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Der Nationalpark Gesäuse

Vom Rauchbodenweg, der direkt an der Lebensader des Gesäuses, der Enns, entlanggeht, biegt man bei einer kleinen Kirche in Richtung Ennstalerhütte links ab. Und taucht ein in den Urwald, wie ihn nur ein Nationalpark in der Steiermark haben kann.

Autorin: Katharina Zimmermann

Sofort wird es kühler auf der Haut, unter den hohen Bäumen herrscht ein eigenes Ökosystem, das auch die drückende Hitze im Sommer aushaltbar macht. Die schweren Wanderschuhe werden vom nadelbedeckten Boden abgefedert und Schritt für Schritt eröffnet sich die magische Welt des Waldes mit all ihren kleinen Besonderheiten. Schon nach wenigen Metern wird man von der naturbelassenen Schönheit geschluckt – im Nationalpark Gesäuse mitten im Herz von Österreich werden Bäume, die von selbst umgefallen sind, bewusst liegen gelassen: Sie bieten Wohnraum für allerlei Totholzbewohner wie dem seltenen Alpenbock – eine geschützte Käferart. Für den aufmerksamen Wanderer ergibt dies kein aufgeräumtes Bild, sondern ein wildes. Denn hier darf die Natur noch machen, was sie will.

Einfach naturbelassen

Gestern hatte es noch geregnet, schwarze Wolken waren über der Hochtorgruppe aufgezogen und haben die mächtigen Berge bedrohlich schön eingekleidet. Der Donner ereilte mit seinem Grollen das ganze Tal bis nach Admont. Regen ist nichts Ungewöhnliches im Gesäuse-Sommer: Das Wasser der Enns bohrt sich durch den Fels und bringt in Fliessgeschwindigkeit frische Luft ins Tal, das für Wettereskapaden sorgt. Heute früh strahlt die Sonne bereits durch die Blätter und Nadeln, die in ihren Strahlen tänzeln. Allerdings ist der Waldboden noch dunkel und hie und da hängt ein kleiner Wassertropfen am Buchenblatt. Das morsche Holz des mit Moos überwucherten Baumstammes erweckt Aufmerksamkeit. Bei näherer Betrachtung findet sich auch hier – im Kleinen – ein Mini-Wald. Die Natur mit ihrer Liebe zum Detail macht weder vor Grossem noch vor Kleinem halt.

Wo der Wald noch Wald sein darf

  • Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner
  • Mystische Welt, Gesäuse © Andreas Hollinger Mystische Welt, Gesäuse © Andreas Hollinger
  • Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner
  • Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner Der Nationalpark Gesäuse © Stefan Leitner

Der sanfte Gesäuse-Kick

Die Luft riecht nach altem, nassem Holz und birgt noch Feuchtigkeit – die Kühle erfordert, dass eine der Zwiebelschichten wieder angezogen werden muss, die in der Sonne schon nicht mehr nötig war. Es wird den rot-weiss-roten Markierungen gefolgt, bergauf versteht sich. Und obwohl das Gesäuse als Universität des Bergsteigens bekannt ist, sind die schroffen Kalkgipfel hier fern: Einsam und bedacht schreitet man über den Waldboden, die Füsse tragen einen immer tiefer hinein in die vermeintliche Wildnis. Doch halt, bald wird es heller, eine liebliche Lichtung eröffnet sich, auf ihr gelb getupfte Blumen. Schlagartig wird es wärmer und trockener – der perfekte Zeitpunkt, um sich auf die Bank am Wegesrand zu setzen und den Weg mit einem kleinen Zwischenziel zu versehen. Ein Schluck Wasser tut gut und gibt Kraft zum Weitergehen. Aber zuerst heisst es sitzen und schauen.
Spinnennetze überziehen die Grashalme, durch einen kleinen Windstoss werden sie in Bewegung gesetzt. Und in der Ferne hört man ein leises Plätschern – ein Gebirgsbach, wird man später herausfinden, wenn man über den kleinen Steg balanciert, um noch weiter vorzudringen in das grüne Herz von Österreich, in den Nationalpark Gesäuse. Und dabei liegt einem ein leichtes Lächeln, ja, ein Funkeln im Gesicht.

