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Stille Nacht. Stationen eines Liedes zum Welterfolg.

Stationen eines Liedes zum Welterfolg.

Autor: Florian Nussbaumer

Nicht weit von der Stadt Salzburg liegt das Städtchen Oberndorf – jährlicher Anziehungspunkt für tausende Besucher. Hier steht inmitten des sanften Hügellandes die Stille Nacht Kapelle – genau an jener Stelle, wo im Jahr 1818 in der St. Nikola Kirche das Weihnachtslied „Stille Nacht“ zum ersten Mal erklang. Seine Entstehungsgeschichte hat der Komponist Franz Xaver Gruber eigenhändig dokumentiert  –  auf Wunsch des  preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV, der sich das Lied alljährlich zum Weihnachtsfest vorsingen ließ. Dieser war überrascht, dass die wunderbare Weise nicht vom  Bruder des berühmten Komponisten Joseph Haydn stammte, sondern von einem einfachen Lehrer.
 

Mariapfarr

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Kirche Mariapfarr © Stille Nacht GesellschaftKirche Mariapfarr © Stille Nacht Gesellschaft

Mariapfarr : Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden.
Alles begann im tiefen Winter des Jahres 1816, einer Zeit des Leids und der Entbehrungen. Die napoleonischen Kriege hatten über Jahrzehnte den europäischen Kontinent verwüstet und die Menschen wünschten sich Ruhe und Frieden.
Es muss wohl diese Sehnsucht gewesen sein, die in Mariapfarr, einer kleinen Gemeinde im Salzburger Lungau, den Hilfspriester Joseph Mohr zu einem Gedicht inspirierte:  In sechs Strophen schilderte er die Weihnachtsgeschichte, wie sie sich in einer „Stillen Nacht“ zugetragen hatte. Bald darauf begann eine Reihe von schicksalhaften Fügungen, die aus dem Gedicht einen Welterfolg machten.


Arnsdorf: Ein Lehrer  als Organist

In Arnsdorf  lebte zu dieser Zeit der Volksschullehrer Franz Xaver Gruber, der 1807 aus seinem oberösterreichischen Geburtsort Hochburg an der Ach hierher gezogen war. Es waren wenige Schüler, die er zu unterrichten hatte, denn viele Kinder blieben zur Arbeit auf den Bauernhöfen ihrer Eltern. Der Lehrer hatte daher Zeit, zusätzlich als Mesner und Organist im benachbarten Ort Oberndorf zu arbeiten. Hier kam es zur Begegnung mit dem Priester Joseph Mohr. Dieser dürfte von dem musikalischen Können Grubers beeindruckt gewesen sein. Am 24. Dezember des Jahres 1818 bat er ihn, eine passende Melodie zu seinem Gedicht zu komponieren. Gruber schrieb die Melodie noch am selben Tag.

 

Stille Nacht Museum in der Volksschule Arnsdorf

  • Stille Nacht Museum in der Volksschule Arnsdorf © Stille Nacht Gesellschaft Stille Nacht Museum in der Volksschule Arnsdorf © Stille Nacht Gesellschaft
Oberndorf und die fehlende Orgel
Da die Kirche von Oberndorf zu dieser Zeit noch nicht fertig eingerichtet war, konnte Gruber die Melodie nicht für Orgelbegleitung schreiben. Stattdessen schuf er eine Komposition für zwei Solostimmen und Gitarre. Als die Christmette vorüber war, sangen die beiden Männer „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum ersten Mal. Die Gitarre spielte Joseph Mohr. Ob das Lied den Menschen gefiel, ist weiter nicht bekannt. Vielleicht wäre es sogar bald in Vergessenheit geraten, käme da nicht die fehlende Orgel ins Spiel: Man holte zu ihrer Planung den Tiroler Orgelbaumeister Karl Mauracher. Dieser wurde auf die besondere Qualität des Weihnachtsliedes aufmerksam. Er nahm es mit in seinen Heimatort Fügen im Tiroler Zillertal, wo es in kürzester Zeit die Herzen der Menschen eroberte.
 

Notenblatt Stille Nacht

  • Original Stille Nacht Autograph von Franz X. Gruber für Orgel und 2 Violinen, 1845 © Museum Hallein Original Stille Nacht Autograph von Franz X. Gruber für Orgel und 2 Violinen, 1845 © Museum Hallein
Fügen im Zillertal: der Beginn einer Weltreise
Erstaunlich, dass ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich Neuigkeiten sehr bedächtig verbreiteten, „Stille Nacht, heilige Nacht“ so rasch den Weg aus dem abgelegenen Zillertal in die Welt fand. Im gesamten Tiroler Land lebten damals jedoch zahlreiche Händlerfamilien, die auf ihren Reisen gleichzeitig Konzerte gaben. Besonders die Familien Rainer aus Fügen und Strasser aus Laimach waren in den 1820er-Jahren als fahrende Singgemeinschaften bekannt. Ob sie gleich zu Anfang „Stille Nacht" in ihrer Sammlung hatten, wissen wir nicht. Belegt ist jedoch die Aufführung des Liedes durch die Familie Strasser in Leipzig. Das „Leipziger Tageblatt" schrieb am 15. Dezember 1832: „Die Sänger hatten dem (…) Wunsche, das schöne Weihnachtslied: ‚Stille Nacht, heilige Nacht’ vorzutragen, freundlich entsprochen.“ Sie hatten das Lied „so allerliebst“ gesungen, dass der Saal von „stürmischem Beyfalle widerhallte“. Bald danach erschien „Stille Nacht“ erstmals gedruckt in einem Notenheft mit dem Titel „Vier ächte Tyroler Lieder“.
 

