Suchen
    • Salzkammergut Attersee - Gustav Klimt Zentrum / Gustav Klimt Zentrum
      media_content.tooltip.skipped

    Gustav Klimt am Attersee: Auf der Suche nach dem richtigen Ausschnitt

    Zwischen 1910 und 1916 verbrachte Gustav Klimt die meisten Sommer am Attersee und ließ sich von Licht und Farben inspirieren. Mit seinen Gemälden machte er See und Landschaften unsterblich. Heute können Besucher im Klimt-Zentrum in Kammer auf Spurensuche gehen.

    Das kleine Stück Karton mit dem ausgeschnittenen Viereck liegt auf einem Tisch in der Ausstellung, und man kann es sich vor die Augen halten und die Welt plötzlich quadratisch sehen. Der Pappendeckel ist nicht das Original – aber mit genauso einem einfachen Hilfsmittel ist Gustav Klimt damals am Ufer unterwegs gewesen. Die meisten Sommer zwischen 1910 und 1916 verbrachte der Wiener Jugendstilkünstler am Attersee, Sommer, in denen er sich von Wasser, Luft und Licht zu seinen schönsten Landschaftsbildern inspirieren ließ. Über vierzig Werke hat er hier gemalt. Die allermeisten sind quadratisch. Wie das Loch in besagtem Karton, mit dem Klimt auf die Suche nach dem perfekten Ausschnitt loszog.

    Salzkammergut Attersee - Gustav Klimt Zentrum / Gustav Klimt Zentrum
    media_content.tooltip.skipped

    Und was muss das für ein Bild gewesen sein! Gustav Klimt war ein stattlicher Mann mit wildem Bart, der auch außerhalb des Ateliers in umhangartigen, blauen Malerkitteln unterwegs war.

    Seine Lebensgefährtin und Muse, die Modeschöpferin Emilie Flöge, entwarf wallende Frauenkleider, die sie auf ihren gemeinsamen Spaziergängen und Bootsfahrten trug. Die Aufenthalte des Wiener Künstlerpaars in Litzlberg, Kammer und Weißenbach sind bestens dokumentiert, etliche Fotos in der Ausstellung im Klimt-Zentrum zeigen Künstler und Muse beim Flanieren, Rudern oder Picknicken.

    Beim Anblick dieser Fotos ahnt man: Es wird eine Zeitlang gedauert haben, bis die Landbevölkerung sich an die exzentrisch wirkenden Besucher aus der Hauptstadt gewöhnt hatte.

    Salzkammergut Attersee / Attersee
    media_content.tooltip.skipped

    Der Attersee tat Klimt gut. Er ließ ihn zur Ruhe kommen, war Balsam für sein Nervenkostüm, bezirzte ihn mit Licht und Farben (genau wie Gustav Mahler übrigens, der ein paar Jahre zuvor in einem „Komponierhäuschen“ in Steinbach seine 3.Symphonie komponiert hatte). Hielten Klimt geschäftliche Gründe in der Hauptstadt, schrieb er sehnsüchtige Briefe und Postkarten an Emilie Flöge und alle Freunde, die schon im Salzkammergut waren: „Ich sehne mich hinaus wie noch nie!“. Traf er endlich ein, stellte er meist schon am nächsten Morgen die Staffelei auf.

    Und dann malte er. Keine majestätischen Gipfelpanoramen, keine heroische Alpenlandschaften, sondern die Schönheit des Alltäglichen, die jeder sehen kann, der einen Blick für sie hat: „Rosen unter Bäumen“, „Die große Pappel“, „Obstbäume“, den „Teich im Park von Schloss Kammer“, den „Gartenweg mit Hühnern“. Nur wenn es regnete, sank seine Stimmung, und er klagte in Briefen nach Wien, dass er nicht vorankomme mit seinen Werken. Mit vielen Bildern war er am Ende nicht ganz zufrieden. Die meisten hängen heute in den großen Museen der Welt.

    All das ist im Klimt-Zentrum dokumentiert, das in Kammer direkt an jener Lindenallee hinüber zum Schloss liegt, die zu den Lieblingsplätzen und Motiven des Malers gehörte. Außerdem gibt es einen Themenweg und einen Audioguide, und wer will, kann sich mit den Fachbüchern der Klimt-Expertin Sandra Tretter auf eine Bank ans Ufer setzen. Natürlich lässt sich Klimts Schaffen im Salzkammergut bis heute überall in der wunderbaren Natur nachvollziehen. Der Attersee ist schließlich immer noch der Attersee.

    „Der See gleicht der seidenen Robe einer schönen Frau, leuchtet kokett in blauen, grasgrünen, violetten Tönen“, hat ein begeisterter Kritiker über Klimts berühmtestes Sommerfrische-Gemälde geschrieben.

    Salzkammergut Attersee / Attersee
    media_content.tooltip.skipped

    „Am Attersee“ war damals eine Sensation – auf dem Bild war nur ein schmaler Streifen Himmel zu sehen und eine kleine Ecke Land, auf dem kompletten Rest der Leinwand malte Klimt nichts als Wasser. Manchmal, wenn man heute hinaus auf den See schaut, ist es, als blicke man geradewegs hinein in dieses Bild. Man muss bloß den richtigen Ausschnitt finden.

    Mehr über das Salzkammergut entdecken

    •                     Salzkammergut Bad Ischl - Lehar Villa / Lehar Villa
      media_content.tooltip.skipped

      Bauen (fast) wie ein Kaiser

      Bad Ischl ist die heimliche Hauptstadt des Salzkammerguts und so etwas wie der Geburtsort der Sommerfrische.
      Architektur im Salzkammergut
    •                     Altaussee mit Dachstein im Hintergrund / Altaussee
      media_content.tooltip.skipped

      Der Altausseer See, das Tintenfass der Literaten

      Am Ufer des Altausseer Sees sind Regale voller Bücher geschrieben worden. Warum bloß?
      Literatur im Salzkammergut
    •                     Salzkammergut Wolfgangsee / Wolfgangsee
      media_content.tooltip.skipped

      Musik im Salzkammergut: Mondsee-Serenade

      Die Landschaften des Salzkammerguts haben schon früh Komponisten angelockt: Richard Strauss, Franz Schubert, Gustav Mahler.
      Musik im Salzkammergut
    media_content.tooltip.skipped