Die Vegetation des Waldes

  • Wald, Gesäuse © Katharina M.  Zimmermann Wald, Gesäuse © Katharina M. Zimmermann
  • Farn im Wald © Katharina M.  Zimmermann Farn im Wald © Katharina M. Zimmermann
  • Walderdbeeren © Katharina M.  Zimmermann Walderdbeeren © Katharina M. Zimmermann
  • Die Vegetation des Waldes © Katharina M.  Zimmermann Die Vegetation des Waldes © Katharina M. Zimmermann
  • Moos © Katharina M.  Zimmermann Moos © Katharina M. Zimmermann
  • Waldweg, Gesäuse © Katharina M.  Zimmermann Waldweg, Gesäuse © Katharina M. Zimmermann
  • Waldpflanzen © Katharina M.  Zimmermann Waldpflanzen © Katharina M. Zimmermann

Wo findet man noch Urwälder?

Vielleicht sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht, dafür aber einen Urwald. Da stehen die Bäume nämlich nicht in Reih und Glied, sondern wachsen, wie es ihnen gefällt. Der Mensch greift auch nicht in die Dynamik dieser ursprünglichen Vegetation ein. Fällt ein Baum, bleibt er einfach liegen und macht so nicht nur Platz für Jungpflanzen, sondern schafft auch neuen Lebensraum für Pilze, Insekten oder Moose. Alles fügt sich in einen natürlichen Kreislauf ein.

In Europa gelten nur etwa 6,4 Prozent der Wälder als Urwald. Der Grossteil davon befindet sich im Grenzland von Polen und Weissrussland sowie in Russland. In Österreich sind etwa drei Prozent der Wälder geschützt bzw. gelten als Urwälder.

  • Der grösste Urwald Österreichs ist der Rothwald (Niederösterreich) mit 3.500 ha. Seit etwa 500 Jahren wurde dort kein Baum mehr durch Menschenhand geholzt – ein wahnsinnig toller Anblick.

  • Das Naturwaldreservat Rohrach (Vorarlberg) ist sozusagen der Wilde Westen Österreichs: Die Waldschlucht ist so dicht bewachsen, dass sie nur sehr schwer zugänglich ist.

  • Die Baumgiganten im Radurschltal (Tirol) zählen zum grössten geschlossenen Zirbenwald (Zirbe = Arbe) der Ostalpen.

  • Der Rauriser Urwald in den Hohen Tauern (Salzburg) ist das einzige Hochmoor in den Alpen. Die Landschaft ist gezeichnet durch viele Seen, Moore und Tümpel, zwischen denen alte Spitzfichten wachsen.

  • Mächtige Baumriesen findet man im grössten geschlossenen Waldgebiet der nördlichen Kalkalpen, im Nationalpark Kalkalpen (Oberösterreich).

  • Im Kamptal muss man die Buchen nicht lange suchen – hier gibt es die bedeutendsten Buchenwälder, die Lebensraum für etwa 10.000 Tierarten bieten.

  • Die Donauauen – bestehend aus 65 % Auwald, 15 % Wiese und ca. 20 % Wasser – sind Lebensraum für unzählige Säugetiere, Fische, Amphibien und Reptilien und 800 Pflanzenarten, die hier ungestört wachsen können.

  • Ein Urwald so nah an der Hauptstadt: Im Biosphärenpark im Wienerwald  (Wien/NÖ), der von der UNESCO ausgezeichnet wurde, stehen biologische Vielfalt und nachhaltige ökologische Landschaftsnutzung im Vordergrund.

  • Vor etwa 6.000 Jahren sah unser Kontinent noch ganz anders aus: Europa war überzogen mit einem dichten Eichenmischwald. Im Burgenland mit seinen dichten Eichenwäldern kann man noch Spuren dieser Ära entdecken.

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Der Nationalpark Gesäuse

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