Veranstaltungen rund um die Stille Nacht

  • Oberndorf, 2., 3., 9. und 10. Dezember 2017
    Stille Nacht Historienspiel "Sehnsucht nach Frieden in der Welt"
    www.stille-nacht-spiele.com
  • Oberndorf, 8. Dezember 2017
    Eröffnung des Weihnachts-Sonderpostamtes im Bruckmannshaus. Das Postamt ist bis 23. Dezember täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
     
  • Hochburg/Ach, 15., 16 und 17. Dezember 2017
    Historienschauspiel "Die Suche nach der Stillen Nacht" in Erinnerung an den Komponisten Franz Xaver Gruber.
     

  • Salzburg, 24. Dezember 2017
    Am Heiligen Abend spielt das bekannte Salzburger Glockenspiel traditionell das Stück "Stille Nacht, Heilige Nacht".

  • Hallein, 24. Dezember 2017
    17:00 Uhr: Weihnachtliche Feierstunde am Grab Franz Xaver Grubers
    www.salzburg.com
  • Mariapfarr, 24. Dezember 2017
    17:00 Uhr im Arkadenhof des Pfarrhofes: "Stille Nacht! Heil`ge Nacht!“ wird im Originaltext von zwei Männerstimmen gesungen.
  • Oberndorf, 24. Dezember 2017
    17:00 Uhr: Traditionelle  "Stille Nacht" - Gedenkfeier vor der Gedächtniskapelle
  • Wagrain, 26.12.2017
    "Joseph Mohr Gedächtnissingen" in der Pfarrkirche Wagrain am Kirchboden
  • Fügen im Zillertal, 7., 9., 10., 15., 16., und 17. Dezember 2017
    Theaterstück „Mauracher und Mohr – Geschichten rund um die Stille Nacht“ in der Festhalle Fügen
    Info: +43 5288 62262, www.best-of-zillertal.at

Ein Museum für ein Lied

  • Notenblatt der Familie Strasser © Museum in der Widumspfiste Fuegen Notenblatt der Familie Strasser © Museum in der Widumspfiste Fuegen
  • Geschwister Rainer vor der Trinity Church in New York, 1839 © Stille Nacht Gesellschaft Geschwister Rainer vor der Trinity Church in New York, 1839 © Stille Nacht Gesellschaft
  • Der Orgelbauer Karl Mauracher aus Fügen © Stille Nacht Gesellschaft Der Orgelbauer Karl Mauracher aus Fügen © Stille Nacht Gesellschaft
  • Schaglerkeusche Mariapfarr, hier lebte der Vater Joseph Mohrs © Stille Nacht Gesellschaft Schaglerkeusche Mariapfarr, hier lebte der Vater Joseph Mohrs © Stille Nacht Gesellschaft
  • Dokumentation zu Rainer-Sängern im Heimatmuseum Fügen © Museum in der Widumspfiste Dokumentation zu Rainer-Sängern im Heimatmuseum Fügen © Museum in der Widumspfiste
  • Stille Nacht Kapelle © Österreich Werbung / Weinhäupel Stille Nacht Kapelle © Österreich Werbung / Weinhäupel
New York und der Rest der Welt.
1839 brach die Tiroler Sängergruppe Rainer zu einer 4-jährigen Amerikareise auf und noch im selben Jahr soll ‚Stille Nacht!‘ erstmals in New York erklungen sein.  Danach wanderte das Lied weiter nach New Orleans, St. Louis, Pittsburg und Philadelphia. Auch bei ihren zahlreichen nachfolgenden Reisen durch ganz Europa und Kleinasien hatte die Sängergruppe „Stille Nacht“ immer im Reisegepäck. Auf diese Weise erlangte es weltweite Bekanntheit, selbst dort wo die Sänger nicht auftraten: Missionare trugen es an die entlegendsten Orte Afrikas und Asiens.
 
UNESCO Welterbe
Wo immer heute Weihnachten gefeiert wird, berührt „Stille Nacht“ die Herzen der Menschen, steht als Symbol für den Frieden in der Welt. „Po Fanau! Po Manu!" heißt es auf Samoanisch, „Oidhche Shàmhach“ auf Schottisch-Gälisch und „Đêm thánh vô cùng“ auf Vietnamesisch. Auch die UNESCO erkannte seine besondere Bedeutung als unverzichtbarer Kulturschatz: 2011 wurde es in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.
 

Wussten Sie, dass...?

  • Jedes Jahr am 24. Dezember die Stille Nacht Gedächtnisfeier in Oberndorf live als Audio-Stream  im Internet übertragen wird?
  • Es in Österreich zehn „Stille Nacht“ Museen  gibt?
  • Im Zillertal noch das „Strasserhäusl “ steht?  Von hier aus trug die Strasser-Familie das Lied in die Welt.
  • Die Geschichte des Liedes auch als Historienspiel im Geburtsort Franz Xaver Grubers, in Hochburg an der Ach zu sehen ist?
     
  • „Stille Nacht“ in über 300 Sprachen  und Dialekte übersetzt wurde?
  • Die Aufnahme von Bing Crosby  aus dem Jahr 1935 rund 10 Millionen Exemplare erreichte?
  • Man im Heimatmuseum Fügen  „Stille Nacht“ 940 verschiedene Aufnahmen von Stille Nacht anhören kann? Die Schallplattensammlung umfasst übrigens mehr als 500 Exemplare.
  • Es im Geburtstort von Franz Xaver Gruber einen Friedensweg  gibt, der die Verbundenheit der Menschen in aller Welt symbolisiert – wie es auch das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ tut?

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