Österreichs gewandert. Entsprechend groß ist die Vorfreude, die ja bekanntlich die schönste Freude ist.

Ich gehe los, nachdem ich aus dem Bus von Dornbirn hinauf nach Schwarzenberg ausgestiegen bin. Nein, ich gehe nicht, ich muss stehen bleiben – und staunen. Über eine großartige Bergkulisse und einen Weitblick zum Niederknien: Die aufgehende Sonne bricht durch die Wolkendecke, Nebelfelder umkränzen die Bergkuppen der Umgebung. Das ist sehr, sehr aufregend, das ist eine Aussicht, die mich glücklich macht. Die Weite der Landschaft ist erhebend, Fernblicke wie dieser sind die Nahrung für meine Wandereuphorie.
 

Wander-Momente

  • Andracks Fotoalbum © © Österreich Werbung Andracks Fotoalbum © © Österreich Werbung

Es geht in ein Waldstück hinein. Am Ende des Weges, der sich wie ein Tunnel anfühlt, scheint mir die noch tief stehende morgendliche Sonne hell entgegen. Ich folge der gelben Markierung. Auf den Weiden links und rechts des Weges beobachten mich einige grasende Kühe, die meisten mit Kuhglocken. Diese Rindviecher sind für mich das komische Element einer Wanderung, die bringen mich zum Lachen. Kühe erzeugen mit ihren treudoofen Blicken bei mir immer ein Schmunzeln. An der St. Ilga Kapelle muss ich umkehren – Sperrung wegen Forstarbeiten. Ich habe solche Warnungen schon oft ignoriert, aber die Geräuschkulisse mit Motorsägen und knackenden, brechenden Bäumen signalisiert: Kehr! Besser! Um! Der schöne Plan ist perdu, daher bin ich gefrustet. Aber das Frustgefühl weicht schnell den kreativen Kräften. Improvisation ist für mich, vor allem wenn sie gelingt, eine Quelle purer Freude – aus Frust wird Lust. Und es ist wirklich äußerst lustvoll, über einen schmalen Holzbohlenweg, den ich alternativ zum gelben Weg finde, zu wandeln. Das macht unheimlich Spaß, da erwacht bei mir das Kind im Manne, ich fühle mich wie auf einem riesigen Abenteuerspielplatz. Mir wird klar, dass diese Wegalternative wahrscheinlich viel besser als die ursprünglich geplante ist, und schon stellt sich das nächste Glücksgefühl ein, weil das Wanderschicksal mir gnädig gesinnt ist.

Kurze Zeit später gehe ich auf einem relativ breiten Fahrweg, ich verfalle in einen Wandertrott. Auf der nach oben offenen Emotionsskala lebe ich im Moment im Sparprogramm, dafür fährt meine Festplatte hoch, die Gehirngänge fangen an zu arbeiten. Mir kommen Ideen für neue Projekte, private Probleme werden gewälzt und (voraussichtlich) gelöst. Ich gehe im Kopf noch mal meinen Wanderplan für heute durch. Eine Hüttentour wird das, ganz klar: Lustenauer Hütte, Bregenzer Hütte, Hochälplehütte – schönes Kopfkino. Die Wegweiser werden mich führen. Und schon haben mich die Emotionen wieder: Ich schwebe dahin in dem wohligen Hochgefühl, dass ich bis zum Ende der Tour nicht mehr auf meine Karte schauen muss, ich kann mich auf die Markierungen verlassen. Mich macht das unfassbar glücklich, weil ich mich fallen lassen kann; ich darf mich auf mich und die Natur konzentrieren. Ich habe es natürlich auch schon erlebt, dass ich mich bei schlechtem Wetter und bei schlecht markierten Pfaden sehr, sehr allein im Wald und auf der Welt fühlte, verloren, alleingelassen. Das Hänsel-und-Gretel-Syndrom. Urängste kommen in diesem Fall unbewusst an die Oberfläche. Ist der Österreicher Freud eigentlich gewandert?

“Ich bleibe stehen und sauge einige Minuten lang die Stille und die Waldgeräusche auf.”

Manuel Andrack © Manuel Andrack Manuel Andrack © Manuel Andrack

Der Weg hinunter zur Lustenauer Hütte ist tiefromantisch. Durch alten Fichtenbestand schlängelt sich der Weg hinab, eine leicht neblige Luft lässt alte Märchen auferstehen. Das sind die Eindrücke, die unsere Vorstellung von Natur prägen: Die Bilder der Romantiker, die Märchen der Gebrüder Grimm. Die Wegweiser heben meine Laune zusätzlich. Die Zeitangaben sind nämlich nicht sportlich, sondern eher gemütlich gerechnet. Obwohl ich relativ langsam unterwegs bin, liege ich klar unter den angegebenen Zeiten. Die angeblich eineinviertel Stunden bis zur Lustenauer Hütte gehe ich in 50 Minuten, da komme ich mir vor wie ein Wandertitan und wachse um 20 Zentimeter, ein erhebendes Gefühl. Auf der Lustenauer Hütte duzt mich Hüttenwirt Peter ohne Vorwarnung und erzeugt eine warme Emotion des Willkommenseins: Du gehörst zur Familie! Und dann bin ich auch noch der „erste auf dem Weg“. Ich schwebe auf Wolke sieben und komme mir vor wie ein richtiger Erstbesteiger! Leider muss ich aber weiter, nachdem ich die giftgrüne Waldmeisterlimonade getrunken habe.

Ich passiere die Bregenzer Hütte und gehe tiefenentspannt über schmale Pfade. An vereinzelten Bäumen am Wegesrand leuchten mir die rot-weiß gestreiften (Felix Austria!) Wegzeichen entgegen. Ich habe eine kindliche Freude daran, eine glänzende Markierung am Baum anzufassen, zu streicheln, eine sehr haptische, sinnliche Erfahrung. Kurz danach bekomme ich auch eine Streicheleinheit für die Füße und die Augen: Eine Treppe wurde in einen schräg liegenden Baumstamm geschnitzt. Auch dies ist wieder ein Teil des gigantischen Abenteuerspielplatzes Vorarlberg. Es ist wirklich so: Im Wald werde ich wieder zum Kind, das wissen will, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt und staunend die (Wander-) Welt entdeckt.

Im Bregenzerwald

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Auf den letzten Kilometern meiner Tour schaut eine weitere Emotion vorbei: Ärger. Ich bin genervt wegen meiner mangelhaften Ausrüstung. Für die Wanderung hätte ich mal meine Outdoorsocken nehmen sollen und nicht die hauchdünnen, ultrakurzen Baumwollsocken, die sich beim ersten feuchten Fehltritt mit Nässe vollsaugen. Apropos Fehltritt, hinauf zur Hochälplehütte wären Stöcke nicht ganz so schlecht gewesen. Der Ärger über mich selbst muss raus, den kann und muss ich mir wegwandern. Den Weg hinauf zur Hochälplehütte hätte ich mir auch sparen können: keine Fernsicht wegen Nebelwand, und die Hütte hat auch geschlossen. Auf dem Abstieg vom Hochälple schiebe ich noch ein wenig Frust, weil mir mein Belohnungsbier versagt geblieben ist. Aber meine Vorfreude nimmt Fahrt auf, denn ich werde auf schnellstem Weg noch einmal zurück zu meinem Freund Peter auf die Lustenauer Hütte gehen. Und das Tagesgericht, das Rindergulasch mit Semmelknödeln, genießen.

Auch eine Einkehr kann große Emotionen auslösen, ich bin ein großer Fan der gaumensinnlichen Genüsse. Nach dem Schlemmen kommt wieder die Natur. In einer Heidelandschaft mit Ausblick auf Dornbirn und die Rheinebene bleibe ich stehen und sauge einige Minuten lang die Stille und die Waldgeräusche auf. Ich horche in mein Innerstes. Immer wieder kommen Glücksgefühle, ich atme tief durch, frische Luft strömt in meine Lungen. Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber Wandern hat nun mal den Vorteil, in der frischen Luft stattzufinden. Und da kann man gar nicht oft genug tief inhalieren. Ich beende meine Wanderung in Bödele und sinniere über meine Wanderung heute und das Wandern im Allgemeinen. Das Gefühl, in Bergwelten über den Wolken zu stehen, das ist schon etwas Unvergleichliches. Auffällig: In eine Hochstimmung kann man auch bei einer kurzen Wanderung kommen, fünf Stunden waren das heute. Man braucht keinen (Wander-) Marathon zu laufen, keine Alpenüberquerung, um abzutauchen in seine Sinne. Der Regisseur meiner heutigen Wanderemotionen war die Natur, und das Stück hieß: „Pures Wanderglück“.

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